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22.01.2006

15:00 Uhr

Druck auf Unternehmen und Prüfer wächst

Bilanzpolizei sitzt Wirtschaftsprüfern im Nacken

VonDieter Fockenbrock

Die Konzentration auf wenige große Wirtschaftsprüfungsfirmen in Deutschland wächst. Klare Marktführer sind KPMG und Pricewaterhouse Coopers (PwC), die inzwischen bei 80 Prozent der großen Dax-Konzerne den Jahresabschluss testieren. Das ergab der Handelsblatt Firmencheck.

DÜSSELDORF. Unter den Finanzkonzernen gibt KPMG sogar fast allein den Ton an. Nur die Commerzbank wird vom Kokurrenten PwC geprüft. Verdrängt werden mittelständische Gesellschaften, die mittlerweile kaum noch von den führenden Dax-Konzernen engagiert werden. Gerade erst hat der Handelsriese Metro die KPMG an Bord geholt.

Der Firmencheck entsteht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarbrücken (IWP) und dem Beratungsunternehmen Mercer Management. Er untersucht alle Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen aus den Börsensegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax. Hier führen die so genannten Big Four der Prüferbranche, das sind Deloitte & Touche, Ernst & Young, KPMG sowie PwC. Diese vier weltweit tätgen Gesellschaften, testieren mittlerweile 73 Prozent aller vom Firmencheck untersuchten Jahresabschlüsse. In Großbritannien oder in den USA erreichen die Big Four sogar 95 Prozent Marktanteil bei den Abschussprüfungen. Die Konzentration ist in Deutschland etwas geringer, weil Weltmarktführer Deloitte & Touche hierzulande eine relativ bescheidene Rolle spielt.

Befördert wird der Trend durch zwei Gründe. Im Zuge der wachsenden Internationalisierung des Geschäfts erwarten die Auftraggeber eine globale Präsenz und weltweites Bilanzierungs-Knowhow. Deshalb greifen auch immer mehr mittelgroße Unternehmen auf die Big Four zurück. Zum anderen führten Zusammenschlüsse unter den Prüfern dazu, dass von acht weltweit tätigen Prüfungsfirmen vor einem Jahrzehnt heute nur noch die Hälfe übrig ist. Zuletzt verschwand Arthur Andersen wegen seiner Verwicklung in den Enron-Bilanzskandal. In Deutschland verstärkt die Andersen-Prüfermannschaft seitdem Ernst & Young. Und Ende der neunziger Jahre verabschiedete sich ein wichtiger deutscher Konkurrent, die C&L Deutsche Revision, durch Fusion mit Pricewaterhouse Deutschland.

Bilanzexperte Karlheinz Küting, Direktor des IWP, sieht diese Oligopolisierung in der Branche sehr kritisch. Damit wachse die Gefahr von Absprachen etwa über Preise. Oder es komme zu ruinösem Wettbewerb, worunter die Qualität leide. Die britische Regierung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Folgen der Konzentration auf die Qualität der Bilanzen abschätzen soll.

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