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19.03.2013

07:34 Uhr

Dünne Eigenkapitaldecke

Thyssen-Krupp prüft Kapitalerhöhung

ExklusivDer Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp bereitet sich auf eine Kapitalerhöhung vor. Der Erlös soll bei mehr als einer Milliarde Euro liegen. Die Entscheidung hängt am Verkauf der Übersee-Stahlwerke.

Die Unternehmenszentrale der Thyssen Krupp AG, aufgenommen in Essen. Die Kapitalerhöhung könnte über eine Milliarde Euro in die Kassen spülen. dapd

Die Unternehmenszentrale der Thyssen Krupp AG, aufgenommen in Essen. Die Kapitalerhöhung könnte über eine Milliarde Euro in die Kassen spülen.

DüsseldorfDer Industriekonzern Thyssen-Krupp bereitet sich auf eine Kapitalerhöhung vor. Mit dem Erlös könnte die zuletzt dünne Eigenkapitaldecke verbessert werden, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat. Zuletzt lag diese bei 11,4 Prozent – einer der schlechtesten Werte in der Industrie. Der Erlös würde bei über einer Milliarde Euro, sollte sich das Management für einen solchen Schritt entscheiden.

Hemmnis für eine Ausgabe neuer Aktien war bislang die Krupp-Stiftung, die eine Verwässerung ihrer 25,3-prozentigen Beteiligung fürchten muss. Denn mangels finanzieller Ressourcen werde die Stiftung bei einer Kapitalerhöhung voraussichtlich nicht mitziehen können, hieß es in den Kreisen. Dem Vernehmen nach konnte aber der seit zwei Jahren amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger den Vorsitzenden der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, von der Notwendigkeit eines solchen Schrittes überzeugen.

Den 99-jährigen Beitz dürften auch die weiteren Belastungen überzeugt haben, die Thyssen-Krupp fürchten muss. Neben den Kosten für die Aufarbeitung des Schienenkartells, die sich im dreistelligen Millionenbereich bewegen werden, drohen weitere Abschreibungen beim Verkauf der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Wer diese übernimmt soll in den kommenden Wochen festgelegt werden.

Wenn die Belastungen feststehen, dann soll die finale Entscheidung fallen, ob tatsächlich eine Kapitalerhöhung nötig wird. Konkrete Emissionspläne könnten zusammen mit dem Stahldeal präsentiert werden, hieß es in Finanzkreisen. Eine solcher Doppelschlag würde am Kapitalmarkt gut ankommen. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar dazu ab.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Mindestens 2000 Stellen sollen in den nächsten Jahren im europäischen Stahlgeschäft gestrichen werden. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

Von

mur

Kommentare (2)

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MBoudik

19.03.2013, 08:34 Uhr

Interessanter - guter - Artikel.

Die zugesagten Betriebsrenten lasten doch auch wie Blei auf diesem Konzern.

Früher waren Zusagen für üppige Betriebsrenten ein probates Mittel, die Belegschaft zu verwöhnen und die Lasten auf „später“ zu verschieben.

Jetzt ist Zahltag.

Höhe und Art der zugesagten Renten und Anzahl der Rentner = toxische Mischung für die Finanzen.

Die – verhassten – Rating-Argenturen haben schon vor vielen Jahren vor diesem Thema gewarnt. Was hat sich getan?

Wohlgemerkt: Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind hier nicht in der Pflicht. Niemand will hier zugesagte Versorgungsleitungen kürzen.

Es ist die Aufgabe der Unternehmensleitung aufzuzeigen, wie man mit diesem Thema umgehen will und die Zusagen eingehalten werden können.


aktionaer

19.03.2013, 09:32 Uhr

Wenn selbst in Chian der Stahlmarkt einbricht, muss das auch in Deutschland seine Spuren hinterlassen.

Was die Kapitalerhöhung betrifft, so war es bei der Commerzbank ein sehr gutes Short-Investment. Mal sehen, wie stark deshalb bei Thyssen der Kures-Rückgang dann sein wird.

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