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06.10.2014

14:21 Uhr

Disneyland Paris

Milliarden-Rettungsplan für Mickey Mouse

Dem kriselnden Vergnügungspark Disneyland Paris muss das Mutterhaus mit einem Milliardenplan unter die Arme greifen. Das Touristenziel schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen. Gerade französische Gäste bleiben fern.

Mickey Mouse in Disneyland Paris: Der Freizeitpark in Marne-la-Vallée zählt zu den wichtigsten Touristenattraktionen in Frankreich. AFP

Mickey Mouse in Disneyland Paris: Der Freizeitpark in Marne-la-Vallée zählt zu den wichtigsten Touristenattraktionen in Frankreich.

ParisDer kriselnde Vergnügungspark Disneyland Paris muss mit einem Milliarden-Notplan durch sein Mutterhaus gerettet werden. Wie die Betreibergesellschaft Euro Disney am Montag in Paris mitteilte, werden rund 420 Millionen Euro durch das US-Mutterhaus The Walt Disney Company direkt zur Verfügung gestellt. Außerdem würden 600 Millionen Euro Schulden in Anteile umgewandelt.

Der Freizeitpark rund um Mickey Mouse in Marne-la-Vallée bei Paris, der zu den wichtigsten Touristenattraktionen in Frankreich zählt, schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 war die Besucherzahl erneut auf 14,1 bis 14,2 Millionen zurückgegangen, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahr war die Besucherzahl bereits auf 14,9 Millionen gesunken, nachdem im Jubiläumsjahr 2012 zum 20. Geburtstag ein Rekord von 16 Millionen Besuchern vermeldet worden war.

Der Präsident von Euro Disney, Tom Wolber, machte nun das schwierige wirtschaftliche Umfeld in Europa für die Krise verantwortlich. Vor allem das Ausbleiben französischer Besucher wurde erneut beklagt. Zudem verwies Wolber auf die hohen Schulden, die auf dem Vergnügungspark lasteten. Der Netto-Verlust dürfte zwischen 110 und 120 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2014 liegen, gegenüber 78 Millionen im Vorjahr. Die endgültigen Zahlen sollen Anfang November vorgelegt werden.

Das Disney-Prinzip

Vermarktung auf allen Kanälen

Es ist in der Medienbranche ein ehernes Gesetz: Beliebte Figuren aus Büchern, Filmen oder Spielen werden auf allen Kanälen vermarktet. Disney verfolgt dieses Prinzip schon seit Jahren: Micky und Goofy tapsen nicht nur durch Comics, sondern auch durch Zeichentrickfilme und Freizeitparks. Auch Computerspiele mit den Comichelden gibt es.

Zukauf neuer Figuren

Unternehmen können eigene Ideen entwickeln – oder zukaufen. Dass eine solche Strategie Erfolg haben kann, zeigt Disney: Der Konzern übernahm beispielsweise 2012 das Filmstudio Lucasfilm samt der Rechte an der „Star Wars“-Serie. Eine neue Folge ist längst in Arbeit. Auch den Comicverlag Marvel und das Animationsstudio Pixar kaufte der Konzern. Die Filme brachten an den Kinokassen Milliarden ein.

Das Gesetz der Serie

Ein erfolgreicher Film bleibt selten allein: Filme und Computerspiele gehen häufig in Serie, weil die bekannten Charaktere und Geschichten das Publikum locken. Zu den Büchern von Harry Potter gab es selbstverständlich auch passende Filme und Computerspiele in ähnlicher Zahl.

Anpassung mit Fantasie

Die Geschichten beliebter Figuren lassen sich aber nicht eins zu eins auf andere Mediengattungen übertragen. Wenn ein Roman zum Film wird, fällt viel weg, umgekehrt muss ein Buchautor sich viel einfallen lassen, um mit einem Filmhelden 300 Seiten zu füllen. Das führt nicht selten zu Kritik der Leser oder Zuschauer.

Der Rettungsplan mit einem Gesamtumfang von rund einer Milliarde Euro, der auch eine Verschiebung von Kreditrückzahlung an das Mutterhaus vorsieht, soll im ersten Halbjahr 2015 umgesetzt werden. Nach Angaben von Gewerkschaftern hat der Plan, der am Montag bei einer Betriebsratssitzung vorgestellt wurde, keine Auswirkungen auf die Angestellten von Euro Disney.

Er könnte aber zu einem Rückzug von Euro Disney von der Börse führen, auch wenn Finanzdirektor Mark Stead hervorhob, dies sei "absolut nicht die Absicht und auch nicht das Ziel der Operation". Die Entscheidung liege bei den Aktionären.

Disneyland Paris: Milliarden-Rettungsplan für Mickey Mouse

Disneyland Paris

Milliarden-Rettungsplan für Mickey Mouse

Dem kriselnden Vergnügungspark Disneyland Paris muss das Mutterhaus mit einem Milliardenplan unter die Arme greifen. Das Touristenziel schreibt seit mehreren Jahren rote Zahlen. Gerade französische Gäste bleiben fern.

Das US-Mutterhaus Disney hält derzeit bereits fast 40 Prozent der Anteile an Euro Disney. Es war schon im September 2012 der Betreibergesellschaft von Disneyland Paris zu Hilfe gekommen und hatte mit einem Kredit von 1,3 Milliarden Euro deren Schulden refinanziert. Die Schulden beliefen sich Ende September 2012 auf mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Nach Bekanntgabe des Krisenplans stürzte die Aktie von Euro Disney an der Pariser Börse am Vormittag um zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent ab. Gegen Mittag lag der Verlust immer noch bei mehr als 16 Prozent.

Von

afp

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