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14.03.2016

16:29 Uhr

50Hertz

Netzbetreiber will Ostdeutschland zur „Steckdose Europas“ ausbauen

50Hertz hat das gesamte Übertragungsnetz in den neuen Bundesländern und Berlin unter Kontrolle. Nun will das Unternehmen über drei Milliarden Euro in den Netzausbau investieren – um noch mehr Strom zu exportieren.

Ein 50Hertz-Mitarbeiter in Thüringen: „Der Osten entwickelt sich immer stärker zur Steckdose für Deutschland und Europa.“ dpa

Netzbetreiber 50Hertz

Ein 50Hertz-Mitarbeiter in Thüringen: „Der Osten entwickelt sich immer stärker zur Steckdose für Deutschland und Europa.“

BerlinDie wachsende Wind- und Solarenergie-Produktion macht Ostdeutschland zunehmend zur Stromexport-Region. „Der Osten entwickelt sich immer stärker zur Steckdose für Deutschland und Europa“, sagte der Chef des Netzbetreibers 50Hertz, Boris Schucht, am Montag in Berlin. 50Hertz hat das gesamte Übertragungsnetz in den neuen Bundesländern und Berlin unter Kontrolle. In dem Gebiet sei der Anteil von Ökostrom am Gesamtverbrauch auf inzwischen fast 50 Prozent gestiegen. Neben Wind- und Solaranlagen produzieren in Ostdeutschland auch Braunkohlemeiler Strom.

Der Export aus der Region verdoppelte sich in den vergangenen fünf Jahren. Direkter Abnehmer war vor allem Polen, der Strom wird aber auch über westdeutsche Netze in die Niederlande und Österreich weitergeleitet. In den nächsten fünf Jahren will 50Hertz rund 3,5 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren, um Windstrom von der Ostsee und aus dem Binnenland in Richtung Süddeutschland transportieren zu können.

Bislang hinkt die Ausweitung der Netze dem Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich hinterher – zulasten der Verbraucher. In Zeiten von starkem Wind etwa müssen Anlagen abgestellt werden, da der Strom nicht verteilt werden kann. Die entgangenen Erlöse bekommen die Betreiber der Anlagen zum großen Teil erstattet. Zahlen müssen dafür die Kunden im Netzgebiet über eine Umlage auf den Strompreis. 2015 schnellten diese sogenannten Stabilisierungskosten im 50Hertz-Gebiet auf fast 350 Millionen Euro von rund 90 Millionen 2014.

Aus Sicht des Unternehmens zahlen die Kunden daher zu viel für die Energiewende. „Es müssen Schritte gegangen werden, um das Auseinanderdriften der Strompreise zu beenden“, forderte Schucht.

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Ohne einen deutlichen Netzausbau kommt die Energiewende nicht voran. Doch Freilandleitungen sind vielerorts kaum mehr durchsetzbar. Erdkabel sollen auf Dauer helfen. Für den Winter ist das Stromnetz aber gut gerüstet.

Der Strompreis hat mehrere Bestandteile. Strom selbst schlägt nur mit etwa einem Viertel zu Buche. Etwa die Hälfte sind Umlagen, Steuern und Abgaben - darunter die EEG-Umlage für den Ökostrom. Diese ist jüngst auf Rekordhöhe von 6,354 Cent pro Kilowattstunde gestiegen und dürfte aus Sicht von 50Hertz vorerst nicht wieder sinken. „Ich würde davon ausgehen, dass wir eher eine leicht steigende Seitwärtsbewegung sehen“, sagte 50Hertz-Chef Boris Schucht am Montag in Berlin. Das hänge aber noch davon ab, wie viel Sonnenstrom in diesem Jahr fließt und wie sich der Strompreis an der Börse entwickelt.

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