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28.12.2013

11:22 Uhr

2014

Preisschock für Stromkunden bleibt aus

Deutschlands Stromkunden müssen 2014 anders als im Vorjahr nicht mit dramatischen Preiserhöhungen rechnen. Die niedrigen Börsenpreise kommen endlich bei den Kunden an. Beim Erdgas stagniert der Preis.

Zum Jahresbeginn bleiben die Grundversorgungstarife der vier Großen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall konstant. dpa

Zum Jahresbeginn bleiben die Grundversorgungstarife der vier Großen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall konstant.

EssenDeutschlands Strom- und Gaskunden können beim Öffnen ihrer Rechnungen 2014 etwas durchatmen. Dramatische Preissprünge wie Anfang 2013 nach der deutlichen Erhöhung der EEG-Umlage sind im neuen Jahr nicht zu erwarten. Die durch Wind- und Sonnenstrom abgestürzten Börsenstrompreise kommen endlich bei den Verbrauchern an. Und die öffentliche Hand wird sich mit weiteren Steuer- und Abgabenerhöhungen zurückhalten, um die Verbraucher nicht weiter zu belasten, erwarten Fachleute. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung formuliert schließlich das Ziel, den Kostenanstieg für die Energiewende zu bremsen.

Erdgas ist wegen des US-Schiefergasbooms im Überfluss am Markt. Hier verzeichnen die einschlägigen Internet-Vergleichsportale weitgehenden Stillstand an der Preisfront. „Die meisten Anbieter machen beim Gas erst mal gar nichts“, sagt ein Sprecher des Preisvergleichsportals Toptarif.

Beim Strom hat Toptarif zum Jahresbeginn 2014 bei 366 der rund 850 Grundversorger Preiserhöhungen registriert. Zum 1. Februar folgten nur noch ein Handvoll, sagte ein Sprecher. Im Schnitt werde es um 3,4 Prozent teurer - das entspricht 40 Euro Mehrbelastung im Jahr für eine vierköpfige Familie mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Das Portal Verivox hat 351 Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel und einen durchschnittlichen Preisanstieg um 3,5 Prozent erfasst. Rund 9,3 Millionen Haushalte seien von den vergleichsweise moderaten Erhöhungen erfasst.

Vor einem Jahr hatte noch praktisch die gesamte Branche von den Stadtwerken bis zu den Energieriesen um zweistellige Prozentzahlen erhöht. Insgesamt legte der Preis für Haushaltskunden in der Grundversorgung laut Bundesnetzagentur zum 1.4.2013 binnen Jahresfrist um satte 13,2 Prozent zu - der stärkste Anstieg seit sieben Jahren.

Diesmal bleiben zum Jahresbeginn die Grundversorgungstarife der vier Großen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall konstant. Einige größere Versorger machen sogar mit Preissenkungen auf sich aufmerksam: Der Oldenburger EWE-Konzern senkt den Preis um 0,36 Cent pro Kilowattstunde für seine rund 900 000 Kunden. Der Ökostromanbieter Lichtblick mit 530.000 Kunden senkt um 2,4 Prozent, was beim 4000-Kilowattstunden-Musterhaushalt immerhin 29 Euro entspricht - einmal Pizza-Service für die ganze Familie. Insgesamt zehn Versorger mit Preissenkungen im Schnitt um 2,7 Prozent registriert Verivox.

Der insgesamt moderate Preisanstieg ist aus Sicht von Fachleuten bemerkenswert, weil die EEG-Umlage erneut kräftig von knapp 5,3 auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde erhöht wurde. Der zweite große Posten, die Netzentgelte für den Transport des Stroms, sinkt laut Verivox im Bundesschnitt aber zum Jahreswechsel um rund ein Prozent. Zugleich fällt seit Mitte 2011 der Börsenstrompreis kontinuierlich.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Da der Strommarkt wieder mehr in Bewegung kommt, verbessern sich die Wechselmöglichkeiten der Verbraucher. Lichtblick verweist auf eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov, nach der nur noch ein Fünftel der Stromkunden einen Wechsel des Anbieters ausschließt. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) sind entschlossen zu wechseln, wenn ihr Versorger erhöht. Die verbraucherfreundlichere Marktentwicklung setze die Anbieter unter Druck: „Wer jetzt noch erhöhen will, muss das sehr gut begründen“, sagte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW.

Nach dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur haben 2012 immerhin rund 2,6 Millionen Haushaltskunden den Stromlieferanten gewechselt. Die Zahl ist aber noch ausbaufähig.

Besonders viel Geld sparen lässt sich beim Gas. Anders als beim Strom ist der Preis nicht zu mehr als 50 Prozent durch staatliche vorgegebene Lasten bestimmt. Anbieter, die günstig einkaufen, können sich von der Konkurrenz deutlich abheben. Bei einem Markt mit etwa 700 Grundversorgern registriert Toptarif zum Jahresbeginn 30 Preiserhöhungen um durchschnittlich 4 Prozent und 32 Senkungen um durchschnittlich 4,3 Prozent. Hier lassen sich mit einem Wechsel 100 Euro im Jahr und mehr einsparen, sagt der Toptarif-Sprecher.

Von

dpa

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