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28.10.2015

13:48 Uhr

Die Chef-Beraterin

Urlaub? Schämen Sie sich nicht!

Urlaub scheint gemeinhin mehr schlechtes Gewissen als Erholung zu bereiten. Ein Irrsinn. Verzicht auf den Jahresurlaub ist kein Einsatz fürs Unternehmen. Im Gegenteil. Ein Plädoyer für eine neue Unternehmenskultur.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter – neuerdings ein Thema, das die Massen bewegt. Ein Beispiel: Ein US-Unternehmen hat für seine 49.000 Mitarbeiter ein Achtsamkeits- und Yoga-Programm eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass die krankheitsbedingten Kosten um sieben Prozent sanken und die Mitarbeiter eine Produktivitätssteigerung von 65 Minuten pro Tag verbuchen konnten.

Aha. Verstehe. Mitarbeiter, denen es gut geht, werden weniger krank, dafür sind sie produktiver. Das überrascht erst einmal wenig. Was mich aber sehr wohl überrascht, ist, dass es dafür eines Achtsamkeits- und Yoga-Programms bedarf, angeregt durch den Arbeitgeber. 

Zu arbeiten scheint eine einzige Qual zu sein. Unternehmer sind drakonische Herrscher, die ihren Knechten nach dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“ kleine Häppchen zuwerfen müssen, um diese weiterhin für ihre leidvolle Aufgabe motivieren zu können. So kommt es mir vor.

Wieso denn eigentlich? Weil sonst keiner mehr Freizeit hat? Gut. Wir hängen an unseren Smartphones auch zu Hause, wir bearbeiten auch Mails. Aber dafür sind Smartphones ja auch da, oder?  Ja, es gibt Zeiten, da geht es drunter und drüber, wir haben das Gefühl permanent auf Abruf sein zu müssen,  man hat das Gefühl durchzudrehen.

Aber es gibt ja auch andere Zeiten und: Urlaub! So. Und hier wird es komisch. Urlaub scheint nämlich gemeinhin mehr schlechtes Gewissen als Erholung zu bereiten. Das geht gar nicht!

Herr Wenig reicht seinen Jahresurlaub ein und fühlt sich mies, weil er so viele Tage am Stück weg sein wird. Frau Surbier will mit ihrem Mann eine Woche weg, muss das mit der Kollegin abstimmen und traut sich nicht, die hat ja so schon so viel auf dem Tisch. Frau X hat keine Kinder, würde aber dennoch zwischen den Jahren gern einmal Urlaub machen – aber die Kollegen mit Kindern haben da natürlich Vorrang.

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