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02.06.2015

12:38 Uhr

Diskriminierung im Silicon Valley

Ellen Pao geht in Berufung

US-Managerin Ellen Pao ist mit ihrer Klage wegen Diskriminierung gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber gescheitert. Sie sei aufgrund ihres Geschlechts nicht befördert worden, moniert Pao, die nun in Berufung gehen will.

Die Managerin hatte gegen ihren früheren Arbeitgeber, die Firma Kleiner Perkins Caufield and Byers (KPCB), geklagt, weil sie sich diskriminiert fühlte. Vor Gericht ist sie mit der Klage gescheitert. Reuters

Ellen Pao

Die Managerin hatte gegen ihren früheren Arbeitgeber, die Firma Kleiner Perkins Caufield and Byers (KPCB), geklagt, weil sie sich diskriminiert fühlte. Vor Gericht ist sie mit der Klage gescheitert.

San FranciscoNach ihrer gescheiterten Klage wegen Diskriminierung gegen einen Risikokapitalgeber im Silicon Valley geht die US-Managerin Ellen Pao in Berufung. Dies teilten ihre Anwälte am Montag in San Francisco mit.

Dort hatte ein Geschworenengericht im März geurteilt, Pao sei von der Firma Kleiner Perkins Caufield and Byers (KPCB) nicht befördert worden, weil ihr Kompetenzen fehlten, und nicht, weil sie eine Frau sei.

Pao argumentierte, sie sei Ende 2012 entlassen worden, weil sie sich über ihre Benachteiligung als Frau beschwert habe, und forderte wegen ihrer Entlassung 16 Millionen Dollar (14,6 Millionen Euro) Schadenersatz von KPCB. Die Verteidiger der Firma beschrieben Pao hingegen als berechnend und von Habgier und Verbitterung getrieben.

Die Frauenquote in den EU-Staaten

Deutschland und der EU-Durchschnitt

Deutschland hat die Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen eingeführt. Demnach sollen Frauen ab 2016 30 Prozent der Mitglieder von Aufsichtsräten großer Unternehmen stellen. Derzeit liegt dieser Anteil nach einer Erhebung der Brüsseler Kommission in Deutschland bei rund 24,4 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt (20,3 Prozent).

Frankreich

In Frankreich sollen bis 2017 mindestens 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein. Die Vorschrift gilt für börsennotierte Unternehmen sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Auch im Staatsdienst hat Frankreich eine Frauenquote eingeführt, mit der bis 2018 ein Anteil von 40 Prozent Frauen in Spitzenpositionen erreicht werden soll. Schon heute liegt Frankreich mit einem Frauenanteil von mehr als 32 Prozent in den Vorständen börsennotierter Unternehmen deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Italien

Italien führte im Sommer 2011 eine Quote ein, die für börsennotierte sowie vom Staat kontrollierte Unternehmen gilt und Anfang des Jahres in Kraft trat. Demnach müssen demnach beide Geschlechter je mindestens ein Drittel der Vorstände stellen. Unternehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, drohen Sanktionen.

Belgien

Belgien hat im Sommer 2011 eine Quote festgeschrieben. Sie sieht einen Anteil von jeweils mindestens einem Drittel Frauen in Führungsgremien von staatlich kontrollierten und börsennotierten und Unternehmen bis 2017 beziehungsweise 2019 vor. Für erstere sind laut Brüssel Sanktionen vorgesehen. Danach wäre jede Neubesetzung eines Postens automatisch nichtig, falls ein Unternehmen die Quote verletzt.

Niederlande

Im Mai 2011 wurde von den niederländischen Nachbarn ein Gesetz verabschiedet, das mindestens 30 Prozent Frauen und Männer in Vorständen vorsieht. Es bezieht sich auf börsennotierte Firmen sowie sonstige Unternehmen, wenn diese mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen.

Österreich, Griechenland, Spanien

Alle drei EU-Länder haben zwar laut EU-Kommission Frauenquoten eingeführt. Sie gelten aber nur für Unternehmen, die komplett oder teilweise vom Staat kontrolliert werden. Zudem merkt die Kommission zur spanischen Regelung an, dass es sich wegen fehlender Konsequenzen, wenn die Quote nicht erfüllt werde, eher um eine Empfehlung handle. Beim Frauenanteil in den Vorständen privater Unternehmen hinkt vor allem Griechenland mit gerade mal sieben Prozent deutlich hinter dem EU-Durchschnitt hinterher.

Norwegen

Das Nicht-EU-Land Norwegen gilt in Europa bei Frauenquoten als Vorreiter. Nach verschiedenen Gesetzen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen, müssen die Vorstände staatlicher und großer börsennotierter Konzerne zu rund 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Allerdings sind nicht an der Börse notierte Unternehmen davon befreit, obwohl sie die Mehrheit der norwegischen Firmen ausmachen.

Island

Der nordische Staat, der vor einem Jahr die Beitrittsverhandlungen mit der EU auf Eis legte, hat 2010 ein Quoten-Gesetz erlassen. Es sah vor, dass bis September 2013 Männer und Frauen mit jeweils mindestens 40 Prozent in den Vorständen bestimmter Unternehmen vertreten sind. Wie in anderen Ländern gelten dabei Schwellen bei der Mitarbeiterzahl. Heute ist die Quote in Island nach Angaben der Europäischen Frauenlobby bereits überschritten - demnach sind 46 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in den von der Regelung betroffenen Unternehmen Frauen

Sie sei nicht befördert worden, weil ihr die nötigen Kompetenzen fehlten und nicht, weil sie eine Frau sei oder ein Verhältnis mit einem verheirateten Kollegen gehabt habe. Die aus sechs Frauen und sechs Männern bestehende Jury hatte nach zweitägigen Beratungen dem Arbeitgeber Recht gegeben.

Die Jury-Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, weil das Silicon Valley mit seinen aufstrebenden Technikfirmen als Männerdomäne gilt. In der Welt der Risikokapitalgeber sind Frauen besonders unterrepräsentiert.

Von

afp

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