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16.02.2017

12:24 Uhr

21. Handelsblatt Stahltagung

Stahlkocher sorgen sich vor Abschottung

VonFranz Hubik, Martin Wocher

Kaum haben sich die Stahlpreise erholt und die Gewinne der Firmen stabilisiert, fürchten die deutschen Hütten einen internationalen Handelskrieg. Der grassierende Protektionismus unter Donald Trump bedroht das Wachstum.

Ein Arbeiter in Schutzkleidung vor einem angestochenen Hochofen. „Wir sehen ein anwachsen von protektionistischen Tendenzen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff auf der 21. Handelsblatt Stahltagung in Düsseldorf. dpa

Stahlbranche

Ein Arbeiter in Schutzkleidung vor einem angestochenen Hochofen. „Wir sehen ein anwachsen von protektionistischen Tendenzen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff auf der 21. Handelsblatt Stahltagung in Düsseldorf.

DüsseldorfIn Europas Stahlindustrie wächst die Sorge, dass dem freien Handel schwierige Zeiten bevorstehen. Zwar lebt die Branche schon lange mit Strafzöllen und abgeschotteten Teilmärkten als Antwort auf Subventionen und Dumping-Exporte. Doch nachdem auch Europa seine Schutzmaßnahmen vor Billigstahl aus China und anderen asiatischen Anbietern in jüngster Zeit deutlich ausgeweitet hat, wächst die Gefahr eines Handelskrieges. Denn auch die Amerikaner lassen die Muskeln spielen und werfen europäischen und asiatischen Stahlhütten Dumping vor.

„Wir sehen ein anwachsen von protektionistischen Tendenzen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff auf der 21. Handelsblatt Stahltagung in Düsseldorf. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl warnt vor einer weiteren Abschottung. Sollten beispielsweise die USA auf Stahlimporte oder Produkte wie Autos, in denen große Mengen Stahl stecken, hohe Außenzölle erheben, wären die Folgen für die europäische Stahlindustrie „besorgniserregend“, erklärt Kerkhoff. 

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der neue US-Präsident Donald Trump hat „America first“ zur obersten Devise erklärt. Für die deutschen Stahlkocher steigen damit die Risiken. Denn die Vereinigten Staaten sind einer der größten Absatzmärkte für Stahl weltweit. Rund 700.000 Tonnen Stahl liefern deutsche Konzerne wie Thyssen Krupp, Salzgitter und Co. direkt in die USA. Das entspricht einem Viertel der deutschen Stahlexporte außerhalb der EU. Noch wichtiger sind aber die indirekten Exporte der Stahlkocher. Denn Autos und Maschinen, die nach Amerika exportiert werden, beinhalten 2,5 Millionen Tonnen Stahl.

Nur ein Land ist für die deutsche Stahlkocher noch wichtiger als die USA: Großbritannien. Doch auch in England, Schottland und Wales dürften die Abschottungsmechanismen eher zu- als abnehmen, sobald Großbritannien aus dem gemeinsamen EU-Binnenmarkt austreten wird.

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„Protektionismus ist die falsche Antwort auf Strukturprobleme“, sagt Kerkhoff. Dass der Stahllobbyist selbst immerzu hohe Zölle auf chinesische Stahlimporte fordert, sieht er nicht als Widerspruch. Im Gegenteil. „Wir brauchen fairen Wettbewerb“, sagt Kerkhoff. Chinas Stahlkocher würden aber den Weltmarkt mit Billigstahl weit unter Herstellungskosten fluten und so die Preise ruinieren. Sich dagegen zu wehren, sei notwendig, um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen.

Kerkhoff fordert insbesondere China auf, seine Stahlbranche zu bereinigen und die vorhandenen Überkapazitäten abzubauen. Ansonsten würden Europas Stahlkocher weiter leiden – beispielsweise der Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine.

Schon vor einigen Jahren haben sich die Österreicher mit einem starken Standbein im deutschen Markt für ihr Wachstum in den USA ehrgeizige Ziele gesetzt. Rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz erzielte der Konzern zuletzt im Nafta-Raum, allein mit den USA wickelte die Voestalpine Geschäfte im Volumen von rund einer Milliarde Euro ab.

Kommentare (1)

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16.02.2017, 12:56 Uhr

Die Überproduktion und der billige Stahl aus China ist das größte Problem für die Deutschen Stahlkocher. Die USA wollen sich mit dem Protektionismus vor dieser billigen Importware aus China selbst schützen. Trump schützt seine US Volkswirtschaft.
Und was macht die EU-Deutsche Merkel Regierung...sie hält weiter die Grenzen für billigen Import für die Deutsche Volkswirtschaft offen zum Schaden der Deutschen Industrie und Deutschen Arbeitsplätze in Deutschland.

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