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28.11.2011

16:03 Uhr

Düsseldorfer Gespräch

„Deutschlands Manager haben ein Imageproblem“

VonKatrin Terpitz

Im Handelsblatt-Gespräch verraten Headhunterin Christine Stimpel, Marken-Experte Frank Dopheide und Coach Egbert Deekeling, warum Selbstinszenierung für Manager immer wichtiger wird - und was sie dabei vermeiden sollten.

Die Teilnehmer des Düsseldorfer Gesprächs: Berater Egbert Deekeling, Headhunterin Christine Stimpel und Marken-Experte Frank Dopheide (v.l.). Frank Beer

Die Teilnehmer des Düsseldorfer Gesprächs: Berater Egbert Deekeling, Headhunterin Christine Stimpel und Marken-Experte Frank Dopheide (v.l.).

DüsseldorfHandelsblatt: Frau Stimpel, Herr Dopheide, Herr Deekeling, deutsche Manager gelten im Ausland gemeinhin als blass, humor- und konturlos. Stimmt das – oder sind sie nur miserable Selbstdarsteller?

Frank Dopheide: Fachlich sind deutsche Manager weltweit die Nummer eins und anerkannt. Sie haben kein Qualitätsproblem, sondern ein Imageproblem. Die meisten pflegen ganz bewusst eine vornehme Zurückhaltung. Das funktioniert aber nicht mehr. Der Vorstandschef kann heute kein No-Name-Produkt sein. Er muss sich zum Markenartikel seines Unternehmens machen.

Handelsblatt: So wie Steve Jobs, der die Marke Apple verkörperte? Sollten wir uns da die Amerikaner zum Vorbild nehmen?

Egbert Deekeling: In den USA gibt es einen regelrechten Starkult um erfolgreiche Manager. Der wird uns Deutschen sicher fremd bleiben.

Christine Stimpel: Selbstdarstellung hat in Amerika einen ganz anderen Stellenwert. Schon junge Bewerber preisen sich auf eine Art und Weise an, die hierzulande absolut daneben wäre. Aber Hand aufs Herz: Wer von den Chefs aller 160 Dax-notierten Unternehmen ist wirklich bekannt? Die große Masse der deutschen Manager sitzt im Dunkeln und möchte dort bleiben.

Handelsblatt: Allerdings wird die Wirtschaft immer globaler. Immer mehr Ausländer führen Dax-Konzerne. Müssen sich deutsche Manager da nicht etwas mehr in Szene setzen?

Dopheide: Es muss ja nicht gleich eine Homestory in der „Bunten“ oder „Gala“ sein. Übertriebene Selbstdarstellung schadet nur. Eine starke Marke als Manager aber wirkt vielfältig: als Identifikationsfigur für die Mitarbeiter, als Vertrauensanker für die Öffentlichkeit, als Wertetreiber für die Shareholder, als Magnet für junge Talente und als Beschleuniger für die Kommunikation. Das funktioniert aber nur, wenn ein Gesicht bekannt ist und jeder weiß, wofür der Manager steht.

Handelsblatt: Früher haben sich Mitarbeiter mit dem Produkt oder Namen ihres Unternehmens identifiziert. Reicht das nicht mehr?

Deekeling: Nein, Sichtbarkeit von Managern wird immer wichtiger, gerade weil das Verlangen nach personifizierter Verbindlichkeit immer größer wird.

Dopheide: Schon die Neandertaler lasen in Gesichtern, um ihr Gegenüber einschätzen zu können. Wenn Manager nur durch Mails oder glattgebügelte Geschäftsberichte präsent sind, fehlen Orientierungspunkte. Das schafft Verunsicherung.

Handelsblatt: Was empfehlen Sie stattdessen?

Stimpel: Videokonferenzen und interaktive Social Media sind heute extrem wichtig, damit Führungskräfte richtig rüberkommen.

Dopheide: Ein Manager führt heute oft zigtausend Mitarbeiter in 50 Ländern. Erschreckend, aber wahr: Die meisten Angestellten wissen noch nicht einmal, wie ihr Chef aussieht, geschweige denn, was ihm wichtig ist. Was der neue Boss vorhat, erfährt die Belegschaft oft zuerst aus den Medien: Dort verkündet er unbedarft 4000 Stellenstreichungen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

28.11.2011, 16:31 Uhr

Inszenierung beherrschen sie schon recht ausreichend. Was fehlt sind Ihre Leistungen.

Mehdorn, Schrempp, Zumwinkel, Claussen- Allein diese vier Namen von "Top"-Managern rufen erschütternde Erinnerungen an Fehlleistungen, Rechtsbeugung und übermäßige Entlohnung ohne Leistung ins Gedächtnis.

Weiter hin sei:
http://www.amazon.de/Nieten-Nadelstreifen-Deutschlands-Manager-Zwielicht/dp/3426771365
empfohlen.

Beim Absahnen sind die Manager da, nur wenns um Verantwortung geht tauchen sie ab.

Kea

28.11.2011, 17:25 Uhr

Gott sei Dank!

danke_dir...

28.11.2011, 18:09 Uhr

Image? Aber hallo... Warum sollen Manager denn nun gefeiert werden, wenn die Arbeitnehmer nicht mal auf ihr Gehalt einen Inflationsausgleich bekommen oder massenweise Zeitarbeitskräfte eingestellt werden? Selber wirtschaften sie in die eigene Tasche und erzählen den Arbeitnehmern etwas von Konsolidierung und "nötige Schritte". Wer glaubhaft sein will, der muss mit gutem Beispiel voran gehen, ein Unternehmen ehrlich und über Jahre führen. So haben das i.d.R. auch die Familienunternehmer seit Jahrzehnten gemacht. Aber wie will denn ein Manager glaubhaft diese Werte rüber bringen, wenn er doch selbst nur noch eine Halbwertszeit von ein paar Monaten oder Jährchen hat und in der Zeit sich die Taschen mit mehr Geld vollstopft, als ein Mitarbeiter jemals im Leben verdienen wird. Wo ist da die Relation? Wo ist da die Bescheidenheit? Wo ist da das gute Benehmen? Wäre ja noch schöner, wenn die Manager für dieses Verhalten auch noch mit einem guten Image in der Öffentlichkeit belohnt werden würden.

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