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28.01.2015

13:31 Uhr

Die Chef-Beraterin

Nicht stilvoll, aber mit Charakter entlassen

Können Manager einen Mitarbeiter stilvoll rausschmeißen? Das geht gar nicht! Mit Charakter aber, das geht. Über die wohl schwierigste Aufgabe für einen Manager und wie er sie meistert.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Wer es einmal getan hat, weiß es und alle Umfragen sagen es: Es ist eine der schwersten Aufgaben, Mitarbeiter zu entlassen. Stimmt ohne Wenn und Aber.

Nun findet man im Internet haufenweise Check-Listen, Buchempfehlungen, Abhandlungen darüber, wie man als Mitarbeiter am besten kündigt oder wie man sich als Mitarbeiter im Falle einer Kündigung verhält. Umgekehrt sieht es da deutlich schlechter aus. Ich weiß auch warum: Es ist eine Charakterfrage!

Deshalb heißt es auch nicht: Wie kündigt man als Vorgesetzter seinem Mitarbeiter richtig oder mit Stil? Absolut die falsche Frage! Besser: Wie kündigt man mit Eiern in der Hose? Dazu fällt mir als erstes ein, wie Sie es nicht machen sollten, sofern Sie ein Mensch mit Charakter sind. Ein Mensch mit Charakter kündigt seinem Mitarbeiter anders als ein Mensch ohne Charakter.

Kein Charakter, keine Eier – die Top-Plätze:

  • Kündigung per Brief (im Idealfall am Wochenende, suuuper! Party!)  oder per Telefon (schön, wenn in der Nähe die Kollegen sind, während  man gerade ins Aus geschossen wird).
  • Andeutungen per Intranet oder gar in einem Team-Meeting (da kann man sich wenigstens in den  nächsten Tage richtig schön mit Horror-Szenarien quälen).
  • Die Kündigung wird an die Personalabteilung delegiert  –  hier sprechen wir vom Phänomen: Keine Eier und kein A.... Sorry.  Es soll Vorgesetzte geben, die an diesem Tag partout nicht aus ihrem  Büro heraus kommen, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Fakt ist: Sie sind der Chef. Sie sind das Vorbild. Sie tragen die Verantwortung, Sie haben Charakter. Und deshalb wissen Sie auch, dass man nicht stilvoll kündigen kann, aber stets fair. Und das ist eine Menge.

Kündigen hat immer etwas von Schlussmachen. Dabei muss ich sofort an den Kinofilm „Schlussmacher“  denken.  Der Film handelt von dem Mitarbeiter einer Trennungsagentur, der – stellvertretend für andere – Beziehungen beendet. Liebes-Beziehungen natürlich. 

Aber auch in Geschäftsbeziehungen sind Gefühle im Spiel. Und überall, wo Gefühle im Spiel sind, wird’s schwierig. Eine Kündigung auszusprechen ist selbst dann unangenehm, wenn einem dieser Mitarbeiter schon lange ein Dorn im Auge ist. Sehr unangenehm ist es, wenn man den Mitarbeiter mag und  wenn er einen guten Job gemacht hat.

Und nun?

Zunächst ist es hilfreich, das Wort „Kündigung“ ernst zu nehmen. Der Begriff „kündigen“ hatte bis zum 18. Jahrhundert die Bedeutung „bekannt machen“ oder „kundtun“. Sofern Sie Ihrem Mitarbeiter kündigen müssen, werden Sie es also auch kundtun, aber nicht erst anderen, sondern der Person, um die es geht. Denn sonst geht es erst mal niemanden etwas an. Gar niemanden.

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