Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2007

13:52 Uhr

„Eiserne Lady“ formte Stahlriesen

Baosteel-Chefin Xie Qihua tritt überraschend ab

VonAndreas Hoffbauer

Sie galt als eine der mächtigsten Frauen der Welt – Xie Qihua leitete den chinesischen Stahlkonzern Baosteel. Bereits zum Jahresende wurde sie auf dem Chefsessel abgelöst. Doch für die Frau mit guten Verbindungen nach Peking geht es nun wohl an anderer Stelle weiter.

PEKING. Die US-Magazine „Forbes“ und „Fortune“ haben Xie Qihua zu einer der mächtigsten Frauen der Welt gekürt – in einer Reihe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Melinda Gates, der Frau des Microsoft-Gründers. Wenn die Chinesin in künftigen Ranglisten wieder auftaucht, dann in einer anderen Funktion. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sie ihren Posten als Chefin des chinesischen Stahlkonzerns Baosteel bereits zum Jahreswechsel an Xu Leijiang abgegeben. Der 48-Jährige war Chef der Tochterfirma Baoshan Iron & Steel.

Xie nimmt damit Abschied von ihrem Lebenswerk. Die kleine Frau mit dem Oma-Blick war ihr ganzes Berufsleben in der Stahlbranche tätig, davon fast drei Jahrzehnte beim Staatskonzern Baosteel. In Chinas größtem Stahlunternehmen arbeitete sie sich mit eiserner Loyalität zur Partei und großer Fachkompetenz nach oben.

Schon länger war über den Abgang der 63-Jährigen spekuliert worden. Denn normalerweise schickt Chinas Führung ihre Spitzen von Banken, Ölfirmen und Stahlriesen bereits mit 60 in Rente. So wird ihr jetziges Ausscheiden „aus Altersgründen“ glaubhaft. „Die Zentralregierung will einfach jüngere Management-Teams haben“, sagt Zheng Dong, Analyst von Guosen Securities in Peking.

Die dreijährige „Vertragsverlängerung“ für Xie galt ohnehin als Anerkennung für ihre gute Arbeit. Sie machte Baosteel zu einer internationalen Größe mit Kunden wie Siemens und Whirlpool. „Und jedes zweite Auto wird heute bereits mit unserem Stahl gebaut“, sagt Xie.

In der von Männern dominierten Branche hat Xie sie immer behaupten können. Sie trägt gerne Hosen und nie öffentlich glitzernden Schmuck. Sie hat eine rauhe, tiefe Stimme, ein sehr bestimmtes Auftreten und gilt in Verhandlungen als kompromisslos. Fragen zu ihrem Privatleben beantwortet sie grundsätzlich nicht – auch chinesische Zeitungen wissen wenig über sie Immer sind nur die dürren Daten zu lesen: 1943 in Schanghai geboren, seit 1978 bei Baosteel, dort seit 1994 Präsidentin und seit 2003 „Chairwoman“ – auf diesen weiblichen Touch legt sie dann doch Wert.

Eine Karriere wie die der Baosteel-Chefin ist in China nur mit besten Drähten nach Peking möglich. Auch Ingenieurin Xie wurde von Partei und Regierung stets gefördert, denn dort werden alle Top-Personalfragen der Staatskonzerne entschieden.

Unter Xies Führung hat Baosteel die Asienkrise Ende der neunziger Jahre relativ gut überstanden, einen erfolgreichen Börsengang in Schanghai aufs Parkett gelegt und die Produktion auf 22 Mill. Tonnen verdreifacht. Sie hat viele Stahlfirmen in Baosteel integriert und das Personal von 196 000 auf 90 000 verringert – die beste Empfehlung für einen neuen Topjob. Denn Chinas staatliche Stahlbranche steht vor einer Konsolidierung, die Peking organisieren muss. Xie soll für den Posten der Regierung im Gespräch sein. Genau die richtige Aufgabe für die „Frau aus Stahl“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×