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16.09.2015

12:47 Uhr

Die Chef-Beraterin

Wenn der Lunch zum Desaster wird

VonSabina Wachtel

Eigentlich soll gerade ein Business-Lunch dem lockeren Gesprächsaustausch dienen. Bisschen Smalltalk, ein leckeres Menü, schon laufen die Verhandlungen leichter. Doch leider läuft es oft völlig anders.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

„Sehr geehrter Herr Fussel, gern würde ich mit Ihnen das anstehende Konzept besprechen. Wollen wir uns nächste Woche zum Lunch im Roten Hans treffen? Frau Meier aus dem Controlling und mein Assistent wären dann auch dabei.“ Diese Mail erreichte gestern Herrn Fussel. Herr Fussel hasst Business-Essen. Erstens kann er das Essen nie genießen, zweitens weiß er nie, wer bezahlt und drittens findet er es immer anstrengend, Essen und Business miteinander zu kombinieren. Das geht im Übrigen vielen so.

Eigentlich soll gerade ein Business-Lunch dem lockeren Gesprächsaustausch dienen. Bisschen Smalltalk, ein leckeres Menü, schon laufen die Verhandlungen leichter. Sollte man meinen. Aber nicht für Herrn Fussel und seine Leidensgefährten. Für ihn ist so ein Termin eher Qual als erste Wahl.
Dabei hat Herr Fussel wenigstens gute Tischmanieren, was man ja auch nicht von jedem sagen kann. Er weiß, welches Besteck wann und wie benutzt wird, dass man wartet, bis alle ihr Essen haben und dass der Gastgeber das Essen eröffnet, dass man sich die Serviette nicht umbindet, sondern auf den Schoß legt.

Was Herrn Fussel immer noch ein Rätsel ist, ist die Frage, ob er zahlen muss oder Herr Greiner. Herr Fussel will den Auftrag. Aber Herr Greiner hat die Mail mit dem Essen geschickt. Seine Knigge-Frau sagt, dass derjenige, der die Einladung ausspricht, auch zahlt.
Er sagt erstmal zu und kurz darauf kommt ein Outlook-Termin mit Restaurant, Datum und Uhrzeit. Sowie in cc noch zwei weitere Kollegen, die scheinbar mitkommen. Spätestens jetzt geht Herr Fussel davon aus, dass er nicht zahlen wird. Aber ganz sicher ist er sich nicht.

Wenigstens ist ihm die Auswahl des Restaurants abgenommen – da hat er sich ja auch schon oft genug in die Nesseln gesetzt. Beispielsweise als er originell sein wollte und seinen Kunden in Frankfurt in eine urige Apfelweinkneipe eingeladen hat. Der Kunde kam aus Ehingen und gab sich alle Mühe, das Ambiente interessant zu finden (er sagte ‚ungewöhnlich‘). Aber diese urigen Apfelweindinger sind ja nicht gerade geräuscharm. Der Lärmpegel machte ein Gespräch kaum möglich, und der Apfelwein ist scheinbar auch nicht jedermanns Sache.

Ein anderes Mal hatte er in ein Restaurant eingeladen, das ihm von allen Seiten empfohlen worden war. Er selbst kannte es gar nicht. Service und Essen mies. Seitdem lässt er das Experimentieren und schwört auf den guten alten Italiener. Der geht immer.
Jetzt steht er also vor dem Restaurant und wartet auf Herrn Greiner und Kollegen. Er war zwar schon drinnen, ein Tisch ist reserviert, aber in diesem Fall fand er es angebrachter, vor der Tür zu warten. So gut kennen die beiden sich noch nicht, die anderen kennt er gar nicht.
Herr Greiner scheint auch nicht versiert zu sein, was Geschäftsessen angeht. Sonst wäre er, als Gastgeber, schon mal da. Wobei es ja immer noch nicht geklärt ist, wer jetzt einlädt. Endlich kommen sie um die Ecke, kurze Begrüßung samt Entschuldigung für die kurze Verspätung – alle gehen rein.

Kommentare (2)

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Herr Paul Diederich

16.09.2015, 14:06 Uhr

Diese Kolumne von und mit Frau Superdutt, gehört mit zu dem grausamsten was man auf Handelsblatt.de lesen kann. Wer lebt diese 50'er Jahre Regeln eigentlich noch, ausser natürlich Frau Superdutt.....

Herr Phillip Schneider

16.09.2015, 15:05 Uhr

Es soll da Menschen geben, die immernoch Wert auf gute Manieren legen.
Sie würden Ihren Kunden ja eventuell zum Lasertag einladen? In verschiedenen Teams am besten^^

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