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04.02.2016

10:49 Uhr

Abfallkonzern EEW

Chinesen verbrennen jetzt deutschen Müll

Es ist die größte chinesische Übernahme in Deutschland – und es geht um Müll. Beijing Enterprises kauft für 1,4 Milliarden Euro den Abfallkonzern EEW. Der Investor setzt auf den Müll-Import nach Deutschland.

Der Konzern hat einen neuen Eigentümer aus China. PR

EEW-Kraftwerk Schwedt

Der Konzern hat einen neuen Eigentümer aus China.

Helmstedt/DüsseldorfDer schwedische Investor EQT verkauft den niedersächsischen Abfallkonzern EEW aus Helmstedt für gut 1,4 Milliarden Euro an die chinesische Holding Beijing Enterprises. Nach EQT-Angaben vom Donnerstag handelt es sich dabei um die bisher größte chinesische Direktinvestition in ein deutsches Unternehmen überhaupt.

Chinesische Konzerne sind seit einigen Jahren in Deutschland auf Einkaufstour – jüngstes Beispiel ist die Übernahme des Spezialmaschinenbauers Krauss Maffei durch Chemchina Mitte Januar. Die Chinesen sind erpicht darauf, deutsche Technologie und das dazugehörige Know-how zu erwerben.

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Besonders begehrt sind Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Firmen aus dem Sektor der erneuerbaren Energien. Im neuen Fünfjahresplan der Pekinger Regierung wird zudem besonderer Wert auf intelligent vernetzte Fabriken, Automatisierung und klimafreundliches Wachstum gelegt. EEW passt perfekt in diese Strategie.

Der deutsche Abfallentsorger betreibt insgesamt 19 hochmoderne Anlagen, in denen Müll zu grünem Strom, Dampf für die Industrie oder Fernwärme für rund 700.000 Wohnungen verwertet wird. Selbst der Abfall des verbrannten Abfalls - größtenteils Schlacke - wird später weiter verwendet, vor allem im Straßenbau.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Die Geschäfte laufen blendend. EEW erwirtschaftet mit seinen 1250 Mitarbeitern jährlich einen Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro. Für 2015 dürfte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) laut Finanzkreisen bei gut 190 Millionen liegen. Hauptgrund für den Erfolg: die gute Konjunktur in Deutschland.

Je mehr produziert wird, desto mehr Abfälle fallen an. Es gibt aber noch einen weiteren entscheidenden Aspekt in dieser Rechnung: Aus dem Ausland wird immer mehr Müll nach Deutschland importiert. Alleine aus Großbritannien wurden im vergangenen Jahr fast 670.000 Tonnen brennbare Abfälle über den Ärmelkanal transportiert – das geht aus Hochrechnungen der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) hervor.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

04.02.2016, 11:20 Uhr

Ist doch schön, dass man lesen muss, dass die Chinesen jetzt das Geschäft der Müllverbrennung in Deutschland zentralisieren dürfen.
Deutschland als Zentraleanlaufstelle für europäischen Müll. Der hier in Deutschland verbrannt wird und die Kassen in China zum Klingeln bringt.
Einfach nur noch köstlich die Ausbeutung der deutschen Gesellschaft durch unsere Grün-Sozialistische Merkel Lobby Diktatur.

Rainer von Horn

04.02.2016, 11:37 Uhr

Zitat:
"Aus dem Ausland wird immer mehr Müll nach Deutschland importiert."
Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Was mir nicht klar ist: wenn jetzt ausländischer Müll in Deutschland verbrannt wird, verbessert das dann die deutsche CO2-Bilanz oder verchlechtert dieselbe sich dadurch? Gilt der Müll quasi als "erneuerbar" und die Energie daraus als sauber? Wenn ja, wiesop produzieren wir nicht selbst mehr davon?

Herr richard roehl

04.02.2016, 11:44 Uhr

in China kommt dann Parfüm aus den Verbrennungsschloten. und damit wir das nicht irgendwann einatmen müssen, bauen wir eine Mauer bis in die Stratosphäre, genauso für die osteuropäischen Drecksschleudern aus denen wir dann unseren Strom beziehn. Wunderbare Globalisierung.

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