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20.04.2016

15:45 Uhr

Die Chef-Beraterin

Wenn Grüße zur Gefahr werden

E-Mails sind Briefen in vielerlei Hinsicht überlegen. Doch heikel wird es spätestens bei der Grußformel. „Liebe Grüße“ oder „Herzlichst“ gehen im Geschäftsleben natürlich gar nicht – aber was sind die Alternativen?

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Briefe sind out. Die Post versendet in einem Jahr knapp 20 Milliarden Briefe, sagt die Statistik. Und dabei sind Werbesendungen in der Mehrheit. Wer etwas mitzuteilen hat, schreibt eben eine E-Mail. Keine Ahnung, wie viele Millionen Mails täglich durch die Leitungen rasen. Eine vorsichtige Statistik geht von etwas über 205 Milliarden aus, Tendenz steigend.

E-Mails haben aber auch unbestritten einige Vorteile gegenüber dem Brief: Geschwindigkeit bei der Zustellung, Rückwärts-Löschen-Taste und Nachverfolgung, um nur mal ein paar zu nennen. An einer Sache hat sich aber nichts geändert: Man muss immer noch eine gewisse Form wahren, wenn man den Empfänger der Nachricht nicht vor den Kopf stoßen möchte.

Ich finde ja, die Tastatur könnte schon ein paar Grußformeln parat haben, das wäre wirklich eine große Hilfe. Ich empfehle diese Grundausstattung:

1. Mit freundlichen Grüßen – Standard, nie verkehrt, relativ unpersönlich
2. Beste Grüße, schöne Grüße, herzliche Grüße sind da schon etwas freundlicher – wobei ich mich immer frage, was passieren würde, wenn ich mal hässliche Grüße schreiben würde. Würde man das überhaupt merken?

Immer mehr im Kommen sind ja „liebe Grüße“, es vergeht eigentlich kein Tag ohne. Und da schreiben mir nicht Freunde oder gute Bekannte – nein, das sind ganz normale Business-E-Mails. Mir sagte letztens eine Assistentin, dieses „Liebe Grüße“, findet sie total unangemessen „das geht gar nicht“, das sei viel zu persönlich, gehört nicht in die Geschäftswelt. Recht hat sie. Aber gut. Keine „Lieben Grüße“ also.

Kurz und knapp „Gruß“ sollte man übrigens auch nicht verwenden, da dies oft bei Streitigkeiten zum Einsatz kommt und somit zu Missverständnissen führen könnte. Etwa: Sehr geehrter Herr Müller, haben Sie heute Zeit für einen Lunch? Gruß… Hier könnte der Eindruck eines kommenden Streitgespräches entstehen.

„Herzlichst“ soll angeblich übertrieben sein, da jeder weiß, dass das sowieso nicht stimmt. Aber ich finde ja, das macht nichts. Hochachtungsvoll dagegen ist ja wirklich out – wird inzwischen aber gern ironisch verwendet bei Leuten die man nicht leiden kann.

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