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09.09.2015

15:20 Uhr

Die Chef-Beraterin

Der Gürtel

„Ich brauch‘ nichts, was mich zusammenhält – ich bin auch so gefestigt.“ So letztens der Beitrag eines Mannes im Anzug zum Thema Gürtel. Ein Witzchen. Und ich dachte bis dato, dass ein Mann ohne Gürtel auseinanderfällt.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Ja. Genauso wie die Anzug-Kurzarmhemdträger, sind auch die Anzug-Gürtelverweigerer nicht kleinzukriegen. Wenn die Gürtelverweigerer wenigstens einen Smoking oder Frack anhätten (da darf man ja), aber – nein, die tragen den Anzug einfach ohne. Also ohne Gürtel. Denen unterstelle ich natürlich sofort den verstellbaren Bund, den sogenannten Autofahrerbund, haha. Autofahrerbund, weil so flexibel.

Ich stelle mir das so vor: Falls der Autofahrer während einer Autofahrt gezwungen wird, ein Drei-Gänge-Menü zu essen, kann er diesen Bund circa zehn Zentimeter weiter stellen. Gibt’s nix zu essen, dann geht’s natürlich auch umgekehrt.

Kommen wir zum Realitätscheck Google: Die Suche nach „Muss man zum Anzug einen Gürtel tragen“ liefert 99.000 Ergebnisse. Immerhin. Grund genug, es ein für alle Mal festzuhalten: Ja. Man (Mann!) muss. Auch dann, wenn die Hose auch ohne Gürtel ganz hervorragend sitzen würde. Einzige Ausnahme: Man trägt Hosenträger (aber wer trägt Hosenträger, wenn noch nicht mal die Investmentbanker?).

Ein Mann von Format im Anzug trägt Gürtel und macht kein Gedöns. Er ist eins mit sich, dem Gürtel und der Gürtelschnalle. Aus. Ende. Somit:

– Die meisten Gürtel haben fünf Löcher; der Gürtel sitzt dann exakt, wenn der Dorn der Schnalle durch das dritte Loch des Riemens passt.
– Je schmaler und flacher der Gürtel desto förmlicher und eleganter wirkt er.
– Der Gürtel muss sich nach den Schuhen richten (schwarze Schuhe – schwarzer Gürtel, braune Schuhe…Sie wissen schon). Die Detailverliebten, ja die gibt es, stimmen sogar die Brauntöne nach den Farbnuancen ab (schokoladenbraune Schuhe – schokobrauner Gürtel, rotbrauner Gürtel -…).
– Die Gürtelschließe mit beweglichem Dorn ist der Klassiker und nicht der Wendegürtel.
– Die Schließe ist immer von der Metallfarbe her abgestimmt auf Uhr und Ring (vergoldete Schließe zu Uhr und Ring aus Gold, silberfarbene Schließe zu Stahlchronometer, Silberring … – Sie wissen…)

Dann gibt es noch etwas, was nicht geht (schon gar nicht zum Anzug): Die Nieten, Flecht- und Stoffgürtelschnallen. Von Schnallen mit Totenköpfen und Konsorten ganz zu schweigen. Der absolute Gürtel-Schnallen-Fauxpas aber sind die Gürtel mit einem fetten H oder LV – total daneben. Das geht gar nicht! Von all diesen Marken, wenn es denn sein muss, gibt es auch dezente Ausführungen, die besser geeignet wären. So berichtet ein Banker unter dem Pseudonym Goldman Sachs Elevator auf einem Branchenportal: „Wir hatten auf dem Trading-Floor einen Analysten in seinem ersten Jahr mit einem Gürtel von Gucci mit „G“-Schnalle. Ein Trader hat gerufen: ‚Hallo, ich wusste noch gar nicht, dass GAP Gürtel herstellt.‘ Darauf antwortete der Analyst: ‚Er ist von Gucci!‘ Kaum ausgesprochen, musste er erkennen, dass es sich um einen Spaß handelte und er sich vor einem halben Dutzend Leute lächerlich gemacht hatte.“

Fazit: Nichts ist schlimmer, als wenn ein Mann versucht, über seine Gürtelschnalle zu kommunizieren oder noch schlimmer: Originell oder stylisch zu sein. Gruselig.

P.S.
Danke, dass ich mich nicht mehr über das Thema Handy am Gürtel bzw. „Gürteltasche“ auslassen muss. Das scheint ja zu klappen.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

Von

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