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14.10.2011

12:48 Uhr

Die neuen Lenkerinnen

Frauen übernehmen die Führung

VonDiana Fröhlich

Sie sind selbstbewusst und wollen bestimmen: In vielen deutschen Unternehmen haben Frauen mittlerweile die Chefetagen erobert. Bei Energiekonzernen, in Kanzleien und bei Consultants geben sie den Ton an.

Weibliche Gesichter im Vorstand der Telekom: Im Juli stellte der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann die neue Chefin für das Europageschäft, Claudia Nemat (l.), und den neuen Personalvorstand Marion Schick vor. dapd

Weibliche Gesichter im Vorstand der Telekom: Im Juli stellte der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann die neue Chefin für das Europageschäft, Claudia Nemat (l.), und den neuen Personalvorstand Marion Schick vor.

BerlinBritta Döttger weiß, was sie will: einen Posten als Finanzvorstand bei einem börsennotierten Unternehmen, irgendwann in der Zukunft. Darauf arbeitet die 39-Jährige konsequent hin. Nach Stationen bei der Deutschen Bank und bei Fraport leitet die Managerin heute die Finanzen beim Chemiekonzern SGL Carbon und berichtet damit direkt an den Gesamtvorstand. Es ist also nur noch ein Schritt bis zum Ziel. Zu ihrem ganz persönlichen, aber auch zu jenem allgemeinen Ziel, das eine ganze Generation gut ausgebildeter, ehrgeiziger Frauen in den vergangenen Jahren vereint hat: Sie wollen jene gläserne Decke durchbrechen, die Frauen auf dem Weg nach ganz oben gebremst hat.

Ein Jahr, nachdem ein eher unfreiwillig miteinander verbundenes Trio aus Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, Familienministerin Kristina Schröder und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen die Offensive der Frauen auf die Dax-Vorstände ausgerufen hat, steht fest: Deutschlands Führungsfrauen besetzen in bisher ungekanntem Maße Stellen im Topmanagement. Und sie haben eine Antwort auf die alles entscheidende Frage gefunden: Kind oder Karriere? Kind und Karriere! Weil Deutschlands Konzerne gute Führungsfrauen suchen wie nie, können diese es sich leisten, selbstbewusst zu fordern, was ihren Vorgängerinnen verwehrt blieb.

Vor dem Spitzentreffen: Dax-Konzerne machen bei der Frauenquote vage Zusagen

Vor dem Spitzentreffen

Nur vage Zusagen bei der Frauenquote

Direkt vor dem Start der Verhandlungen mit der Regierung gibt es nun einen Vorschlag.

Selten wurde das so deutlich wie an einem Donnerstag Anfang Oktober in der Bertelsmann-Vertretung in Berlin. Topmanager wie Ex-Eon–Chef Wulf Bernotat oder der noch amtierende Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski stehen im Foyer, sind umringt von Frauen. Über dem Rednerpult hängt der Titel der Veranstaltung: „Generation CEO“, das O gestaltet wie das biologische Symbol für weiblich. „Generation CEO“ tagt hier, ein Netzwerk, mit dem der Personalberater Heiner Thorborg die Zahl der Topmanagerinnen in den Unternehmen erhöhen möchte. Thorborg hat an diesem Tag, wie seine weiblichen Gäste auch, gute Laune: „Der Zug ist nicht mehr aufzuhalten“, sagt er, der das Netzwerk im Jahr 2007 ins Leben gerufen hat. „Auch wenn noch viel zu tun ist: Die Entwicklung der letzten Monate ist sehr positiv.“

Was aber ist passiert? Wie ist es dazu gekommen, dass ein Thema, das in Politik und Wirtschaft seit Jahren ein Schattendasein fristete, plötzlich so an Dynamik gewonnen hat? Den Anfang machte, wie so oft, ein einzelner Mutiger: Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, hatte im März 2010 ein Programm vorgestellt, mit dem er die Zahl der Frauen im Management und im Aufsichtsrat des Unternehmens deutlich erhöhen wollte. Er forderte, dass 30 Prozent der Top-Positionen im Konzern weiblich besetzt werden sollen – bis 2015.

Wenige Monate später erklärte Familienministerin Kristina Schröder in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass schon in fünf Jahren jede fünfte Führungskraft eine Frau sein soll. Und seit Januar dieses Jahres, als sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen einmischte und offiziell eine Frauenquote für Großunternehmen forderte, ist die Diskussion in vollem Gang. Von der Leyen will eine Quote von 30 Prozent bis zum Jahr 2018 gesetzlich vorschreiben.

Kommentare (7)

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Ramlon

14.10.2011, 15:21 Uhr

Die Politik sollte alle Firmen dazu gesetzlich verpflichten, dass in Führungsetagen per Quoten-Regelung folgende Bevölkerunggruppen vertreten sind:
- 35% Frauen \*
- 25% Menschen mit Migrationshintergrund
- 20% aus den Neuen Bundesländern
- 20% Menschen mit körperlichen Behinderungen
- 15% Menschen moslemischen Glaubens
- 5% Menschen jüdischen Glaubens
- 1,5% Buddhisten
- 10% aus reinen Arbeiterfamilien
- 10% resozialisierte Schwerverbrecher \**
- 0,5% Sozialwissenschaftler mit Abschluss an der Uni Bielefeld

\* davon ein Anteil i.H.v. 25% bekennende Lesben
\** davon ein Anteil i.H.v. 30% resozialisierte Sexualstraftäter

Am liebsten wäre mir, wenn diese Direktive aus Brüssel käme...

tawat

14.10.2011, 15:55 Uhr

tja, gegen die Wand eben.
Management by PMS ... Hosenanzug ist das beste Beispiel.

paralnt

14.10.2011, 15:57 Uhr

@ Ramlon
Bring' die Brüsseler Sowjets, VerZeihung: KommissarEusen, blos' nicht auf die Idee ...

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