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18.03.2011

12:09 Uhr

Die Folgen des Atom-GAU

Bosch-Chef fordert Wirtschafts-Elite zum Umdenken auf

VonFranz Fehrenbach

Technischer Fortschritt muss sein, doch der Preis darf nicht zu hoch sein. Wenn viele Menschenleben auf dem Spiel stehen, kann man die Restrisiken nicht mehr eingehen. Eine Warnung von Bosch-Chef Franz Fehrenbach.

Franz Fehrenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Industriekonzerns Bosch, fordert Augenmaß. Quelle: dpa

Franz Fehrenbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Industriekonzerns Bosch, fordert Augenmaß.

Angesichts der Katastrophe in Japan fällt es schwer, immer noch über Innovation als Chance der beschleunigten Globalisierung zu sprechen. Denn auch wir bei Bosch haben die meisten der rund 300 internationalen Mitarbeiter in Japan mit ihren Familien weitgehend zurückgeholt in ihre Heimat. Viele sind nur sehr schweren Herzens zurückgegangen, denn sie wollten ihre japanischen Kollegen ja nicht im Stich lassen.

Gleichzeitig ist mehr als verständlich, dass die ausländischen Mitarbeiter in ihre Heimat zurückkehren wollen. Schließlich haben Gesundheit und Sicherheit der eigenen Familie für jeden Menschen oberste Priorität. Für die 8000 japanischen Bosch-Mitarbeiter mit ihren Familien und die Millionen japanischen Einwohner steht eine solche Lösung nicht zur Verfügung. Und das macht uns die eigene Hilflosigkeit in dieser Situation auf brutalste Weise und extrem belastend deutlich.

Wir haben schon bisher immer gesagt, dass bei technischen Neuentwicklungen immer ein Restrisiko bleibt. Diese Aussage bleibt unverändert gültig. Doch wir müssen in Zukunft - mehr noch als bisher - davon ausgehen, dass diese Risiken auch eintreten werden. Wir müssen uns deshalb die Tragweite und vor allem die Schwere von Risiken bewusster machen, wenn wir technologisches Neuland betreten. Und wenn diese in einer Dimension mit der Gefährdung vieler Menschenleben liegen, wie es sich jetzt in Japan zeigt, dann dürfen wir - so meine ganz persönliche Meinung - ein solches Restrisiko einfach nicht mehr eingehen.

Es geht also nicht nur um die Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern auch um die Schwere möglicher Folgen. In dieser Hinsicht muss spätestens jetzt weltweit ein Umdenken einsetzen. Und um kein Missverständnis entstehen zu lassen: Das ist keine Aussage gegen den technischen Fortschritt. Im Gegenteil, ich bin zutiefst überzeugt, dass wir die weiter wachsende Weltbevölkerung nicht mit weniger, sondern nur mit mehr und vor allem besserer Technik und möglichst geringen Risiken ernähren und zu mehr Wohlstand führen können. Bestimmte Risiken dürfen wir aber einfach nicht mehr eingehen, das muss künftig ebenfalls zum technischen Fortschritt gehören. Somit darf technologische Folgeabschätzung nicht nur ein Schlagwort sein, sondern wohlverstandener, fundierter Inhalt.

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