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22.10.2013

18:35 Uhr

Eine Kultur des Respekts

„Lob ist eine Bringschuld“

Lob ist eine Bringschuld, schreibt der Unternehmer Claus Hipp in seinem Buch. Wer sich immer nur stur an die Parole „Der Chef hat immer Recht“ hält, ist schlecht beraten. Ein Auszug über den Umgang mit Mitarbeitern.

Claus Hipp ist Geschäftsführer des Babykostherstellers Hipp. Der promovierte Jurist setzt sich für ethisch-ökologisches Handeln ein und hält Schirmherrschaft sowohl für kulturelle als auch für soziale Projekte. Rüdiger Nehmzow/laif

Claus Hipp ist Geschäftsführer des Babykostherstellers Hipp. Der promovierte Jurist setzt sich für ethisch-ökologisches Handeln ein und hält Schirmherrschaft sowohl für kulturelle als auch für soziale Projekte.

Pfaffenhofen an der IlmMinister werden von ihren Regierungschefs abgekanzelt, Manager öffentlich ausgebuht. Unternehmen tragen ihre Konflikte in Nachrichtenmagazinen aus, Ehen werden auf Privatsendern ebenso beendet wie hoffnungsvolle Talente vorgeführt. Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft pflegen immer öfter ein Gebaren, bei dem weder Ton noch Inhalt einem respektvollen Miteinander angemessen sind. Dabei ist ein guter Umgang miteinander nicht nur Ausdruck, sondern vor allem auch Voraussetzung einer guten Gesellschaft, findet Claus Hipp, der am Dienstag 75 Jahre alt geworden ist. Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands und veranschaulicht in seinem Buch „Achtung Anstand - Vom Wert eines respektvollen Miteinanders“, warum wir Werten wie Respekt und Anstand wieder mehr Bedeutung schenken sollten. Der Text ist ein Auszug aus dem vierten Kapitel „Einer für alle, alle für einen - Über den richtigen und den Falschen Ton in Unternehmertum und Management“, das im Oktober 2013 im Verlag Gräfe und Unzer erschienen ist.

Zu Recht erwarten die Menschen gutes Geld für gute Arbeit. Wesentlicher als ein angemessener Lohn ist aber, dass Mitarbeiter wertgeschätzt und ihre Leistungen anerkannt werden. Insofern sollte der Begriff Mitarbeiter ruhig wörtlich genommen werden: Er ist Mit-Arbeiter, der gemeinsam mit anderen Kollegen und Spitzenkräften seinen Teil zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt.

Nach meinem Dafürhalten haben wir es hier mit einem partnerschaftlichen Miteinander zu tun. In diesem Kontext habe ich mich in meinem Unternehmen beispielsweise dafür stark gemacht, dass Führungskräfte beim Besuch in der Werkshalle – der ihnen keine lästige Pflicht, sondern liebe Gewohnheit sein sollte – selber mit anpacken. Heutzutage ist das leider eine Seltenheit geworden.

10 Tipps für den perfekten Chef

Ein perfekter Chef macht Fehler

Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

... ist nicht perfekt

Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

... verbessert sich ständig

Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

... ist Menschenfreund

Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

... ist Teamplayer

Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

... fordert Menschen

Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich nicht mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

... ist fachlich selten der Beste

Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

... verkörpert Werte

Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

... ist wirksam

Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef be-wirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

... ist offen für andere Wirklichkeiten

Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

Quelle: Perspektive Mittelstand

Vielleicht, weil die Spitzen in den Führungsetagen es entweder nie gelernt oder wieder verlernt haben, Hand anzulegen. Doch wer die Arbeit aus eigener Erfahrung kennt, die andere verrichten, weiß erst richtig einzuschätzen, was sie leisten. Und wer die Leistung anerkennt, die andere zum Erfolg beitragen, der gewinnt eine durch nichts zu ersetzende Verbindung zu seinen Mitarbeitern.

Technischer Fortschritt, allem voran das Internet, moderne Unternehmens- und Kommunikationsorganisation und die internationale Arbeitsteilung in der globalisierten Welt sorgen dafür, dass die Anzahl derer beständig wächst, die die Arbeit organisieren. Noch dazu haben alle immer weniger direkt miteinander zu tun. An die Stelle des persönlichen Gesprächs sind E-Mail-Verkehr, Telefon- und Videokonferenzen, Skype und die Plattformen sozialer Netzwerke getreten. Die Folge: Wer hauptsächlich telefoniert, SMS oder E-Mails verfasst, wer nur mit wichtigen Geschäftspapieren und Power-Point-Präsentationen beschäftigt ist oder wer seine Arbeitszeit überwiegend in exklusiven Konferenzräumen oder in der Businesslounge verbringt, der verliert nicht nur den Kontakt zur Basis, er gewinnt zwangsläufig ein schiefes Bild von den Zusammenhängen der Leistungsgesellschaft.

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