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27.01.2005

11:00 Uhr

Die Älteren sollen mehr Power zeigen, meint Beraterin Monika Funsch, die Berufstätige ab 40 in Karrierefragen coacht

„Der Jugendwahn ist schizophren“

Monika Funsch, 58, leitet die Personalberatung Top Forty in Bad Homburg und als zweite Vorsitzende im Verein Arbeit50plus e.V. aktiv. Im Interview erklärt sie, woher der Jugendwahn rührt wie Alt und Jung im Job zueinander finden können.

Handelsblatt: Frau Funsch, Sie haben die Karriereberatung Top Forty gegründet. Gehört man heute auf dem Arbeitsmarkt ab 40 zum alten Eisen?

Frau Funsch: So grotesk es klingen mag: ja. Ab 40 fängt es an, schwierig zu werden, wenn man wechseln will. Gerade Akademiker haben oft nur einen ganz kurzen Zeitkorridor von Ende 20 bis Anfang 40, in dem sie am Arbeitsmarkt begehrt sind. Andererseits soll man bald bis 67 arbeiten. Das ist doch schizophren.

Woher rührt dieser Jugendwahn?

Den hat uns die Werbung vorgelebt. Oft haben die Jüngeren einfach kein Vertrauen in die Leistungsfähigkeit älterer Kollegen, weil sie durch Vorurteile geprägt sind. Das Verständnis füreinander ist schlichtweg abhanden gekommen. Ich meine: Jeder soll zu seinem Alter stehen. Aber die Älteren sollen deutlich zeigen, welche Power in ihnen steckt.

Sind den Firmen Ältere zu teuer?

Das stimmt nur zum Teil, ein 35-Jähriger verdient heute gar nicht so viel weniger als ein 50-Jähriger. Zudem sind viele Ältere zu deutlichen Abstrichen bereit. Die größte Hürde für sie ist, überhaupt eingeladen zu werden – wegen des Alters werden sie meist direkt aussortiert.

Warum sollte ein Personalchef Ältere den Jüngeren vorziehen?

Die Belastbarkeit ist höher, sie haben jahrelange Erfahrung. Neben Know-how stehen Ältere noch für Werte wie Zuverlässigkeit und Beständigkeit: Wenn ein 55-Jähriger einen Job antritt, wechselt er nicht nach drei Jahren wieder, um den nächsten Karrierekick zu kriegen.

Fürchten Unternehmen nicht, dass sie Ältere nie mehr los werden?

Zu Unrecht. Es gibt doch die Möglichkeit befristeter Verträge. Dies müsste eigentlich kleine und mittlere Betriebe dazu bewegen, verstärkt Ältere einzustellen. Auch die Arbeitnehmer sollten dies als Chance begreifen.

Bevorzugt der Kündigungsschutz Ältere unangemessen?

Sicher, es gibt durchaus ältere Mitarbeiter, die über Jahre mitgeschleppt werden. Doch die Berufswelt hat sich dramatisch verändert. Es gibt keinen sicheren Arbeitsplatz mehr – egal auf welcher Hierarchieebene.

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