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20.04.2006

07:00 Uhr

Ende einer Traumkarriere

Abgelaufenes Aspirin

VonKatharina Kort

Sohn eines Busfahrers, Zahntechniker, Milliardär: Eine Karriere wie aus dem Kopf eines Kitschromanautors entsprungen und doch das Leben des Stefano Ricucci. Am Dienstag aber folgte, was so oft die Wende bei solchen traumhaften Aufstiegen einleitet: ein Besuch der Polizei.

Stefano Ricucci bekam Besuch von der Polizei. Foto: AP

Stefano Ricucci bekam Besuch von der Polizei. Foto: AP

MAILAND. Sie verhaftete den Finanz- und Immobilienspekulanten, um zu verhindern, dass Ricucci Beweise verwischt und erneut die Kapitalmärkte manipuliert. Der Kitschroman scheint zum Krimi zu werden.

Rückblick: Im Sommer 2005 steht der wohl genährte 42-Jährige mit den nackenlangen Harren und dem Doppelkinn im Rampenlicht der italienischen Übernahmeschlachten. Als der niederländische Finanzkonzern ABN Amro die italienische Banca Antonveneta übernehmen will, ist Ricucci auf Seiten eines Gegenangebots dabei. Fast gelingt es, die Offerte der Holländer zu vereiteln.

Bei der Banca Nazionale del Lavoro (BNL), Übernahmeziel der spanischen Großbank BBVA, das gleiche Bild: Auch hier gehört Ricucci zu der Investorengruppe, die mit einem Gegenpakt den Einstieg der Ausländer verhindern will. Das Ganze passiert mit dem Segen des Präsidenten der italienischen Zentralbank, Antonio Fazio, den seine parteiische Haltung während der Übernahmeschlachten im Dezember seinen Posten kostet wird.

Aber vor allem versucht Ricucci, die Mediengruppe RCS zu übernehmen, die Italiens größte Tageszeitung „Corriere della Sera“ herausgibt. Innerhalb weniger Wochen erwirbt er 21 Prozent der RCS-Anteile und kündet weitere Zukäufe an. Spekulationen über eine Übernahme durch Ricucci machen die Runde und darüber, wer die Hintermänner sein könnten. Auch der Name Silvio Berlusconi wird genannt. Der Chef der Nobelschuhfirma Tod’s, Diego della Valle, bezichtigt Ricucci des Größenwahns und sieht ihn als „Fall für den Psychoanalytiker“.

Im Sommer befindet sich Ricucci auf dem Olymp seines Erfolgs: Das Vermögen seines Unternehmens Magiste erreicht die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze: 910 Millionen Euro in Immobilien und mehr als eine Milliarde in Aktien von RCS, Antonveneta, BNL und anderen Banken.

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