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06.11.2015

10:53 Uhr

Effie-Preise der Werbebranche

Ein Award für vegane Wurst – und Bierhintern

VonCatrin Bialek

Nackt, schnoddrig und anders – die Gewinner des Werbebranchen-Awards „Effie“ zeigen: Werbung muss knallen. Warum der Bierhersteller Astra und die Rügenwalder Mühle gewonnen haben. Stichwort: Wurst-ohne-Wurst-Kampagne.

Ein Gewinner: Der Bierhersteller Astra provoziert mit seiner Kampagne „Arschkalt“ und gewinnt prompt den „Effie“ Werbe-Award. Philipp und Keuntje

Hauptsache auffällig

Ein Gewinner: Der Bierhersteller Astra provoziert mit seiner Kampagne „Arschkalt“ und gewinnt prompt den „Effie“ Werbe-Award.

FrankfurtDie Situation konnte vertrackter kaum sein: Seit Jahrzehnten verdiente die Rügenwalder Mühle ihr Geld mit dem Verkauf von Wurst, erst lose an der Theke angeboten, später abgepackt im Selbstbedienungsregal. Nummer eins im deutschen Wurstmarkt, für das Bad Zwischenahner Unternehmen gab es kaum mehr ein Ziel. Doch dann kam die große Vegan-Welle.

Menschen, die sich zuvor genüsslich Schinkenröllchen und Leberwurst einverleibt hatten, übten Verzicht. Wollten Obst und Gemüse. Rügenwalder Mühle musste umsteuern, sich selbst neu erfinden – und erfand 2014 die vegane Wurst.

Mit einer Werbekampagne, die auf vielen Kanälen spielte, abends im Werbefernsehen, im Internet, aber auch auf den Verpackungen der Wurstwaren selbst, führte das Unternehmen die fleischfreie Wurst ein. Der ganze Tamtam hat sich gelohnt: Rügenwalder Mühle hat die Marktführerschaft im Segment der vegetarischen Wurst übernommen. „Alle Ziele erreicht und getoppt“, sagte Produktmanager Jörg Bunk bei der Präsentation der Kampagne auf dem Kongress des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA) am Donnerstag in Frankfurt.

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland

Platz 10

Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).
Quelle: fleischwirtschaft.de

Platz 9

Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.

Platz 8

Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.

Platz 7

Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.

Platz 6

2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.

Platz 5

Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).

Platz 4

Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).

Platz 3

Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).

Platz 2

Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.

Platz 1

Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Für diese Leistung gab es einen der großen Preise der hiesigen Werbebranche: Der GWA zeichnete die Wurst-ohne-Wurst-Werbung mit dem Effie Award in Gold aus. Diese Auszeichnung würdigt alljährlich die erfolgreichsten Markenkommunikationen und zeigt, „wie effektive Kommunikationslösungen im  digitalen Zeitalter aussehen“, wie Thomas Strerath, Juryvorsitzender und neuer Chef der Agentur Jung von Matt, erklärt.

Um den Effie-Award zu bekommen, müssen die werbetreibenden Unternehmen genaue Kennziffer vorlegen. Spontane Werbeerinnerung, Reichweite in der Zielgruppe, Interaktion in den sozialen Medien – was auch immer zu den definierten Kampagnenzielen passt. Die Agenturen reichten dieses Jahr 132 Kampagnen ein, und die Jury entschied sich fünf Mal für Gold. Neben Rügenwalder Mühle gewannen auch der Autohersteller Opel mit der „Umparken-im-Kopf“-Kampagne, die Kornbrennerei Schwarze und Schlichte mit der neuen Marke Three Sixty Vodka, die Baumarktkette Hornbach, die eigentlich bei jedem Award hierzulande einen Preis abräumt, sowie die Biermarke Astra, die einen branchenuntypisch schnoddrigen Ton in ihrer Reklame anschlägt.

Hornbach und Astra siegten in der Kategorie „Evergreen“. Jurychef Strerath verwundert’s kaum. Die Werbekampagnen der beiden Marken funktionierten, weil sie „tiefe archetypische Emotionen“ ansprechen, sagt er. Hornbach thematisiere das Selbermachen, das Bauen, ein rein emotionales Thema, während Astra die Bierliebhaber in ihrer tatsächlichen Ungezwungenheit anspreche. „So trinken wir doch Bier“, grinst Strerath, der nach vielen Jahren als Chef der Agentur Ogilvy im vergangenem September als Vorstand und Partner bei der Hamburger Agentur Jung von Matt eingestiegen ist.

Werbepreise sind eine harte Währung in der Kommunikationsbranche. Oftmals geizen die Agenturen mit der Veröffentlichung von Umsatz- und Gewinnzahlen, und bauen stattdessen ihr kreatives Image auf – und untermauern dies mit Preisen wie dem „Effie“, dem Award des Art Directors Club (ADC), der im Mai verliehen wird, oder den Cannes Lions, weltweit der angesehenste Werbewettbewerb.

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