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22.06.2016

11:23 Uhr

Die Chef-Beraterin

Nur keine Hektik!

Früher haben alle geraucht. Bevor man in Hektik geriet: Zigarettenpause und gut war. Das war schön so, findet unsere Kolumnistin Sabina Wachtel. Nun gibt es kaum noch Raucher, dafür aber Apps zur Turbo-Entspannung.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Wir leben in einer hektischen Welt. Immer ist was zu tun, und eigentlich könnte man auch immer noch was anderes gleichzeitig machen, aber dann macht man doch nichts richtig. Also versuchen wir immer alles ganz flott hintereinander zu erledigen. Das wird hektisch. Es fängt schon auf dem Weg ins Büro an, schnell noch was erledigen, am Schreibtisch angekommen, geht es weiter. Ein Meeting wird in die Mittagspause geschoben und den Termin kann man sich auch noch auf den Abend legen. Wie schaffen wir das nur? Das geht gar nicht!

Ja, ja. Früher, ja früher war das leichter. Erstens: Wir hatten noch keine Smartphones. Wir waren nicht immer erreichbar, manchmal ist was Hektisches passiert und wir haben es gar nicht mitbekommen, sondern uns ausgeruht. Zweitens: Alle haben geraucht. Bevor man in Hektik gekommen ist, hat man eine Zigarettenpause gemacht. Über den gesundheitlichen Aspekt will ich hier gar nicht diskutieren. Man hat jedenfalls ab und an mal eine Pause gemacht und gut war. Das war schön. So. Nun gibt es Smartphones und dafür kaum noch Raucher.

Warum ich da einen Zusammenhang sehe? Nun. Weil ich herausgefunden habe, dass es jetzt die Smartphones sind, die für die Pausen der Kollegen und Kolleginnen sorgen. Und zwar treffe ich in Büros zunehmend auf Menschen, die sich merkwürdig verhalten. Frau K., Senior Assistant to Herrn von Sch., saß kürzlich, als ich mit einer (wie ich fand) eiligen Frage aufschlug, völlig entrückt und kerzengerade auf ihrem Stuhl; ihre Augen waren geschlossen, aus ihr kam ein Geräusch, das zwischen Summen und Pfeifen rangierte. Ich traute mich nicht sie anzusprechen und schickte ihr später eine Mail.

Kommentare (1)

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Herr Renatus Isenberg

22.06.2016, 13:13 Uhr

Lustiger Artikel. Ich schmunzele immer über die Leute, die überall ihr Smartphone einsatzbereit haben und gleich die Kollegen, die Betriebsparty oder die Verwandtschaft im Bild zeigen können, natürlich in engem Kontakt mit FB stehen und jede Bewegung auf ihren Konten sofort registrieren.
Man kann auch mit einem einfachen Handy überleben. Das ist ein Mittelding zwischen ganz früher und jetzt, und es ist wesentlich entspannter, weil die Menschen, die einen erreichen wollen sich die grosse Mühe machen müssen, einen Text einzutippen. Dadurch hat man schon einen Filter, der die meisten Meldungen absorbiert ohne , dass man sein Handy abbstellen muss.

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