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25.01.2013

11:47 Uhr

Deutschlandchef der GE-Energiesparte

„Den Ausstieg haben viele Solarfirmen verpasst“

VonDana Heide

Keine Abenteuer: Stephan Reimelt, Chef der deutschen Energiesparte von General Electrics, spricht im Interview über die Energiewende, warum viele Solarfirmen scheitern und weshalb er sich bei Offshore-Wind zurückhält.

Stephan Reimelt, Chef der deutschen Energiesparte von Siemens-Konkurrent General Electric: „Man darf Pionierleistung nicht mit Abenteuer verwechseln.“ GE

Stephan Reimelt, Chef der deutschen Energiesparte von Siemens-Konkurrent General Electric: „Man darf Pionierleistung nicht mit Abenteuer verwechseln.“

BerlinDer US-Industriekonzern General Electric engagiert sich bei den erneuerbaren Energien vor allem mit Windkraft an Land. In Deutschland ist der Konzern auf rasantem Wachstumskurs, vor allem in der Energiesparte, dessen Chef Stephan Reimelt ist. Der studierte Wirtschaftsingenieur hat an der TU Berlin promoviert und unterrichtet dort nebenbei.

Handelsblatt Online: Im September haben Sie gesagt, dass die Energiewende für die Welt Blaupausencharakter hat – sehen Sie das immer noch so?

Stephan Reimelt: Wenn Sie erfolgreich wird und wir das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben, ja. Ich habe im Augenblick allerdings ein bisschen die Sorge, dass wir den originären Charakter der Energiewende aus den Augen verloren haben. Die Summe der Partikularinteressen, die wir im Moment sehen, wird nicht zu einem Energiewende-Konzept führen. Ich hoffe, dass wir bei der Bearbeitung des EEGs wieder zu diesen originären Gedanken – CO2-Reduzierung, dezentrale Energieversorgung und freie Märkte – zurückkommen.

Können Sie da konkreter werden?

Nehmen sie zum Beispiel die Gaskraftwerke: Deutschland stellt momentan die modernsten Gaskraftwerke der Welt ab und lässt Kohlekraftwerke länger laufen. Wir haben in diesem Jahr in Deutschland vier Prozent mehr Kohle eingesetzt.

Wo sehen Sie weitere Fehler bei der Energiewende?

Der überdimensionale Ausbau der Energieinfrastruktur in Deutschland, der Milliarden verschlingen wird, ist wirtschaftlich nicht nötig und sehr schwer nachvollziehbar.

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen Sie Offshore-Wind, bei dem die Energiekosten dreimal so hoch sind wie bei Onshore-Wind, also Windrädern an Land. Dann leiten sie das für Milliardenbeträge durch Trassen in den Süden, die in den nächsten zehn Jahren nicht gebaut werden. Wenn der Strom in Süddeutschland ankommt, ist er aber nur für eine begrenzte Zeit verfügbar. Um die Schwankungen auszugleichen, muss ich daneben ein Gaskraftwerk bauen. Dieses Gaskraftwerk wird aber nie wirtschaftlich sein, weil es immer nur die Hälfte der Zeit laufen wird. Dieses Modell erschließt sich mir nicht.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für GE, den Sie noch weiter ausbauen wollen. Sie beschäftigen momentan 7500 Mitarbeiter in Deutschland – wie viele sollen es noch werden?

Ich möchte mich da nicht auf Zahlen festlegen. Feststeht, dass wir stetig wachsen und dass wir unsere Forschungskapazität in Deutschland bis 2014 verdoppeln werden. Deutschland ist ein sehr großes Energielabor, in dem es sehr viele Innovationen und Möglichkeiten gibt.

In welchem Bereich wollen Sie in Deutschland wachsen?

Im Energiebereich möchten wir unseren Marktanteil bei Onshore-Wind deutlich auf einen zweistelligen Bereich erhöhen. Auch im Kraftwerksbereich möchten wir unseren Marktanteil deutlich steigern.

Kommentare (10)

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HofmannM

25.01.2013, 12:15 Uhr

So ein Schleimer!
Diese Typ will uns Deutschen die Energiewende weiterhin als Erfolg verkaufen, obwohl er genau weis, dass diese Weltweit als Lachnummer gilt!
In den USA wird auf Fracking (Gas und Oel) gesetzt! GE selbst wird sein Geschäft im Bereich der Gaskraftwerksbau weltweit ausweiten. GE ist in Deutschland nur für Windkraftanlagen, weil diese durch das EEG vom deutschen Stromendverbraucher zwangsubventioniert werden.
Dieser Reimelt will unsere deutsche Landschaft weiter zerstören mit immer neuen Windkraftanlagen. Dieser Typ will unwirtschaftliche (hochsubventionierte durch EEG-zwangsabgabe) Windmühlen in unsere Naturlandschaft stellen. Die deutsche Natur wird zusehends zur Industrielandschaft umgeformt, nur weil einige EEG-Abzocker ihren Profit damit mehren wollen. Nach 10 Jahren ist der Hype vorbei und alle Windmühlen stehen unwirtschaftlich in der Natur herum. Der GE Manager ist dann schon längst zum nächsten Subenventionszahler abgewandert. Zurück bleibt eine von Winmühlenbauten zerstörte Naturlandschaft!!!

Pol-Ente

25.01.2013, 12:29 Uhr

Toll, bei uns in Nordhessen (rund um Kassel) werden die nächsten Jahre 190 Windkraftanlagen (die auch 190 Meter hoch sind) gebaut.

Das wird herrlich.
Die landschaftlichen Erholungsgebiete in Nordhessen werden optisch verschönert und der Strom wird für uns Bürger endlich viel billiger werden, denn die Dinger produzieren massig Strom.

Endlich Energie, die sauber und billig ist. Warum nicht gleich so?

Account gelöscht!

25.01.2013, 12:37 Uhr

@HofmannM

Und vergessen Sie bitte nicht die Millionen abgeschlagener Köpfe und Flügel unserer Vögel.
Ich habe mal gelernt, daß Vögel auch zum Ökosystem gehören,ja sogar notwendig sind.
Mich wundert schon lange, daß sich keine unserer Umweltrettungs-Vereinigungen zu diesem Thema zu Wort meldet. Die müssen alle,wer weis wie,auf Linie gebracht worden sein. Blind vor lauter CO2 in den Augen!

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