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17.12.2014

16:59 Uhr

Atomkraft in der Ukraine

Hauptsache, der Strom fließt

VonNina Jeglinski

Deutschland schaut mit Sorge auf den Zustand der ukrainischen Atomkraftwerke. Die Bundesregierung will die Sicherheit der Anlagen sogar finanziell unterstützen. Im Land selbst ist die atomare Gefahr jedoch kein Thema.

Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl: Das ukrainische Atomkraftwerk nahe Saporoschje.

Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl: Das ukrainische Atomkraftwerk nahe Saporoschje.

KiewWie sensibel das Thema ukrainische Atomkraftwerke in Deutschland ist, zeigte sich Anfang Dezember. Da gab es einen Zwischenfall in einer Anlage nahe Saporoschje. Die deutschen Medien berichteten sofort mit Eilmeldungen über den Defekt – Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl wurden wach.

Deutschland sorgt sich, dass die altersschwachen Atomkraftwerke eine Gefahr darstellen, und auch die kriegerischen Auseinandersetzungen in den Regionen Donezk und Lugansk Auswirkungen auf die Reaktorsicherheit der ukrainischen AKWs haben könnten. Die Bundesregierung ist so besorgt, dass sie die Ukraine nun sogar bei der Sicherung ihrer teils maroden Atomkraftwerke finanziell unterstützen will. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor, die dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) vorliegt.

In der Ukraine ist das Thema Reaktorsicherheit jedoch keines. Der Großteil der ukrainischen Bevölkerung interessiert sich generell wenig für Umwelthemen. Sogar Student Ilya Schewtschenko, der sich in seiner Freizeit bei mehreren Naturschutzgruppen engagiert sagt: „Selbst bei uns sind Themen wie sauberes Wasser oder eine fußgängerfreundliche Stadt stärker im Fokus als der Ausstieg aus der Atomenergie“. Das läge zum Teil an der Zusammensetzung der Gruppen, viele die dort mitmachen sind junge Leute, es gibt kaum Experten, die sich über einen längeren Zeitraum und professionell auf die Arbeit bei einer Anti-AKW-NGO konzentrieren.

Selbst das Wissen, dass es bei der Nutzung von Atomkraftwerken zu radioaktiven Abfällen kommt, die teilweise jahrhundertelang gelagert werden müssen, ist in der Bevölkerung nicht weit verbreitet. „Der gesamte ukrainische Atommüll geht nach Russland, wie er dort hinkommt, gelagert wird und was sonst damit passiert, interessiert kaum jemanden bei uns“, sagt Student Ilja.

Das verwundert, weil doch die Ukraine im Jahr 1986 in Tschernobyl einen der schwersten Reaktor-Unfälle weltweit erlebt hat und damals tausende Menschen umgesiedelt wurden und die Folgekosten bis zum heutigen Tag mehrere Milliarden Euro verschlingen. Alleine der Bau eines Schutz-Sarkophags über den verunglückten Reaktor, verschlingt 2,1 Mrd. Euro. Die Arbeit daran begann 1997, zehn Jahre später wurde mit dem Bau des Sarkophags begonnen, 2017 soll das Projekt fertig sein. Bislang haben sich 43 Geberländer an der Finanzierung beteiligt, Russland ist bis heute nicht bereit, für die entstanden Schäden mit aufzukommen. Den Großteil der Kosten tragen EU-Länder und die USA.

Kommentare (19)

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Herr Thomas Ungläubig

17.12.2014, 17:12 Uhr

Keinen Zahn im Mund aber »La Paloma« pfeifen ;–)

Frau Pia Paff

17.12.2014, 17:18 Uhr

US Botschafterin Merkel wird das schon richten ... mit ihrem Millionenheer von Niedriglöhnern!

Herr Holger Narrog

17.12.2014, 17:23 Uhr

Gem. des Deutschen Ökoglaubens ist der Reaktorunfall von Tschernobyl fast die langersehnte ökoreligiöse Weltuntergangskatastrophe. Deutsche Medien phantsieren von 1000enden bis Millionen Todesopfern.

Der Deutsche Atomstrahlenglaube, der wohl weitgehend dem materiellen Überfluss geschuldet ist, ist den Osteuropäern sehr fremd.

In der Ukraine sterben jährlich 100erte Menschen durch Unfälle im Kohlebergbau, 1000ende Bergleute an Staublunge. Der Reaktorunfall von Tschernobyl hat 56 Menschen das Leben gekostet (UN Bericht 2005). Signifikanzen für erhöhte Krebsraten wurden abseits des gut heilbaren Schilddrüsenkrebses nicht gefunden. 9 Menschen sind am Schilddrüsenkrebs gestorben(UNSCEAR 2008).

Warum soll die Ukraine ihre sicherste und umweltfreundlichste Energiequelle abstellen?

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