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09.11.2016

08:21 Uhr

Abschreibung auf Uniper

Eon am Boden – 9,3 Milliarden Euro Verlust

VonJürgen Flauger

Eon kommt die Abspaltung von Uniper teuer zu stehen: Der Energiekonzern muss in der Bilanz aufräumen – und einen gewaltigen Fehlbetrag verbuchen: Mehr als neun Milliarden Euro beträgt der Verlust.

Abschreibungen auf Uniper bescheren dem Konzern einen Milliardenverlust. dpa

Eon

Abschreibungen auf Uniper bescheren dem Konzern einen Milliardenverlust.

DüsseldorfVor knapp zwei Monaten hat Eon-Chef Johannes Teyssen die spektakuläre Aufspaltung des bis dahin größten deutschen Energiekonzerns zum Abschluss gebracht. Das notleidende Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken ist im neuen Unternehmen Uniper an der Börse. Eon selbst will endlich in der neuen Energiewelt durchstarten.

Der Neustart beginnt aber mit einer finanziellen Hiobsbotschaft: Eon meldete am Mittwoch einen Rekordverlust. Unter dem Strich summiert sich der Fehlbetrag nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres auf 9,3 Milliarden Euro.

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Teyssen muss die Bilanz bereinigen. Nach dem Börsengang von Uniper, die neben den konventionellen Kraftwerken auch den Großhandel und die Gasproduktion umfasst, musste er den Buchwert – der bis zur Trennung noch mit rund 15 Milliarden Euro in der Bilanz stand – an den Marktwert anpassen. 6,1 Milliarden Euro schrieb der Energiekonzern ab, der noch 47 Prozent an Uniper hält. An der Börse wird Uniper aktuell nur mit 4,6 Milliarden Euro bewertet.

Dabei hat sich die neue Aktie bislang erstaunlich gut geschlagen. Sie notiert aktuell mit gut 12,5 Euro deutlich über dem Eröffnungskurs von 10,015 Euro. Der Kurs des Unternehmens, das vom ehemaligen Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer geführt wird, profitiert von einer überraschenden Erholung der Strompreise. Aktuell kostet am Terminmarkt der Leipziger Energiebörse EEX eine Megawattstunde, die im kommenden Jahr geliefert werden soll, 33,50 Euro. Anfang des Jahres waren es kaum mehr als 20 Euro.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Genau die Schwäche des Strompreises hatte Eon in Turbulenzen gebracht und letztlich zur Abspaltung der konventionellen Kraftwerke gezwungen, die immer weniger Geld verdienten. Den Preisanstieg begründen Analysten jetzt vor allem mit dem Anstieg des Steinkohlepreises. Zudem stehen in Frankreich mehrere Kernkraftwerke still. Die Aktie von Eon hat seit dem Börsengang von Uniper dagegen leicht an Wert verloren.

Dabei läuft es im neuen Kerngeschäft eigentlich ganz gut: In den Sparten erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb lag das um Sondereffekte bereinige operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit knapp 1,9 Milliarden Euro um rund 13 Prozent über dem des Vorjahres.

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Der Plan des RWE-Chefs ist aufgegangen: Mit dem Börsengang wird die neue grüne Tochter Innogy auf Anhieb der wertvollste deutsche Energiekonzern – vor Eon. Der Eon-Boss hält sein Modell trotzdem weiterhin für überlegen.

Eon musste aber auch die Pensionsverpflichtungen an das niedrigere Zinsumfeld anpassen. Und der Konzern muss auch noch mit einer anderen Altlast kämpfen – dem Atomausstieg. „Eine Einigung bei der Finanzierung des Kernenergieausstiegs wird zusätzliche negative Auswirkungen haben“, teilte der Konzern mit.

Kommentare (6)

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Rainer von Horn

09.11.2016, 09:42 Uhr

Die Risiken und Nebenwirkungen der Energiewende haben auf keinem Beipackzettel gestanden. Sichtbar und wirksam sind sie dennoch.
Lustig zu sehen, wie das Industrieland Deutschland es schafft, seine Energieerzeugungsbasis zu ruinieren - unter dem Beifall des Wahlvolkes.

Denk ich an Deutschland.....

Account gelöscht!

09.11.2016, 10:45 Uhr

Das war Merkelsche Politik nach Fukushima Banken sind gefolgt!

Jetzt fehlen noch die Versicherungen und dann die Automobile Gesellschaft.

Der Letzte macht dann das Licht aus.

Account gelöscht!

09.11.2016, 10:46 Uhr

Das war Merkelsche Politik nach Fukushima Banken sind gefolgt!

Jetzt fehlen noch die Versicherungen und dann die Automobile Gesellschaft.

Der Letzte macht dann das Licht aus.

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