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06.05.2015

16:38 Uhr

Eklat um Internet-Unternehmer

Sushi auf nackter Haut

VonAndreas Dörnfelder, Miriam Schröder

Ein Unternehmernetzwerk feiert in der legendären Playboy-Villa in Los Angeles. Ein deutscher Teilnehmer stellt Fotos mit nackten Frauen auf seine Facebook-Seite – und erntet einen Shitstorm.

So dokumentierte Thomas Bachem die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite. Screenshot

Party in der Playboy-Villa

So dokumentierte Thomas Bachem die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite.

BerlinDer Herrenwitz, so hatten wir gehofft, hätte mit Rainer Brüderle die öffentliche Bühne verlassen. Der moderne Mann guckt seiner Gesprächspartnerin in die Augen, nicht ins Dirndl, er nimmt Elternzeit, und beteuert bei jeder Gelegenheit, wie sehr ihm die Gleichstellung am Herzen liegt.

Hin und wieder aber fällt er aus seiner Rolle. Jüngst zu beobachten auf der Facebook-Seite von Thomas Bachem, Internet-Unternehmer, Vorstand im Bundesverband Deutscher Startups und Mitglied eines internationalen Netzwerks, der Entrepreneurs Organization, kurz EO. Laut Forbes ist diese die einflussreichste Unternehmerorganisation der Welt. Dem exklusiven Club (Mitgliedsbeitrag: 1800 Dollar im Jahr) darf nur beitreten, wer mehr eine Million Euro Umsatz macht. Dafür bekommt er offenen Austausch mit seinesgleichen. Und ab und zu eine gute Party.

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Im Rahmen der weltweiten EO-Leadership-Konferenz in Kalifornien lud die LA-Fraktion von EO in der vergangenen Woche zu einer Feier im legendären Playboy-Mansion, der Villa von Hugh Heffner in Los Angeles. So skurril wie man sich das vorstelle, sei es eigentlich gar nicht gewesen, sagt Bachem, aber immerhin: Das Sushi wurde auf nackten Frauenkörpern serviert. Er habe das „ziemlich fragwürdig“ gefunden, sagt Bachem heute, machte aber trotzdem ein paar Fotos, die ihn lachend mit den Playboy-Bunnys zeigen, und postete sie bei Facebook.

Was dann passierte, ließ ihm das Lachen vergehen. Die ersten Kommentare seien noch beifällig gewesen, dann fragte jemand, eine Frau, ob er solche Fotos eigentlich angemessen fände. Das las ein Facebook-Freund, der gleichzeitig Journalist ist und die Geschichte samt Fotos auf dem Portal Gründerszene veröffentlichte. Dann brach der Shitstorm los.

Hysterisch? Übertrieben? Humorlos? Er habe „keinesfalls eine sexistisch/chauvinistische/frauenfeindliche Weltansicht“ zum Ausdruck bringen wollen, betont Bachem heute, außerdem seien auch viele Ehefrauen auf der Party gewesen, die hätten das auch witzig gefunden.

Gar nicht witzig findet das Stephanie Renda, Internet-Unternehmerin und Vorstandskollegin von Bachem im Startup-Verband. Der Verband hat sich wie jede moderne Organisation die Förderung von Frauen auf die Fahnen geschrieben, Renda hat dafür ein Frauennetzwerk ins Leben gerufen.

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Sie sei sich selbst manchmal nicht sicher, ob Frauen wirklich eigene Netzwerke bräuchten, sagt Renda. Aber als die Sushi-Fotos auf Thomas Bachems Facebook-Seite sah, das habe sie wieder gewusst, warum. Sie war auch mal Mitglied bei EO, hat die Organisation aber verlassen, weil sie ihr „zu männerlastig“ war. Die deutschen EO-Ableger feiern zwar nicht beim Playboy, sondern machen lieber mal einen Ausflug zur Zugspitze. Wenn zu viele Männer auf einem Haufen wären, würden sie manchmal gar nicht merken, wie frauenfeindlich ihre Witze seien, sagt Renda. Sie habe oft das Gefühl gehabt, nicht als Unternehmerin und potentielle Geschäftspartnerin wahrgenommen zu werden, sondern „nur als Frau“. Auf Deutsch: Es wurde zu viel gebaggert.

Thomas Bachem tut die ganze Sache heute leid. Er hat die Bilder auf seiner Facebook-Seite inzwischen gelöscht und geschrieben, dass er Frauen wie Männer gleichberechtigt schätze und unterstütze. Seine Freunde, meint er, wüssten das auch und nur für sie seien die Fotos bestimmt gewesen, nicht für die Öffentlichkeit. Vielleicht ist das der eigentliche Witz an der Geschichte: Dass ein Internet-Unternehmer nicht weiß, wie schwer privat und öffentlich im Netz zu trennen sind. Er hat es eben auch nicht leicht, der moderne Mann.

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