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22.04.2013

08:52 Uhr

ABB baut Solarbereich aus

Wo Deutsche abbauen, preschen Schweizer vor

Deutsche Konzerne stampfen im großen Stil ihr Solargeschäft ein. Die harte Konkurrenz belastet die Branche. Ganz anders sieht das ABB: Der Schweizer Elektrokonzern kauft für eine Milliarde Dollar eine US-Solarfirma.

Der Elektrokonzern ABB baut sein Solargeschäft aus. Reuters

Der Elektrokonzern ABB baut sein Solargeschäft aus.

ZürichDer Elektrokonzern ABB kauft für gut eine Milliarde Dollar die US-Firma Power-One und steigen damit groß in das Geschäft mit Wechselrichtern für Solaranlagen ein. Power-One ist Experten zufolge die Nummer zwei in dem Geschäft hinter dem Marktführer SMA Solar aus Hessen. ABB will mit der Übernahme zu einem global führenden Anbieter von Solarwechselrichtern werden, die den von Solarzellen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, wie der Konzern am Montag in Zürich mitteilte.

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten dem Deal bereits zugestimmt. Die profitable Power-One produziere mit 3300 Beschäftigten eine breite Palette von Solarwechselrichtern, deren Anwendungsbereich von Einfamilienhäusern bis zur Versorgungswirtschaft reicht, und habe 2012 rund eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht, erklärte ABB. Der überraschende Kauf der Schweizer beflügelt auch den Kurs der SMA-Aktie in Frankfurt. Die Titel legten vorbörslich um gut acht Prozent zu.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Der Markt mit Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen gilt als schwierig. Die einst knappen Geräte gerieten mit der Krise der Solar-Industrie unter Preisdruck. Wechselrichter für Solaranlagen sind notwendig, da die Solarpaneele ausschließlich Gleichstrom liefern. Um die Energie ins Netz einspeisen zu können, muss sie in Wechselstrom umgewandelt werden.

Die Milliardenübernahme fällt in eine schwierige Zeit für die Solarbranche. Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Erst vergangene Woche meldetet das Vorzeige-Solarunternehmen Solarworld einen Verlust von bis zu 550 Millionen Euro für 2012, der chinesische Solarriese Suntech ging insolvent, Konkurrent LDK Solar ist auf dem Weg dahin.

Der Industriekonzern Bosch hatte Ende März nach Milliardenverlusten den Ausstieg aus dem Solargeschäft beschlossen. In seinem vierjährigen Solar-Engagement hatte der Konzern mit der Sparte knapp zweieinhalb Milliarden Euro verloren. Von der Schließung betroffen sind etwa 3000 der knapp 120.000 Arbeitsplätze von Bosch in Deutschland.

Auch Siemens hatte Ende letzten Jahres angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.

Die Preisstürze in der Solarbranche waren in den vergangenen Jahren dramatisch, zeitweise brachen sie um bis zu 50 Prozent innerhalb eines Jahres ein. Das machte vielen Anbietern zu schaffen. Zudem hatten sich in der schnell wachsenden Branchen Überkapazitäten gebildet, die nun abgebaut werden.

Von

rtr

Kommentare (6)

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HofmannM

22.04.2013, 11:48 Uhr

Naja, der Schachzug von ABB ist schon nachvollziehbar. Viele Bürger haben Photovoiltiaknalgen in den letzten Jahren auf ihren Dächern installieren lassen. Und ABB hofft jetzt auf den Instandhaltungsaufwand von diesen Photovoiltaikanlagen. So ein Wechselrichter hat eine gewährleistete Lebensdauer von ca. 5 Jahren. Bei einer staatlich deutschen Zahlungszusicherung von 20 Jahren beim eingespeisten Strompreis für die Bürger hat ABB somit fast kein Risiko zu befürchten. In diesen 20 Jahren lässt sich somit, fast problemlos, über die EEG-Zwangsvergütung einer sicheres und profitables Wartungsgeschäft mit Wechselrichter durchziehen.
Die Rechnung geht jedoch nur solange auf, solange die deutschen Bürger diese Abzockerpolitik der Energiewende per EEG-Zwangszahlung noch stemmen können. Steigt der Strompreis durch die Energiegwende ala diktierten EEG-Zwang weiter (und das wird er), dann ist bals Schluss mit LUSTIG! Das sollten die schweizer ABB als WARNUNG VERSTEHEN!

Techfreak

22.04.2013, 13:48 Uhr

Ich frage mich warum ein Unternehmen für Solarregler 1 Milliarde Wert sein soll? Werden die Produkte wirklich derart überteuert verkauft, dass man soviel Geld ziehen kann? Meiner Meinung nach ist das ein völlig überzogener Kaufpreis, wenn das Unternehmen nicht doch noch mehr zu bieten hat als Spannungswandler!

Account gelöscht!

22.04.2013, 14:39 Uhr

"Ich frage mich warum ein Unternehmen für Solarregler 1 Milliarde Wert sein soll?"

Weil man sich ausrechnet das sich diese Millarde wieder reinholt, ist doch recht einfach :)
Was ist denn eine Millarde gemessen an 1 Millarde Wechselrichtern x 1000 €? Und die werden in den nächsten Jahren übern Tisch gehen, da bin ich sicher, und zwar nicht nur zwischen Keller und Plakas.

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