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09.11.2016

13:42 Uhr

Die Chef-Beraterin

Sie und ich, wir leben auf dem gleichen Planeten!

Kaffeepulver aus, Küchenpapier aufgebraucht, Mülleimer voll? Kein Thema, der nächste wird es schon richten. Schluss damit! Unsere Kolumnistin plädiert für ein Mindestmaß an Umgangsformen und Rücksicht in der Welt.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Heute habe ich eine Überraschung für Sie. Achtung. Jetzt kommt’s: Wir teilen uns diese Welt. Doch. Wirklich. Sie haben wahrscheinlich noch nie darüber nachgedacht, aber Sie und ich, wir leben auf dem gleichen Planeten.

Warum aber fällt mir das ein? Nun. Ich habe gestern in der Stadt folgende Szene beobachtet: Eine junge Familie auf der Goethestraße, wahrscheinlich Mittagspause, oder Kindergarten heute zu, wer weiß das schon. Das Kind (süß, ein Mädchen in Pink, vielleicht vier Jahre alt) springt auf dem Fußweg hin und her.

Eine Radfahrerin nähert sich von hinten, in mäßigem Tempo und macht „Pling“. Sie wissen schon: Diese Klingeln, die an den Fahrradlenkern angebracht sind. Die machen ja heute nicht mehr „Ring Ring“, sondern meistens eher so: „Pling“. Es macht also „Pling“ hinter den dreien mit dem süßen Kind und der Vater reißt das Kind PANISCH zur Seite und schreit es an: „Jetzt pass doch mal auf!“ Oh mein Gott.

Was muss dieser Mensch mit Fahrradfahrern erlebt haben. Das Schlimme ist: Ich glaube nicht, dass er überreagiert hat. Vielleicht auch nur Stress im Büro. Aber: Es ist eine ganz alltägliche Erfahrung, dass man sich beim Nähern eines Radfahrers von hinten am besten seitlich irgendwo hinschmeißt. Denn: Radfahrer bremsen nicht, weichen nur aus, wenn es sich um einen Stock oder eine Glasscherbe handelt – Menschen können ja gefälligst Platz machen.

Nun hat der geneigte Radfahrer meist aber auch schon einiges hinter sich, denn auf der Straße verhält es sich umgekehrt – Vorfahrt ignoriert, Radweg zugeparkt, Autotür vor den Latz geknallt und so weiter. Aber trotzdem. Wo sind wir denn gelandet, wenn Kinder beim Spazierengehen nicht mehr von rechts nach links hüpfen dürfen.

Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Gut, auf der Goethestraße in Frankfurt ist es eng. Koexistenz ist eine Notwendigkeit. Es gibt viele Touristen aus Asien, die sind sehr gleichmütig, ich nehme an, es sind Buddhisten. Die Verzeihen. Radfahrer verzeihen nicht. Sie verzeihen weder Fußgängern, die falsch laufen, noch großen schnellen Autos. Sie erkennen zudem geradezu seismographisch jeden Regelverstoß, den andere begehen. Regeln übrigens, die für sie selbst nicht gelten. Das geht gar nicht!

Und das gemeinsame Nutzen von Wegen ist nur ein winziger Aspekt des Planet-Teilens. Das geht ja weiter. Wenn Sie einen stinkenden, fettigen Hamburger im Büro am Schreibtisch essen – klar: Lassen Sie doch mal alle an den Wohlgerüchen Ihrer ausgewogenen Ernährung teilhaben. Kaffeepulver aus, Küchenpapier aufgebraucht, Mülleimer voll? Kein Thema, der nächste wird es schon richten, einfach nicht beachten.

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