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20.03.2013

10:01 Uhr

Digitale Welt

Wenn der Kunde auf der Strecke bleibt

VonManuel Heckel

ExklusivEins oder Null: Die digitale Welt kennt nur diese Entscheidung. Google Brille, Air View - alles läuft längst digital. Doch die Branche sind unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung. Eine Studie zeigt, wer vorne liegt.

Der Booz-Index honoriert unter anderem, dass die Branche zunehmend auch Carsharing- und Elektromobilitätskonzepte entwickelt. dpa

Der Booz-Index honoriert unter anderem, dass die Branche zunehmend auch Carsharing- und Elektromobilitätskonzepte entwickelt.

KölnDie Luft wird enger: Noch sind Banken und Versicherungen führend, wenn es um die Digitalisierung all ihrer Geschäftsprozesse geht – also den Einsatz von IT oder neuen Medien. Auf der Überholspur nähert sich jedoch eine andere Branche: Die europäischen Autobauer und Zulieferer sind im vergangenen Jahr mit gewaltigen Anstrengungen auf Platz zwei vorgefahren. Das ist das Ergebnis des „Industry Digitization Index 2012“ der Strategieberatung Booz & Company, der Handelsblatt Online vorab vorliegt.

Die Studie zeigt zudem, dass die Unternehmen in allen 15 untersuchten Branchen in der Vergangenheit sehr einseitig in die Technik investiert haben: Priorität hatte in der Vergangenheit vor allem der Ausbau von Serverparks & Co. „Da ergaben sich relativ schnell Kostenvorteile“, sagt Alex Koster, Partner bei Booz & Company. Bei einigen Branchen hat sich diese defensive Strategie gerächt: Die Medienbranche etwa, die im Vergleich zum Vorjahr von Platz drei auf vier fiel, sei von reinen Online-Playern geradezu überrollt worden, sagt Koster. „Die Unternehmen dort müssen sich jetzt rasch transformieren, das ist zum Teil ein richtiges Ankämpfen.“

Die Digitalisierungs-Sieger nach Branchen

Was wird untersucht?

Zum zweiten Mal veröffentlicht Booz & Company, wie stark die Digitalisierung in insgesamt 15 Branchen europaweit ausgeprägt ist. Die Auswertung basiert auf Eurostat-Daten zu Firmen mit mehr als zehn Angestellten. Der Durchschnitt des Index liegt bei 43,9.

Banken und Versicherungen

Platz 1 (Vorjahr: 1). Mit einem Indexwert von 53,5 bleiben Banken und Versicherungen in diesem Jahr noch Spitzenreiter.

Fahrzeugindustrie

Platz 2 (4). Die Automobilbranche weist mit einem Anstieg um 3,7 Indexpunkte das größte Wachstum aller Branchen auf. Mit 53,1 Indexpunkten landet die Branche jetzt auf dem zweiten Rang.

Computer und Elektronik

Platz 3 (2). Die Elektronikbranche komplettiert das Treppchen mit einem Indexwert von 52,9 Punkten.

Medien und Telekommunikation

Platz 4 (3). Mit einem Indexwert von 51,2 auf dem vierten Platz – weist aber im Vergleich aller Branchen mit den geringsten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr auf.

Anlagen und Maschinenbau

Platz 5 (5). Diese Branche schaffte Zuwächse besonders in Digitalisierung der Zusammenarbeit im Unternehmen und mit Zulieferern - und bestätigte so mit einem Indexwert von 48,0 den fünften Platz.

Groß- und Einzelhandel

Platz 6 (6). Vorneweg im Mittelfeld: Der Groß- und Einzelhandel bestätigt den sechsten Platz mit einem Index von 45,2.

Chemische Erzeugnisse

Platz 7 (7). In der Chemiebranche fehlt an vielen Stellen noch der Druck von Kunden hin zu einer stärkeren digitalen Ausrichtung im Verkaufsprozess. Indexwert 44,7.

Verarbeitendes Gewerbe

Platz 8 (9). Diese Branche schaffte das zweitstärkste Wachstum und landet mit jetzt 43,6 Punkten auf Platz 8.

Geschäfts- und Verwaltungsdienstleistungen

Platz 9 (10). Wächst noch überdurchschnittlich und verbessert sich damit um einen Platz nach vorne mit einem Indexwert von 41,3.

Versorge

Platz 10 (8). Weist gemeinsam mit der Medienbranche das geringste Wachstum auf (aktueller Indexwert: 40,9) und fällt um zwei Plätze ab.

Immobilienbranche

Platz 11 (12). Best of the rest: Mit einem Indexwert von 38,6 führt die Branche die Liste der Nachzügler an.

Transport und Logistik

Platz 12 (11). Als Vertreter der „Old Economy” mit einem Indexwert von 38,5 auf dem zwölften Platz.

Konsumgüterindustrie

Platz 13 (13). Liegt in allen Dimensionen deutlich unter dem Durchschnitt und schafft mit einem Indexwert von 36,4 erneut den drittletzten Platz.

Hotels- und Restaurants

Platz 14 (15). Die Studie lobt Fortschritte in den digitalen Kundenbeziehungen. Die vielen kleinen Unternehmen machen größere Anstrengungen weiter schwierig. Platz 14 mit einem Indexwert von 36.

Baugewerbe

Platz 15 (14). Als arbeitsintensive Industrie mit vielen Bereichen, die schwer zu digitalisieren sind. Letzter Platz mit einem Indexwert von 34,9.

Derzeit setzen die Unternehmen auch bei Beziehungen zu den Kunden verstärkt auf Digitalisierung. Erst spät entdeckten sie, dass digitale Werkzeuge von der Ansprache über das Shoppingerlebnis bis zur Abwicklung des Kaufes einige Chancen bieten, sagt Koster: „Die Unternehmen holen hier massiv auf, sind aber immer noch überwiegend unterrepräsentiert.“ Was diesen Bereich angeht, zeigt der Digitalisierungsindex von Booz quer über alle Branchen gerade einmal 16,1 von 100 möglichen Punkten. Von niedrigem Niveau aus gelang hier immerhin das stärkste Wachstum mit einem Plus von 13 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Infrastruktur liegt der Index schon bei über 90 Punkten und bietet kaum noch Luft für Verbesserung.

Im Durchschnitt stieg die Digitalisierung in der Industrie um 1,8 Indexpunkte und damit moderat an. Für die Studie verwendeten die Berater öffentlich zugängliche Daten von Eurostat und sortierten sie nach vier Kriterien. Neben Infrastruktur und Kundenbeziehungen untersuchten sie, wie sehr sich Unternehmen in der Beschaffungsphase des Geschäfts auf die IT verlassen und wie stark die digitale Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und gegenüber Zulieferern ausgeprägt ist.

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