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01.10.2013

11:50 Uhr

Finnischer Stahlkonzern

Outokumpu schließt Bochumer Werk früher

Der Edelstahlmarkt leidet unter Überkapazitäten. Das Management von Outokumpu reagiert und schließt sein Bochumer Werk statt Ende 2016 bereits im kommenden Jahr. Die IG-Metall warnt den Vorstand.

Outokumpu will weitere 1000 Stahlarbeiter auf die Straße zu setzen. dapd

Outokumpu will weitere 1000 Stahlarbeiter auf die Straße zu setzen.

DüsseldorfNicht einmal ein Jahr nach der Übernahme des ThyssenKrupp-Edelstahl-Geschäftes Inoxum will Outokumpu mehr Jobs streichen als geplant. Wegen hoher Überkapazitäten auf dem weltweiten Edelstahlmarkt sollen zusätzlich 1000 Stellen in Europa wegfallen und das ehemalige Thyssen-Schmelzwerk in Bochum früher als geplant geschlossen werden, wie Outokumpu am Dienstag mitteilte. Damit baut Konzernchef Mika Seitovirta 3500 Arbeitsplätzen ab und nicht wie bislang vorgesehen 2500. Outokumpu kündigte zudem an, Kapazitäten in Finnland und Deutschland einzudampfen.

Die Gewerkschaft reagierte prompt. „Die Ankündigungen von Outokumpu würden den Bruch der geltenden Tarifverträge bedeuten, davor kann ich den Vorstand nur warnen“, sagte IG-Metall Bezirksleiter Knut Giesler. Managementfehler einzig auf die Beschäftigen abzuwälzen, gehe nicht. Alle wirtschaftlichen Probleme seien bereits beim Abschluss der Tarifverträge bekannt gewesen. „Diese gültigen Verträge sind schlicht und klar einzuhalten. Was das Unternehmen jetzt vor hat, ist die pure Provokation. Das werden wir nicht hinnehmen.“

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

„Diese Maßnahmen sind zwar schmerzhaft, jedoch notwendig, um unter den schwierigen Marktbedingungen eine Trendwende einzuleiten“, verteidigte Seitovirta seine Pläne. Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen könnten die Einsparungen bereits 2015 rund 380 Millionen Euro betragen. „Mit diesem Plan werden wir die Weiterführung der Edelstahlproduktion in Europa sicherstellen und den verbleibenden über 10.000 Outokumpu-Mitarbeitern in Europa eine bessere Arbeitsplatzsicherheit bieten“, versicherte Seitovirta. Das Management wolle umgehend mit den Arbeitnehmervertretern über die geplanten Einschnitte verhandeln.

Ursprünglich hatte Seitovirta den Arbeitnehmern versprochen, das Bochumer Werk bis Ende 2016 zu betreiben. Nun sollen bereits im Laufe des kommenden Jahres die Werkstore schließen. Davon seien voraussichtlich 450 Stellen betroffen. Weitere 480 Arbeitsplätze seien durch die geplante Schließung der Produktion in Benrath bei Düsseldorf betroffen. Die Produktion werde nach Krefeld verlagert und der Standort Benrath bis Ende 2015 geschlossen. Outokumpu werde eng mit Thyssen-Krupp zusammenarbeiten. Der deutsche Konzern habe sich im Zuge der Inoxum-Übernahme vertraglich verpflichtet, bis zu 600 Outokumpu-Mitarbeitern in Deutschland Stellenangebote zu machen.

Outokumpu hatte im vergangenen Jahr die Thyssen-Krupp-Edelstahltochter Inoxum übernommen. Die Finnen sind nach dem milliardenschweren Kauf unter Druck. Per Ende Juni summierte sich die Nettoverschuldung auf drei Milliarden Euro. Zudem bleibt der von Überkapazitäten geprägte Edelstahlmarkt schwierig. Importe aus Asien setzen Preise und Margen unter Druck. Outokumpu erwartet auch 2013 hohe Verluste.

Von

rtr

Kommentare (1)

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T.K.

01.10.2013, 13:35 Uhr

Offensichtlich hatte Outokumpu von Anfang an nie geplant den Standort Bochum zu halten. Wichtiger war eindeutig den Zugriff auf die bereits damals bekannten "Überkapazitäten" zu bekommen um Sie dann bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit abzuwickeln.

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