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17.01.2011

08:33 Uhr

Einstweilige Verfügung

Maschmeyer gewinnt erste Schlacht gegen NDR

VonThomas Schmitt

Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen eine Szene aus der NDR-Dokumentation über ihn erwirkt. Der Sender muss die Schlussszene des Films vorerst schwärzen. Der NDR will dagegen Widerspruch einlegen.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat Grund zur Freude. DAPD

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat Grund zur Freude.

FRANKFURT. Die Szene ist ungewöhnlich und der Ausstieg aus dem Film: „Der Drückerkönig und die Politik“. Die Reportage über den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, die am vergangenen Mittwoch in der ARD zu sehen war, war bereits im Vorfeld umstritten. Maschmeyers Medienanwalt hatte den Intendanten der ARD vorab jeweils ein 61-seitiges Schreiben geschickt, um Einfluss zu nehmen. Der Film wurde dennoch ausgestrahlt. Doch vorerst darf nun der Schluss nicht mehr gezeigt werden, wie das Landgericht Berlin entschieden hat.

Die umstrittene Szene ist nur rund zwei Minuten lang und wirkt wenig schmeichelhaft für Maschmeyer. In Frankfurt auf einem Finanzkongress soll der ehemalige Chef des Finanzvertriebs AWD auftreten. Reporter Christoph Lütgert hatte vorher mehrmals vergeblich versucht, ein Interview mit Carsten Maschmeyer zu führen. „Mein letzter Versuch“, sagt Lütgert in dem Film. Und er hat Glück. Carsten Maschmeyer steht an einem Tisch mit einem Mitarbeiter und bereitet sich auf eine Diskussionsveranstaltung vor. Als Lütgert mit laufender Kamera an ihn herantritt, dreht sich Maschmeyer weg, er schüttelt den Kopf und beginnt auf einem Zettel zu schreiben. Lütgert möchte Maschmeyer interviewen, doch dieser schaut den Reporter gar nicht an, hält die Hand über sein Mikrofon. Er möchte nach vielen Absagen endlich ein Interview von Maschmeyer, doch dessen Assistent sagt, momentan gehe dies nicht.

Lütgert fragt „Herrn Dr. Maschmeyer“, ob es eine generelle Bereitschaft für ein Interview gebe. Maschmeyer schaut den Reporter bei dieser Frage gar nicht, er blickt nur auf seine Zettel, reagiert nicht. Sein Assistent sagt: „Keine Antwort ist auch eine Antwort.“ Das will Lütgert nicht akzeptieren, er bleibt hartnäckig und zählt auf, was er Maschmeyer gerne fragen möchte: Über sein gutes Verhältnis zu wichtigen Politikern aus Hannover und zur umstrittenen Rolle des AWD in den neunziger Jahren etwa. „Warum können wir mit Ihnen darüber nicht mal reden?“, fragt er Carsten Maschmeyer wiederum direkt. Plötzlich reagiert Maschmeyer: „Würden Sie mich jetzt bitte bei der Vorbereitung nicht filmen!“, sagt er ruhig und geht auf die Kameraleute zu. Diese weichen zurück. Maschmeyer bittet um Verständnis für diese Bitte. Lütgert antwortet: „Nein, habe ich nicht.“ Dann zieht die NDR-Crew zieht ab.

Dem NDR-Team gab Maschmeyer auch danach kein Interview mehr. Über den Film äußerte er sich nur einen Tag nach Ausstrahlung in der Bild-Zeitung. Auf die Frage, warum der recherchierende Journalist kein Interview mit ihm bekommen habe, sagte er in der "Bild": „Ich habe mehrfach ein Interview angeboten, aber darum gebeten, mir die konkreten Fragen vorab zu senden. Bei mehreren Millionen Kunden müssen für diese Einzelfälle nämlich zunächst die Beratungsunterlagen eingesehen und die Kunden um Genehmigung gebeten werden, ob zu deren Investitionsentscheidungen in den Medien Stellung genommen werden darf.“

Maschmeyer sagte zudem, der Begriff „Drücker-Kolonne“ passe nicht auf sein Ex-Unternehmen AWD. Damit verbindet er zum Beispiel Staubsaugervertreter, die mit einem Bus in ein Wohngebiet gekarrt würden, von Tür zu Tür klingelten und den Kunden zum Sofortabschluss drängten. Die in den Film angesprochenen Vorgänge seien ausnahmslos zehn Jahre alt und älter. Grundsätzlich gelte: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Darauf wiesen Finanzberater ihre Kunden auch hin. Die Schuld an den Verlusten der Anleger gibt er anderen: „Leider ist es auch so, dass manche Anleger ihre Gewinne gerne privatisieren, Verluste jedoch sozialisieren wollen. Verantwortlich für Wertverluste sind die Initiatoren, nicht die Berater.“

Kommentare (5)

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internet

17.01.2011, 09:57 Uhr

Wenn Maschi nichts zu verbergen hat und die bösen Dinge schon 10 Jahre alt sind, wieso gibt er dann kein interview. Sein Verhalten in der strittigen Szene in Frankfurt ist jedenfalls albern.

Weiterhin verstehe ich die ganze Aufregung nicht, schaut Euch den bericht doch einfach auf youtube an. Es lebe das internet!

Karl Jacobs

17.01.2011, 12:47 Uhr

ich denke mir, in welchem unsozialen Land leben wir,
wo ein Ex-bundeskanzler Schröder die Menschen mit Hartz iV arm macht, jetzt viel Geld als berater verdient, ein bundespräsident Wulf im Ferienhaus des Herrn und Freundes Maschmeyer Urlaub auf Mallorca gemacht hat? Schämt ihr euch nicht?

Nick

17.01.2011, 13:40 Uhr

ich habe die letze halbe Stunde des berichtes gesehen und muss dazu sagen, dass es sich um die übliche ARD/ZDF-Hetze ala WiSO und Monitor etc. handelt...

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