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12.08.2014

10:36 Uhr

1000 Megawatt

RWE will weitere Kraftwerke stilllegen

Gefallene Strompreise machen RWE zu schaffen. Der zweitgrößte Energiekonzern erwägt, weitere 1000 Megawatt vom Netz zu nehmen und will damit zusätzlichen Belastungen entgehen. Bereits 2013 wurden Anlagen stillgelegt.

Das RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath II bei Grevenbroich: Einem Zeitungsbericht zufolge will der Energiekonzern weitere Kraftwerke stilllegen. dpa

Das RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath II bei Grevenbroich: Einem Zeitungsbericht zufolge will der Energiekonzern weitere Kraftwerke stilllegen.

DüsseldorfWegen stark gefallener Strom-Großhandelspreise will RWE einem Zeitungsbericht zufolge bei weiteren Kraftwerken den Stecker ziehen. Der Energieriese habe erneut rund 1000 Megawatt im Visier, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtete. RWE wollte sich zunächst nicht äußern, gab aber später gegenüber der Nachrichtenagentur dpa an, es würdentatsächlich rund 1000 Megawatt zwischen 2015 und Anfang 2017 vom Netz genommen, falls sich die Marktbedingungen nicht änderten. Der Konzern bekräftigte, das Kraftwerksportfolio werde regelmäßig überprüft, damit RWE entsprechend reagieren könne, wenn Anlagen dauerhaft rote Zahlen schrieben.

Der Chef der RWE-Kraftwerkstochter, Matthias Hartung, hatte Mitte Juli erklärt, der Versorger habe seit Anfang 2013 bereits Anlagen mit einer Leistung von mehr als 12.600 Megawatt eingemottet oder stillgelegt. „Und wir nehmen weiterhin jeden einzelnen Block kritisch unter die Lupe.“ RWE könne nicht dauerhaft defizitäre Kraftwerke weiter betreiben. Zusätzliche Belastungen seien nicht verkraftbar. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

Den Essenern machen wie dem Konkurrenten Eon und zahlreichen Stadtwerken die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Diese purzeln wegen der Überkapazitäten in Europa und der zunehmenden Konkurrenz durch den staatlich geförderten Ökostrom. RWE hatte im vergangenen Geschäftsjahr Milliardenabschreibungen auf seine Kraftwerke vorgenommen.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Im ersten Quartal waren die Ergebnisse der RWE-Kraftwerkssparte wegen der niedrigen Börsenstrompreise erneut stark um 25 Prozent auf 559 Millionen Euro zurückgegangen, diese Preise fallen wegen des starken Wind- und Solarstromangebots.

Im Einzelnen geht es um 110 Megawatt Kraftwerkskapazität eines Braunkohlekraftwerkes in Hürth ab dem dritten Quartal 2015, den Block C des Steinkohlekraftwerkes Westfalen in Hamm mit 285 Megawatt ab Anfang 2016 und den Steinkohleanteil des Gersteinwerkes in Werne nordöstlich von Dortmund mit 610 Megawatt. Das Werner Kraftwerk soll ab dem ersten Quartal 2017 vom Netz gehen.

Stilllegungen müssen die Konzerne bei der Bundesnetzagentur anmelden. Die Behörde prüft dann, ob die Anlagen für die Energieversorgung unverzichtbar sind. Sie hatte in einem solchen Fall bereits im Januar dem Versorger EnBW das Abschalten unrentabler Gas- und Kohlekraftwerke untersagt. Viele konventionelle Kraftwerke werden derzeit durch die regenerativen Energien aus dem Markt gedrängt, müssen aber für die wind- und sonnenlosen Stunden trotzdem in Bereitschaft gehalten werden. Die Strombranche fordert unter dem Stichwort „Kapazitätsmarkt“ eine Vergütung für dieses Bereithalten von Kraftwerken. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich bisher aber eher skeptisch zu diesem Thema geäußert.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Herr Manfred Zimmer

12.08.2014, 11:08 Uhr

Die Versorger sind in größten Schwierigkeiten und die Stromversorgung der Bürger ist gefährdet. Ist es da nicht an der Zeit die Versorger wieder zu verstaatlichen und das derzeitige Modell mit mafiösen Strukturen als gescheitert zu erklären?

Oder ist es schlicht die Fehlsteuerung der Politik in Form ihres EEG-Gesetzes, dass die Belastungen der Bürger ins schier unendliche treibt und die Versorger selbst in größte Turbulenzen führt?

Möglicherweise ist es auch eine Kombination von beidem.

Herr Eugen Schmidt

12.08.2014, 12:11 Uhr

Was macht Merkel eigentlich so wenn sie mal nicht in Brüssel klüngelt und ihren Junckers in die Pöstchen hilft, oder sich um die Frauenquote in Aufsichtsräten kümmert? Das Desaster EEG wäre doch mal ein Thema für sie. Deutschland, eine der ganz großen Industrienationen, gefährdet seine Basis der Energieversorgung. Das ist grob fahrlässig. MIr fallen da noch ein paar Themen ein, zu der ich mir eigentlich eine Intervention der Kanzlerin gewüchnst hätte. Hatte Schröder doch Recht, auch im besoffenen Kopp: "Frau Merkel, sie können es nicht."

Herr walter danielis

12.08.2014, 12:22 Uhr

Ein solche Energiepolitik ist nur in Deutschland möglich. Der brave obigkeitshörige deutsche Michel zahlt immer höhere Strompreise. Dafür arbeitet er noch etwas mehr und etwas schneller. Das die privaten Verbraucher auch noch die Umlage für die Wirtschaft übernehmen, wäre in keinem anderem Land durchsetzbar gewesen. Derweil werden die Energieversorger platt gemacht. Wenn man sie wieder braucht muß man sie subventionieren (Vorhaltegebühren). Kein Problemm: Machen wir eine neue Umlage.

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