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13.01.2010

09:33 Uhr

Emilio Botín

Spaniens Josef Ackermann

VonAnne Grüttner

Im Jahre 1986 übernahm Emilio Botín die Führung der Banco Santander von seinem Vater. Glaubt man seinen Managern, so hat sich seitdem wenig an seinem Führungsstil geändert. Der Erfolg gibt den eher altmodischen Strukturen seiner Bank recht. Nebenbei lässt es sich der "Presidente" nicht nehmen, der internationalen Konkurrenz Nachhilfe zu geben.

Der Vorstandsvorsitzende des europäischen Bankenprimus Banco Santander, Emilio Botín, hat gut Lachen. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende des europäischen Bankenprimus Banco Santander, Emilio Botín, hat gut Lachen.

MADRID. Santander-Chef Emilio Botín ist so etwas wie Spaniens Josef Ackermann. Eigentlich spielt er sogar noch eine gewichtigere Rolle als der Deutsche Bank-Chef. Der 75-jährige "Presidente", wie der Vorstandsvorsitzende betitelt wird, hat Santander in seiner Amtszeit zuerst zur größten Bank seines Landes gemacht. In den vergangenen Jahren ist das Institut sogar zur Nummer eins der Eurozone aufgestiegen. Entsprechend große Autorität genießt der Patriarch mit der glatten, stets gebräunten Haut und dem schütteren Haarkranz.

Botín übernahm die Führung bei Banco Santander 1986 von seinem Vater. Glaubt man seinen Managern, hat sich trotz der ungeheuren internationalen Expansion seitdem wenig am Führungsstil geändert. Noch immer kümmert sich "Presidente" Botín höchstpersönlich um jeden größeren Kredit, noch immer besteht die Öffentlichkeitsarbeit in "No comment"-Antworten der Pressesprecher auf jede Anfrage. Kommuniziert wird nur per Presseerklärung, die selbstverständlich von hoch oben abgesegnet ist. Botíns Image schadet das nicht: Bei einer aktuellen Umfrage gaben spanische Wirtschaftsjournalisten dem Santander-Chef von allen spanischen Unternehmern die höchsten Werte bei Führungskraft, Glaubwürdigkeit und Kommunikation.

Botín gibt der internationalen Konkurrenz gerne Nachhilfe

Überhaupt erweisen sich die altmodischen Strukturen seiner Bank in der Finanzkrise zumindest teilweise als Vorteil. Im Herbst 2008 verpasste das Urgestein der spanischen Finanzwelt in einer Rede auf einer Bankentagung in Madrid den versammelten internationalen Kollegen einige sehr simple Lektionen, die große Beachtung fanden und in vielen internationalen Medien wie auch dem Handelsblatt nachgedruckt wurden.

Man müsse seine Kunden und seine Produkte gut kennen, lautete eine davon. Ein Geschäftsmodell, das auf langfristigen Kundenbeziehungen beruhe und regelmäßige Erträge abwerfe, könne sehr profitabel sein. Investments in undurchschaubare Finanzstrukturen brauche er dagegen nicht, sagte Botín. Die höchste Managementebene müsse in das Risikomanagement eingebunden sein, und es sei unabdingbar, dass die Topmanager das Finanzsystem gut verstehen. In der Banco Santander besteht das Risikokomitee aus fünf Vorständen, die sich zweimal in der Woche treffen.

Dieses Jahr, beim gleichen Anlass, bekräftigte der imposante Altbanker seine Siegesbotschaft. Santanders Modell des Retail Banking habe sich ganz einfach als sehr viel widerstandsfähiger erwiesen als andere. Die Gewinnzahlen seiner Bank geben ihm recht.

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