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05.12.2012

20:55 Uhr

Drei Vorstände gehen

Thyssen-Krupp räumt in der Chefetage auf

Paukenschlag bei Thyssen-Krupp: Der Industriekonzern trennt sich von drei Vorständen. Eichler, Berlien und Claassen gehen bereits zum Jahresende. Doch das Debakel in Übersee und die Korruptionsvorwürfe bleiben.

Thyssen-Krupp trennt sich zum Jahresende von drei Vorständen. dapd

Thyssen-Krupp trennt sich zum Jahresende von drei Vorständen.

EssenDer mit Milliardenproblemen und Korruptionsvorwürfen kämpfende Industriekonzern Thyssen-Krupp trennt sich von gleich drei Vorstandsmitgliedern. Die Verträge mit Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen sollen zum Jahresende aufgehoben werden. Das teilte Thyssen-Krupp am Mittwochabend mit.

Es handelt sich zunächst um eine Empfehlung des Personalausschusses im Aufsichtsrat. Die Entscheidung dazu sei allerdings in enger Abstimmung mit dem Vorstandschef Heinrich Hiesinger gefallen. Endgültig soll das Kontrollgremium an diesem Montag (10. Dezember) darüber entscheiden.

Die Schattenseiten von Thyssen-Krupp

Umgang mit Geschäftspartnern

Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

Umgang mit Geschäftspartnern (2)

Thyssen-Krupp muss sich wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen, allerdings wird auch weiter über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Thyssen-Krupp war Teil eines Karrtells, zu dem auch die österreichische Voestalpine und das Bahntechnikunternehmen Vossloh gehörten. Die Firmen sollen von 2001 bis 2008 und teilweise bis 2011 Preise – unter anderem zum Schaden der Bahn – abgesprochen haben.

Umgang mit Gewerkschaftern

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Gewerkschafter zu kostspieligen Reisen in der ersten Klasse eingeladen. Mehrfach flogen Vertreter des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat nach Asien und Amerika, aber auch zu exotischen Zielen. Die Reisen hatten zum Teil touristischen Charakter

Querelen im Vorstand

ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen ließ im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen im Zusammenhang mit Luxusreisen Anfang Dezember 2012 sein Amt ruhen. Er wolle durch den Schritt „angesichts der derzeitigen öffentlichen Berichterstattung Schaden vom Unternehmen fernhalten“. Claassen war wegen luxuriöser Reisen in die USA unter Druck geraten, die er von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich veranlasst schienen.

Wenige Tage später griff Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durch und setzte nicht nur Claassen vor die Tür. Auch zwei weitere Vorstände mussten gehen – insgesamt die Hälfte der Mitglieder des Top-Führungsgremiums.

Korruptionsvorwürfe

Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue. Im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Kasachstan soll es Schmiergeldzahlungen an eine Briefkasten-Firma im US-Bundesstaat Georgia gegeben haben. Die Ermittlungen gingen auf interne Ermittlungen von Thyssen-Krupp zurück.

Das Werk in Brasilien (1)

Als Thyssen-Krupp 2005 seine Pläne für die Expansion auf den Stahlmarkt in Südamerika und den USA präsentierte, klang alles sehr einfach. Mit günstig in Brasilien produziertem Qualitätsstahl wollte der Ruhrkonzern den US-Hüttenbetreibern Marktanteile abjagen. Dass deutsche und asiatische Autokonzerne zeitgleich im Süden der USA Produktionsstätten errichteten, machte die Strategie plausibel.

Problematisch war allerdings die Umsetzung. Die Stahlhütte vor den Toren der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kostete nicht 1,3 Milliarden Euro, wie zunächst angekündigt. Die Investitionen summierten sich letztendlich auf mehr als fünf Milliarden Euro. Das Werk wurde weitaus teurer. Wegen Fehlplanungen muss die Kokerei umfangreich nachgebessert werden, auch bei anderen Teilen des Hüttenwerks gibt es Probleme.

Das Werk in Brasilien (2)

Im Werk der lokalen Thyssen-Krupp-Tochter CSA wurde mehrfach Graphitstaub in die Luft gewirbelt. Der sogenannte „Silberregen“ setzte sich in etwa zwei Kilometern Entfernung vom Stahlwerk im Nachbarort Santa Cruz auf Straßen und Häusern ab. Die Anwohner klagten über Atembeschwerden und Hautausschläge. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2010 hat Thyssen-Krupp-CSA wegen der Pannen mehrfach Strafen zahlen müssen: umgerechnet 700.000 Euro beim ersten, 1,1 Millionen Euro beim zweiten Mal und zuletzt vier Millionen Euro.

Das Werk in den USA

Auch beim Bau eines Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickelte sich auch diese Projekt zu einem Milliardengrab. Gemeinsam belasten die beiden Hütten die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Damit zieht Thyssen-Krupp unter anderem Konsequenzen aus dem Milliardendebakel beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA. Außerdem sieht sich der Traditionskonzern mit der Aufdeckung einer Reihe von Korruptionsfällen konfrontiert. Deshalb stelle sich die „Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern“, heißt es in der Mitteilung von Thyssen-Krupp.

Wie es weiter hieß, hatte eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Prüfung der fehlgeschlagenen Konzernprojekte in Amerika ergeben, dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben. „Neben dem Thema Steel Americas sieht sich Thyssen-Krupp derzeit außerdem mit der Aufdeckung einer Reihe von Korruptions- und Kartellfällen konfrontiert.“

Die Arbeitnehmervertreter begrüßten den Schritt. Transparenz und Ehrlichkeit im Umgang miteinander seien nicht mehr in jedem Fall selbstverständlich gewesen, wurde in einer Mitteilung von Mittwochabend betont. Bertin Eichler, stellvertretende Vorsitzender des Aufsichtsrats und IG Metall-Vorstandsmitglied, sagte, die Beschäftigten erwarteten ein Ende der Serie von Negativschlagzeilen.

„Alle Vorfälle müssen aufgeklärt werden. Es muss Schluss sein mit sämtlichen Praktiken, die das Unternehmen in Verruf bringen“, mahnte der Gewerkschafter. Der Vorstand müsse sich wieder auf das konzentrieren können, was seine Aufgabe sei: „Die Arbeitsplätze bei Thyssen-Krupp sichern, in die Zukunft investieren, auf den Märkten bestehen und vernünftige Erträge erwirtschaften, um den Konzern dauerhaft zu stabilisieren.“

Auf Thyssen-Krupp kommen nach der Aufdeckung eines Aufzug- und Rolltreppenkartells gleich mehreren Schadenersatzklagen zu. Die EU-Kommission hatte bereits eine millionenschweren Geldbuße verhängt.

Kommentare (2)

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OttoKajetan

05.12.2012, 19:47 Uhr

na, da hat Rolando, der brutalst mögliche Aufklärer die Chande versemmelt mit gutem Beispiel voranzugehen und in seiner Korruptionsbutze als erster aufzuräumen

Account gelöscht!

05.12.2012, 20:18 Uhr

Das trägt eindeutig die Handschrift dessen, der sich selber schützen will.

Und der sitzt ganz, ganz oben. So weit oben und abgehoben, daß er, so ganz nebenbei, heuer auch in MUC eine Sache nach der anderen versemmeln läßt.

Fragt sich nur, warum er den Siemens Korruptions-Saustall angeblich aufräumen durfte und zugleich seinen eigenen Stall über Jahre hinweg vernachlässigte.

Klingt wie die Satire KERN-KOMPETENT, nicht wahr, Hr. C.?

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