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01.04.2015

14:29 Uhr

Die Chef-Beraterin

Die Macht der Bilder

Das Profilbild auf dem Business-Portal, das Gruppenbild auf der Firmen-Homepage – das Netz ist voller Fotos von Managern. Mit den richtigen Fotos kann sich jeder selbst zur Marke machen. Es kann aber viel schief gehen.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Klaus K. ist selbstständiger Berater. Klaus K. möchte sein Online-Profil auf diversen Business-Online-Portalen erneuern. Einerseits um Kontakte zu knüpfen, Wind zu machen, präsent zu sein, andererseits auch, um es wie eine Visitenkarte für seine Mails nutzen zu können. Aber erst mal ist Arbeit angesagt - er braucht dringend neue Fotos.
Immerhin hat er seit dem letzten Foto zehn Kilo abgenommen und trägt er inzwischen eine Brille. Er hat ja eine ganz andere Außenwirkung, sagt er. Sportlich, voller Energie mit mehr Power. Die ganze Mühe soll nicht umsonst gewesen sein. Er geht diesmal zu einem Profifotografen. Das Business-Paket umfasst ein Shooting mit zwei Outfits und einem Portrait. Klaus K. lässt sich zuerst im klassischen Business-Outfit mit Anzug und Krawatte und dann noch in ‚Smart Casual‘, also eher sportlich elegant mit Jackett, Hemd, Baumwollhose fotografieren (so könnte er sogar die Fotos für eine Kontaktbörse verwenden, sorry Witz).
Also postet Klaus K. sein neues Profilbild; der Effekt ist erstaunlich. Das ganze Profil wirkt wie frisch gebügelt, sehr klar und ansprechend – alles nur wegen des Fotos. Ob er damit sofort eine große Zahl neuer Kunden gewinnt oder interessante Kontakte knüpft, sei dahingestellt – aber er ärgert sich wenigstens nicht jedes Mal, wenn er sein Profil öffnet. Und wenn sein Profil gelesen wird, ist es tipp-topp.
Klaus K. hat es richtig gemacht. Relativ wenig Aufwand, große Wirkung. Er weiß um die Macht der Bilder. Bilder gehen direkt ins Blut, wenn ich das mal so drastisch sagen darf. Wobei: Geht man nach einer Studie der University of California, hätte sich Klaus K. mal besser noch mit seinen Kumpels fotografieren lassen. Dann hätte er den optimalen Nutzen herausgeholt.

Für die Studie beurteilten Probanden zunächst Abbildungen von einzelnen Personen, danach wurden ihnen Fotos derselben Personen vorgelegt, diesmal auf einem Foto, bei dem mehrere „echte“ Gesichter nebeneinander lagen. Das Ergebnis: Im zweiten Durchgang wurden dieselben Menschen, als attraktiver beurteilt. Fazit: Menschen werden als attraktiver eingeschätzt, wenn sie Teil einer Gruppe sind.
Weil wir zudem dazu neigen, attraktiven Menschen mehr zuzutrauen, heißt das wohl für die Eigendarstellung von Unternehmen: Das ganze Team, das Managementboard, die gesamte Belegschaft – Gruppenfotos gehören dazu. Denn sehen die Menschen attraktiver aus, wirkt das Unternehmen attraktiver. Der Börsenkurs steigt, alles in Butter.
Aber Moment. Leider kann man beim Gruppenfoto auch viel falsch machen. Dafür gibt es illustre Beispiele im Netz. Und nicht zu wenige! Schlimm wird es immer dann, wenn die Bildaussage allzu offensichtlich der Eigendarstellung widerspricht. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Steht das Unternehmen für Innovation, sollte das Managementboard nicht gekleidet sein wie eine Horde Geografielehrer. Will ein Unternehmen seine Neuausrichtung – Modernität – ins Bild bringen, sind Außenaufnahmen im Herbst nicht unbedingt förderlich. Denn im Hintergrund Bäume mit fallenden Blättern, das ist ein wahrlich trauriges Bild.

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