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08.07.2015

13:49 Uhr

Didi Kuaidi

Chinesische Taxi-App sammelt Milliarden ein

Taxi-Apps wie Uber oder Didi Kuaidi werden in China immer beliebter, mit Rabatten liefern sie sich einen erbitterten Kampf um die Kunden. Um neue Dienste zu entwickeln, hat Didi Kuaidi nun frisches Kapital eingesammelt.

Der Uber-Konkurrent gehört zu einem Teil dem chinesischen Online-Riesen Alibaba. AFP

Links die Taxi-App Didi Kuaidi

Der Uber-Konkurrent gehört zu einem Teil dem chinesischen Online-Riesen Alibaba.

PekingDie chinesische Taxi-App Didi Kuaidi hat zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) frisches Kapital eingesammelt. Die Finanzierungsrunde sei in den vergangenen zwei Wochen bei Investoren weltweit auf „riesiges Interesse“ gestoßen, teilte der Rivale des Fahrdienstanbieters Uber am Mittwoch mit. Dies beweise das Vertrauen in die Entwicklung von Didi Kuaidi, erklärte Unternehmenschef Cheng Wei. In den nächsten Monaten wolle das Unternehmen einige weitere Millionen Dollar von Investoren erhalten.

Fahrdienstanbieter wie Didi Kuaidi oder Uber werden in China immer beliebter. Reguläre Taxis stehen wegen ihres schlechten Service und ihrer unfreundlichen Fahrer, die regelmäßig potenzielle Fahrgäste am Straßenrand stehenlassen, in der Kritik. Der chinesische Markt der Fahrdienstanbieter wird von Didi Kuaidi mit mehreren Millionen Fahrten am Tag dominiert. Mit Uber liefert sich das Unternehmen aber über Rabattaktionen und Unterstützung für Fahrer einen erbitterten Kampf um Kunden.

Der Kampf der Taxibranche gegen Mytaxi

Worum geht es?

Die Daimler-Tochter Mytaxi hatte im Frühjahr in Deutschland und anderen Staaten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent für Fahrten geworben, die über die App vermittelt und bezahlt werden. Die Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale setzte dem mit einer einstweiligen Verfügung ein Ende. Die Begründung: Das Personenbeförderungsgesetz ist dazu da, Taxifahrer vor ruinösem Wettbewerb zu schützen. Demnach dürfen nur die Behörden, also die Kommunen, die Taxipreise festlegen. Diese dürfen weder über- noch unterschritten werden.

Quelle: dpa

Welche Meinung vertritt das Gericht in Stuttgart?

Das Stuttgarter Landgericht entschied im Sinne der Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale - und erklärte die Rabatte für rechtswidrig (Az.: 44 O 23/15 KfH). Der Richter am Oberlandesgericht war aber schon anderer Meinung. Die Rabatte seien nicht grundsätzlich zu verbieten - unter anderem, weil Mytaxi nicht unter das Personenbeförderungsgesetz falle und den Taxifahrern die 50 Prozent erstatte. Der konkrete über zwei Wochen gewährte Rabatt von 50 Prozent könne allerdings als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, denen die Taxifahrer ausgesetzt sind. Schon eine zweiwöchige Rabattaktion könne in einem fragilen Markt wie dem Taxi-Geschäft ausreichen, die Verhältnisse zu ändern, so der Richter. Denn durch die Rabattaktionen werde Druck auf die Taxifahrer ausgeübt, sich Mytaxi anzuschließen.

Welche Konsequenz könnte eine Entscheidung nun haben?

Das Oberlandesgericht bot den beiden Parteien einen Vergleich an. Sie hätten sich über die Frage einer tolerierbaren Höhe und Dauer von Rabatten einigen müssen. Das ist nicht gelungen. Es könnte also durchaus sein, dass das Gericht eine solche Grenze zieht – und Mytaxi anders gestaltete Rabatte in Stuttgart gewähren darf.

Warum kann trotzdem bundesweit mit Rabatten geworben werden?

Das Hamburger Landgericht, dass über ein bundesweites Verbot entschieden hatte, hatte wie Mytaxi argumentiert: Das Gesetz gelte eben nicht für die App, da sie nur ein Vermittler sei. Außerdem erhielten die Fahrer, die durch das Gesetz geschützt werden sollen, ja den vollen Fahrpreis (Az: 312 O 225/15).

Welche Entscheidungen stehen noch aus?

In Frankfurt hat die Servicegesellschaft Taxi Deutschland vor dem Landgericht Klage gegen die bundesweit laufenden Rabattaktionen eingereicht. Die Taxi-Zentralen sehen sich einem ruinösem Wettbewerb ausgeliefert. Vor dem Landgericht Frankfurt war schon der Mitfahrerdienst Uber Pop, bei dem Privatleute Fahrten in ihren Autos anbieten, nach einer Klage des deutschen Taxigewerbes für wettbewerbswidrig erklärt worden.

Könnte Mytaxi auch grundsätzlich verboten werden?

Nein. Das machte zumindest der Richter am Stuttgarter Oberlandesgericht sehr klar. Es gehe nicht um die Zulässigkeit des Geschäftsmodells. Mytaxi nutzte die Gunst der Stunde und kündigte eine neue Rabattaktion in mehreren deutschen Großstädten bis 26. November an – Stuttgart gehört selbstverständlich nicht dazu.

Das nun eingenommene Kapital will Didi Kuaidi nach eigenen Angaben nutzen, um seine Marktposition zu festigen, neue Dienste zu entwickeln und die hinter der App stehende Technologie weiterzuentwickeln. Das Unternehmen hat sich vorgenommen, in drei Jahren mehr als 30 Millionen Fahrgäste täglich zu befördern und über zehn Millionen Fahrer zu verfügen. Zudem soll jeder Fahrgast in China spätestens drei Minuten nach seiner Anfrage ein Mitfahrangebot erhalten.

Von

afp

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