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03.01.2005

18:52 Uhr

Ein neuer Kopf für die Welt der Bücher

Jürgen Boos wird Direktor der Frankfurter Buchmesse

VonChristoph Moss (Handelsblatt)

Das monatelange Gezerre um den Chefposten bei der Frankfurter Buchmesse ist beendet. Der Verlagsmanager Jürgen Boos wird neuer Direktor der weltgrößten Bücherschau. Der 43-Jährige werde sein Amt zum 1. April antreten, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Boos wird einen Dreijahresvertrag bekommen.

HB DÜSSELDORF. „Er hat uns überzeugt“, sagte gestern Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Boos sei hoch qualifiziert und habe eine „hervorragende buchhändlerische Heimat“. Der Börsenverein ist die Muttergesellschaft der Frankfurter Buchmesse und vertritt die Interessen von Verlagen und Buchhandlungen.

Um die Besetzung des Chefpostens hatte sich im Herbst ein Streit innerhalb der Buchbranche entzündet. Kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse hatte der Börsenverein im September überraschend mitgeteilt, dass der Vertrag mit Messe-Chef Volker Neumann nicht über den 31. Dezember dieses Jahres hinaus verlängert wird. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagte der 62-jährige frühere Bertelsmann-Manager damals.

Im November verfassten Buchhändler und Verleger einen „Berliner Appell“, in dem sie Klarheit über die Kosten forderten, die mit der Nichtverlängerung von Neumanns Vertrag verbunden waren. Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem die Verlagsvertreter Christoph Links (Links Verlag) und Viktor Niemann (Ullstein Buchverlage) sowie Martina Tittel vom Kulturkaufhaus Dussmann. „Die Branche wird nun goutieren, dass wir einen Direktor gefunden haben“, sagte Dieter Schormann.

Wird Boos noch vom Vorgänger eingearbeitet?

Der neue Mann ist derzeit noch Mitglied der Geschäftsleitung des Wissenschaftsverlags Wiley-VCH in Weinheim. Der Verlag ist eine Tochter des US-Unternehmens John Wiley & Sons, einem der weltweit bedeutendsten Wissenschafts- und Fachverlage.

Jürgen Boos ist verheiratet und hat ein Kind. Bei seinem Onkel in Freiburg, einem Buchhändler, begann er seine Laufbahn in der Buchbranche. Nach seiner Ausbildung zum Verlagsbuchhändler studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim.

Boos durchlief von 1991 an mehrere Stationen bei Verlagen in Deutschland. Mitte der Neunziger Jahre orientierte er sich verstärkt ins Ausland. Italien, Polen und die damaligen GUS-Staaten gehörten zu seinem Aufgabengebiet. „Er ist weltgewandt und spricht mehrere Sprachen“, lobt Dieter Schormann den neuen Direktor.

Spannend dürfte nun die Frage werden, ob der neue Buchmesse-Chef noch von seinem Vorgänger eingearbeitet wird. In der offiziellen Pressemitteilung des Börsenvereins heißt es: „Der amtierende Buchmesse-Geschäftsführer Volker Neumann wird sein Amt neben Jürgen Boos noch bis zum 31. Dezember 2005 ausüben.“ Neumann, der wie Boos derzeit Urlaub macht, hatte nach der letzten Buchmesse gesagt, er halte es „nicht für sinnvoll“, den Vertrag bis zum Jahresende zu erfüllen.

Für Dieter Schormann ist der Fall allerdings klar. „Ich gehe davon aus, dass er einen jüngeren Kollegen unterstützen wird, um die Buchmesse 2005 auf den Weg zu bringen.“ Er habe am Morgen bereits mit Neumann darüber gesprochen. „Wenn er dann am Jahresende ausscheidet, werden wir ihm gebührend danken.“

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