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17.04.2012

08:32 Uhr

Ducati

Piëchs umstrittenes Geburtstagsgeschenk

Der mächtigste Automanager Europas feiert seinen 75. Geburtstag - und will sich mit dem Motorradhersteller Ducati beschenken. Eine wenig rationale Entscheidung, sagen Branchenexperten.

Der Patriarch feiert Geburtstag: Ferdinand Piëch ist der mächtigste Automanager Europas. APN

Der Patriarch feiert Geburtstag: Ferdinand Piëch ist der mächtigste Automanager Europas.

WolfsburgEine Ducati reicht Autopatriarch Ferdinand Piëch nicht. Zu seinem 75.Geburtstag plant der VW-Aufsichtsrat und Porsche-Erbe gleich die komplette Übernahme des italienischen Motorradherstellers. Das Geschäft der VW -Tochter Audi gilt seit Wochen als offenes Geheimnis, Piëch als Fan der sportlichen Zweiräder aus Italien. Experten fragen sich allerdings: Was will der Oberklasse-Autobauer, der sich anschickt, seinen Lieblingskonkurrenten BMW vom Premiumthron zu stoßen, mit der Edel-Motorradmarke? Viele Fachleute zweifeln an der industriellen und wirtschaftlichen Logik der Übernahme. Doch der VW-Aufsichtsratschef und Strippenzieher Piëch dürfte damit nicht nur seiner Liebe zu starken Marken frönen, sondern auch auf langfristige Ziele setzen.

Mehr als einmal ist Piëch eine Sanierung gelungen, mit der niemand gerechnet hätte. Einer seiner ersten Erfolge war vor 25 Jahren der Umbau von Audi zur Premiummarke des VW-Konzerns. Piech denkt in langen Linien. Das hatte sich schon vor fünf Jahren gezeigt, zum 70. des Österreichers: Das größte und teuerste Geschenk hatte er sich damals ebenfalls selbst gemacht. Piech übernahm wenige Tage vorher via Einstieg seiner Familienfirma Porsche endgültig die Kontrolle bei Volkswagen. Piech wurde damit der mächtigste Mann der europäischen Autoindustrie. Bis heute ist er noch mächtiger geworden. 

Mit Ducati verfolgt er allerdings keine Machtstrategie, schätzt Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Das ist eher die Marke, eher ein Spielzeug, ein Hobby der Beteiligten, die sich das leisten können und wollen.“ Das Geld - von rund 870 Millionen Euro ist die Rede - könne Audi sinnvoller für andere Projekte ausgeben, etwa für den Aufbau neuer Werke in China oder Amerika. Statt Marken zu sammeln solle man bei VW eher den immer komplexer werdenden Konzern konsolidieren und sich auf die Großbaustellen Porsche und MAN konzentrieren, meint Analyst Arndt Ellinghorst von Credit Suisse. „Der Erwerb von Ducati ist mehr von Leidenschaft für Marken getrieben als von industrieller und finanzieller Logik.“

Ähnlich sieht das Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Das ist eine reine Spielwiese für Piëch, eine nicht ernstzunehmende Neuerwerbung.“ Er verweist auf die Kosten nach dem Kauf: Audi müsse das Motorradgeschäft separat aufstellen, sich neue Kunden erschließen und eigene Vertriebsstrukturen schaffen. „Winterkorn und Piech opfern wertvolle Zeit für ein Projekt, dem der wirtschaftliche Sinn schlicht und einfach fehlt.“ Beim Rivalen BMW habe das Motorradgeschäft eine lange Tradition, sei stabil und weitgehend integriert.

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Kommentare (5)

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Account gelöscht!

17.04.2012, 08:55 Uhr

Sehr geehrter Herr Piëch,
sie hätten Ducati nicht zu ihrem Geburtstag kaufen müssen, wenn sie schon eine Motorradfabrik benötigen, hätten sie im Konzern fündig werden können. Da wäre zum Beispiel die Motorrad Marke NSU oder auch noch DKW! Also warum Ducati? Man hat alles im Konzern, aber mir scheint, sie sind den leichteren Weg gegangen, anstatt wider die genannten Marken auf den Markt zu bringen.
Sehr schade Herr Piëch, hier hätten sie ein neues unbekanntes Terrain betreten, und der Welt zeigen können was sie noch draufhaben.
Danke

Winkler

17.04.2012, 09:27 Uhr

Wie oft hat man schon erlebt, dass Entscheidungen von Piech selbst von so genannten Experten nicht nachvollzogen werden konnten. Was haben diese gelacht, als er ankündigte, Audi auf Augenhöhe zu Mercedes und BMW zu bringen. Sinn und Notwendigkeit seiner Entscheidungen werden oft erst sehr viel später klar. Piech ist ein Genie und Stratege, wie sein Großvater es auch war und nicht mit normalen Maßstäben zu messen!

Account gelöscht!

17.04.2012, 10:37 Uhr

Nun ja - wenn dann neben Ducati irgendwo VW draufsteht und der italienische Chic deutschteutonischem Handwerk Platz macht, dann kaufe ich keine Duc mehr. Gibt ja Gott sei Dank noch MV Agusta, Moto Morini etc.!!

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