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24.06.2012

20:12 Uhr

EnBW-Affäre

Top-Banker Notheis bietet Rücktritt an

Wegen seiner Rolle in der ENBW-Affäre hat der Deutschland-Chef von Morgan Stanley Insidern zufolge seinen Rücktritt angeboten. Ob die US-Investmentbank das Angebot von Dirk Notheis annimmt ist aber noch unklar.

Dirk Notheis, der Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley. dpa

Dirk Notheis, der Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley.

Frankfurt Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley zieht Bankkreisen zufolge Konsequenzen aus der Affäre um seine umstrittene Rolle bei der Verstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW). Dirk Notheis habe der US-Investmentbank am Wochenende seinen Rücktritt angeboten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen aus der Bank am Sonntag. Das Institut habe noch nicht entschieden, ob es das Angebot des Top-Managers annehme. Derzeit liefen Gespräche mit dem 44-Jährigen Investmentbanker, der zu den führenden Fusionsberatern in Deutschland zählt. Er selbst und die Bank äußerten sich nicht dazu.

Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den umstrittenen fünf Milliarden Euro schweren EnBW-Deal, bei dem Notheis seinen CDU-Freund und damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beraten hat. Es geht um die Frage, ob das Land zuviel bezahlt hat. Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.

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FDP- und CDU-Politiker halten sein Verhalten für nicht akzeptabel.

Der Badener, der seit 1999 nach einer steilen CDU-Karriere bei Morgan Stanley ist und seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts steht, reagiert mit dem Schritt auf den starken öffentlichen Druck der vergangenen Tage - auch aus der Politik. So kamen zuletzt sogar aus den Reihen der CDU und FDP kritische Stimmen. Die Grünen-Fraktion im Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, ob er seine Lizenz zur Leitung einer Bank behalten dürfe.

Für zusätzliche Brisanz sorgten vor kurzem bekanntgewordenen E-Mails von Notheis an Mappus, in denen der Investmentbanker dem Ministerpräsidenten in teilweise flapsigem Ton Regie-Anweisungen gab, wie er das am Nikolaustag 2010 überraschend verkündete Milliarden-Geschäft in der Öffentlichkeit und bei Parteifreunden vermitteln soll. Darin soll er zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Mutti" bezeichnet haben, die als Druckmittel von Mappus mobilisiert werden könne, um das Geschäft voranzubringen. Notheis hat bereits im Kreuzverhör des Untersuchungsausschusses gestanden, könnte aber erneut vorgeladen werden.

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Heute sucht der Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags weitere Aufklärung. Schon jetzt ist klar: Landeschef Mappus ließ sich vom Morgan-Stanley-Banker rumkommandieren. Anstandsregeln kannte Notheis dabei nicht.

Notheis ist seit vielen Jahren eng mit Mappus befreundet und gilt auch in der politischen Szene in Berlin als gut vernetzt, was seinem Haus viele lukrative Aufträge eingebracht hat. Bankinsider betonen, Notheis' Weggang reiße ein großes Loch auf. Er habe in der Vergangenheit zahlreiche große Deals, wie etwa die Mandate für die Börsengänge von Air Berlin oder der Postbank eingefädelt. Wer ihm nachfolgen könnte, ist noch offen.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Elizabeth

24.06.2012, 20:48 Uhr

Es ist eine Unverschämtheit von einem angeblich gebildeten Menschen ,die Bundeskanzlerin als "Mutti " zu bezeichnen . Das zeigt , dass der feine Herr nicht so intelligent und gebildet ist , sondern in Zusammenhang mit seinem geschäftlichen Gebärden , eher clever und verschlagen

Gast

24.06.2012, 21:21 Uhr

Vielleicht tritt Notheis ja nur ab, um sich als Mitglied des Direktoriums des ESMs bernennen zu lassen. Da werden ja Personen "mit Sachverstand im Bereich Wirtschaft und Finanzen" gesucht....
In das Szenario würde er doch wunderbar reinpassen: viel Spielgeld, keine Rechenschaft und Macht über die Völker Europas. Und alles bei vollständiger Immunität. Ein Traum für jeden Investmentbanker!

caesarenwahn

25.06.2012, 00:04 Uhr

dieses Gesindel zahlt keinen Schadenersatz für seine gemeingefährlichen Umtriebe, tritt zurück und genießt seine mafiös auf Kosten der Allgemeinheit ergaunerten Millionen.

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