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05.07.2017

15:20 Uhr

Die Chef-Beraterin

Die Lizenz zu Dauerallüren

VonSabina Wachtel

Vergessen Sie die Starallüren! Unsere Kolumnistin hat die Dauerallüren erfunden. Dahinter steckt der Wille zur perfekten Inszenierung. Nicht zu verwechseln mit den verhassten Chefallüren, die sie auch kennt.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Hat jemand keine Allüren, so gilt das gemeinhin als etwas Positives. Da ist einer nicht abgehoben, sondern auf dem Boden geblieben. Der Schuster ist bei seinen Leisten geblieben, der Chef hat seinen Job von der Pike auf gelernt, man darf ja nicht vergessen, wo man herkommt und so weiter. Andererseits gibt es die Starallüren, die Allüren der Diven und nun eben auch: Dauerallüren. Dauerallüren sind die perfekte Inszenierung. Dauerallüren können alles sein – nur kein Mittelmaß. Dauerallüren irritieren – und bleiben im Gedächtnis. Sich selbst zur Marke machen, das Eigene, das Markante, die Ecken und Kanten: Dauerallüren sind eine Haltung.

Die unangenehmsten Allüren hingegen sind meiner Meinung nach die Chefallüren. Das geht gar nicht! Chefallüren lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

1. Die Kontrolletti-Chefallüren. Es geht keine Mail raus, kein Telefonat wird geführt, kein Kundenkontakt gepflegt ohne sein vorheriges Checken. Er kontrolliert alles. Wer die Kontrolletti-Chef-Allüren in den Griff kriegen will, kann eigentlich nur gleiches mit gleichem vergelten. Drehen Sie den Spieß um und nerven Sie ihn mit Ihren permanenten Reports über alles und jeden. Machen Sie einen Plan, setzen Sie Prioritäten. Diese Prioritäten muss er wiederum checken, gegebenenfalls ändern. Dann halten Sie ihn dauerhaft in cc… Er wird wahnsinnig. Oder Sie.

2. Die Spontaneitäts-Allüren. Das ist der Chef ohne Plan. Jeden Tag ein 40-minutiges Meeting und Sie sind danach genauso schlau wie vorher. Hier hilft nur das gute alte Protokoll – so blöd es auch klingen mag. Schreiben Sie einfach alles mit. Haken Sie nach. Fragen Sie nach dem Ziel. Wiederholen Sie im Protokoll, welche Aufgaben angesprochen wurden. Enden Sie mit einer zeitlichen Aufstellung, wie Sie die angesprochenen Aufgaben erledigen möchten. Mailen Sie ihm dieses Protokoll zu oder überreichen Sie ihm einen Ausdruck. Wenn das alles nichts bringt, dann wechseln sie die Abteilung. Haha.

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