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01.03.2012

19:24 Uhr

EBS Universität

Der neue Chef der Hochschule räumt auf

VonStefani Hergert

Skandale und Geldsorgen haben die Elite-Universität EBS zuletzt erschüttert. Der neue Chef Rolf Cremer muss die Altlasten seines Vorgängers entsorgen - und greift durch.

Die EBS Universität in Oestrich-Winkel. dpa

Die EBS Universität in Oestrich-Winkel.

Wiesbaden/Oestrich-WinkelDie Ankündigung gleicht einem Befreiungsschlag: Vom schweren Erbe hatte Rolf Cremer, seit vergangenen Juni Chef der kriselnden EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden, vergangene Woche im Handelsblatt-Interview gesprochen. Ein Erbe, mit dem er aufräumen müsse. Einen deutlichen Schussstrich unter das System seines Vorgängers hat Cremer heute verkündet: Die EBS wird die umstrittene Struktur ihrer Weiterbildungstochter ändern und die Geschäftsführung der Tochter zum 1. Mai neu besetzen. Zwei Professoren sind künftig zudem nicht mehr in der Leitung der Universität.

Die EBS Universität, die aus der Erweiterung der European Business School in Oestrich-Winkel um eine juristische Fakultät entstanden ist, steht seit Monaten massiv in der Kritik. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Präsidenten Christopher Jahns wegen Untreue und die Uni musste fast eine Million Euro staatlicher Zuschüsse zurückzahlen. Dann fror der Sponsor Deutsche Post im Herbst zugesagte Gelder erst einmal ein, weil Verwendungsnachweise fehlten und dann gibt es auch noch komplizierte und umstrittene Verflechtungen der Professoren in der Weiterbildungstochter. 

Cremer, der bis Januar 2011 die chinesische Wirtschaftshochschule China Europe International Business School (Ceibs) leitete, ist überzeugt, dass diese Verflechtungen im Sinne guter Unternehmensführung nicht hinnehmbar sind. „Dass wir etwas ändern müssen, haben alle verstanden“, sagte Cremer. „Allen Professoren ist selbstverständlich daran gelegen, an einer Hochschule zu lehren und zu forschen, deren Governance-Strukturen transparent und zukunftsfähig sind. Diese zu schaffen hat für mich oberste Priorität.“

Problematisch ist bisher, dass drei EBS-Professoren sowohl die Weiterbildungstochter leiten, als auch an Unternehmen beteiligt sind, die als Dienstleister im Weiterbildungsbereich für die EBS arbeiten. Sie sind also zum Teil Auftraggeber und Auftragnehmer in einer Position. Zum 1. Mai werden die drei Professoren daher nicht mehr in der Geschäftsführung der Tochter EBS Executive Education sein. „Wir beenden die bisherige Struktur, in der Mitglieder der Geschäftsführung der Weiterbildungsgesellschaft gleichzeitig als Dienstleistungspartner für die Weiterbildung tätig sein konnten. Dies ist ein unerlässlicher Schritt hin zu mehr Transparenz“, sagt Cremer.

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Bisher haben die Dienstleister Exklusivverträge mit der Weiterbildungstochter, auch daran will Cremer offenbar bis Ende des Jahres rütteln. „Wir werden künftig externe Dienstleister einbinden, um in der Weiterbildung weiter zu wachsen“, sagt ein Sprecher der EBS.

Cremer muss den Weiterbildungsbereich reformieren, weil sich gerade mit den mehrtägigen Managerseminaren viel Geld verdienen lässt. Ohne dieses Geld ist eine forschungsstarke Universität kaum zu finanzieren. Die Weiterbildung soll daher „zur dritten strategischen Säule der Universität“ ausgebaut werden. Zum 1. September soll an der Uni eine „Executive School“ nach angelsächsischem Vorbild entstehen, in der alle Weiterbildungsangebote gebündelt werden.

Auch in der Geschäftsführung der Universität selbst räumt Cremer auf. Rolf Tilmes, der als Dekan die BWL-Fakultät (Business School) leitet und Gerrick Freiherr v. Hoyningen-Huene, Dekan der juristischen Fakultät (Law School), werden künftig nicht mehr in der Leitung der Universität selbst sein. „Wir schaffen klare Abgrenzungen zwischen der Geschäftsführung der Universität und den Dekanen“, begründet Cremer den Schritt. Laut EBS-Vertrauten war der Widerstand an der Uni gegen die Pläne groß, doch der Aufsichtsrat der Hochschule habe Cremer nun deutliche Rückendeckung gegeben.

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