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08.04.2015

09:53 Uhr

Die Chef-Beraterin

Wenn Individualität und Kreativität nach hinten losgehen

Basketballkorb für den Papierkorb, Fußball-Wimpel, Voodoo-Puppe in Chef-Outfit – der Fantasie bei der Schreibtischausstattung sind keine Grenzen gesetzt. Dem Grauen leider auch nicht.

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Nehmen wir ein stinknormales Großraumbüro irgendwo in Deutschland. Ein gerahmtes Bild von der Familie aus dem letzten Urlaub – Frau/Mann mit zwei Kindern – gehört quasi zur Standardausstattung. Da das Foto in der Regel nicht ausgetauscht wird, ist es irgendwann ein Bild aus dem vorletzten Urlaub, dem vorvorletzten Urlaub, dem Urlaub von vor acht Jahren.
Ich bilde mir ein, am Rahmen erkennen zu können, wie die zu Hause eingerichtet sind. Aber da kann ich mich täuschen. Jedenfalls habe ich den Eindruck, ein Schreibtisch ist erst mit einem solchen Foto vollständig ausgestattet.
Weitere Dinge kommen garantiert irgendwann dazu: Nach dem ersten Geburtstag in der neuen Abteilung ein Briefbeschwerer in der Form eines Autos; dabei ist es völlig unerheblich, dass die einzigen Briefe, die noch auf Papier versendet werden, Werbebriefe der unnötigen Sorte sind.
Ein Hingucker sind auch scherzhafte Geschenke von Kollegen. Handschmeichler zum Beispiel. Es ist eines der großen Mysterien unserer Zeit, warum diese Dinger so gern verschenkt werden – obwohl niemand weiß, wofür sie gut sein sollen (nein, „liegt so gut in der Hand“ reicht mir jetzt nicht als Erklärung). Weitere Dauerbrenner: „Bullshit-Alert-Button“, Basketballkorb für den Papierkorb, Voodoo-Puppe in Chef-Outfit – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das geht gar nicht!

Sagen wir es mal so: Wenn Sie Ihr Kind im Kindergarten anmelden würden und der Schreibtisch der Kindergartenleiterin aussähe. wie ein cleaner Apple-Store, dann würde Sie das doch irgendwie stutzig machen. Oder: Sie möchten ein Auto kaufen, eine Küche oder was auch immer, und der Schreibtisch des Verkäufers ist voller Krümel, alter Papiertüten, angebissenen Brötchen… Wir schließen doch dann sofort auf das Schlimmste, oder? Wir haben eine bestimmte Erwartungshaltung, in welcher Umgebung wir Menschen vorfinden. Wer da völlig aus dem Rahmen fällt, fällt schnell mal durch.
Schauen Sie sich die Schreibtische an und Sie können sich über diejenige oder denjenigen, der dahinter sitzt, schon in etwa ein Bild machen. Ich spreche hier nicht von Ordnung oder Unordnung. Noch nicht einmal von Chaos; tatsächlich sind die Grundprinzipien der Hygiene doch meist eingehalten – sei es aufgrund eines persönlichen Gefühls für Reinlichkeit, aufgrund arbeitsrechtlicher Vorschriften oder weil einmal in der Woche der Reinigungsservice kommt.

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