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19.02.2014

13:14 Uhr

DIW-Studie

Das Home-Office verliert an Bedeutung

Lange war es im Aufwind und galt als Ausdruck flexibler Arbeitswelten: Das Home-Office. Doch anders als in Nachbarländern geht der Trend in Deutschland zurück zum Büro. Präsenz geht wohl doch über Familienfreundlichkeit.

Der Bundesgerichtshof hat die Rechte von Mietern vor Kündigung gestärkt, die Teile der Wohnung für freiberufliche Arbeit nutzen. In solchen sogenannten Mischmietverhältnissen können Vermieter nur dann ohne Angabe von Gründen kündigen, wenn die Nutzung der Immobilie für gewerbliche Zwecke laut Mietvertrag oder Praxis im Vordergrund steht, entschied der BGH in einem am 9. Juli in Karlsruhe verkündeten Urteil (Az.: VIII ZR 376/13). Ist der Mietvertrag dagegen unklar, müssten in Zweifelsfällen die Kündigungsschutzrechte für privaten Wohnraum gelten. Im aktuellen Fall war den beklagten Mietern eines mehrstöckigen Hauses in Berlin zwar gestattet worden, Räume im Erdgeschoss als Hypnosepraxis zu nutzen und darüber zu wohnen. Was den Vorrang haben sollte, Wohnen oder Arbeiten, ließ der Mietvertrag jedoch offen. Der Vermieter kündigte dann knapp sechs Jahre später auf Grundlage des Gewerbemietrechts und damit ohne Angabe von Gründen. Das Urteil des Landgerichts Berlin, das in solchen unklaren Fällen dem gewerblichen Aspekt den Vorrang vor der Wohnnutzung gab und die Kündigung für rechtens erklärt hatte, hob der BGH nun auf. dpa

Der Bundesgerichtshof hat die Rechte von Mietern vor Kündigung gestärkt, die Teile der Wohnung für freiberufliche Arbeit nutzen. In solchen sogenannten Mischmietverhältnissen können Vermieter nur dann ohne Angabe von Gründen kündigen, wenn die Nutzung der Immobilie für gewerbliche Zwecke laut Mietvertrag oder Praxis im Vordergrund steht, entschied der BGH in einem am 9. Juli in Karlsruhe verkündeten Urteil (Az.: VIII ZR 376/13). Ist der Mietvertrag dagegen unklar, müssten in Zweifelsfällen die Kündigungsschutzrechte für privaten Wohnraum gelten. Im aktuellen Fall war den beklagten Mietern eines mehrstöckigen Hauses in Berlin zwar gestattet worden, Räume im Erdgeschoss als Hypnosepraxis zu nutzen und darüber zu wohnen. Was den Vorrang haben sollte, Wohnen oder Arbeiten, ließ der Mietvertrag jedoch offen. Der Vermieter kündigte dann knapp sechs Jahre später auf Grundlage des Gewerbemietrechts und damit ohne Angabe von Gründen. Das Urteil des Landgerichts Berlin, das in solchen unklaren Fällen dem gewerblichen Aspekt den Vorrang vor der Wohnnutzung gab und die Kündigung für rechtens erklärt hatte, hob der BGH nun auf.

BerlinHeimarbeit hat in Deutschland in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung verloren. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. 2012 arbeiteten demnach 4,7 Millionen Menschen überwiegend von zu Hause aus, 800.000 weniger als vier Jahre zuvor. Damit läuft die Entwicklung gegen den europäischen Trend. Sowohl in skandinavischen Ländern als auch in Großbritannien, Frankreich oder der Schweiz hat Heimarbeit nach DIW-Angaben stetig zugenommen.

Unter den Angestellten in Deutschland bleibt das Home-Office oft eine Ausnahme. Nur 2,7 Millionen oder acht Prozent der Arbeitnehmer haben ihren Schreibtisch zu Hause stehen. Es sind vor allem Akademiker, die ab und zu oder immer von zu Hause aus arbeiten – zwischen Männern und Frauen sowie Altersgruppen gibt es laut Studie dagegen keine Unterschiede. Besonders viele Heimarbeiter gibt es unter Beamten und im öffentlichen Dienst. Aber auch Juristen, IT-Kräfte und Ingenieure finden sich darunter.

Selbständige arbeiten dagegen viel häufiger in den eigenen vier Wänden. 2012 war es nach den DIW-Berechnungen rund die Hälfte der 1,3 Millionen Beschäftigten dieses Sektors. Doch auch bei ihnen ist der Heimarbeiter-Anteil nach seinem Höhepunkt im Jahr 2008 wieder auf das Niveau von 1992 gefallen.

DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke kann die Ursachen für diese Entwicklung nicht eindeutig benennen. „Zwar gibt es in Deutschland viele Arbeitsplätze in der Industrie, die sich für Heimarbeit nicht eignen“, sagt er. „Doch insgesamt dürfte sich die Berufsstruktur nur wenig von Ländern wie der Schweiz oder Schweden unterscheiden“. Als Erklärung blieben lediglich Arbeitsbedingungen, die sich in anderen Ländern besser für Heimarbeit eigneten – oder eine generell höhere Akzeptanz des Home-Office.

Von

dpa

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