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05.02.2014

15:27 Uhr

Ärger um Stromtrassen

Herr Specker-Palm ist sauer

VonMatthias Lauerer

Nicht in meinem Garten: Die Wut vieler Bürger über den Ausbau der deutschen Stromtrassen ist groß. Jahrelang wehren sie sich gegen Strommasten. Doch der Erfolg ihrer Beschwerden bleibt oft aus.

Eine Stromtrasse durch den Thüringer Wald. Bei Familie Specker-Palm steht solch ein Mast genau neben ihren Apfelbäumen vor dem Haus. dpa

Eine Stromtrasse durch den Thüringer Wald. Bei Familie Specker-Palm steht solch ein Mast genau neben ihren Apfelbäumen vor dem Haus.

MeckenheimKarl-Heinz Specker-Palm schaut aus dem Fester seines Hauses in Meckenheim. Neben seinen Apfelbäumen steht jetzt ein hoher Masten. Specker-Palm wollte diesen Masten nicht, er hat sich bis zum Schluss dagegen gewehrt – und am Ende verloren. Der Netzbetreiber Amprion hat hier im Frühjahr 2013 damit begonnen, das Stromnetz für die Energiewende zu erweitern. Die Trasse beginnt in Emden und führt über Osterrath nach Philippsburg.

Die Bürger sind nicht erfreut darüber. „Es ist eine Unverschämtheit, was hier passiert ist“, sagt der 54-Jährige mit zornbebender Stimme und schüttelt den Kopf. Dann geht der Vater einer erwachsenen Tochter zur „DeLonghi“ Kaffee-Maschine, drückt den Knopf – und röchelnd rinnt heißer Espresso in die weiße Tasse. In den kommenden Jahren soll das deutsche Stromleitungsnetz um mehrere Hundert Kilometer wachsen. Denn durch die Energiewende gibt es nicht mehr wenige große Kraftwerke, die mehrere tausend Haushalte zentral versorgen können, sondern viele kleine Wind- und Solarkraftanlagen, die überall in Deutschland verteilt sind. Und das erfordert mehr Leitungen – und provoziert den Ärger der betroffenen Anwohner.

Jahrelang wehrte sich die Familie gegen den Strommasten. Specker-Palm ging zu Anhörungen und Bürgersprechstunden, las Akten und studierte die Wirkung der elektrischen und magnetischen Felder auf den menschlichen Körper. Netzbetreiber Amprion beauftragte Specker-Palm mit einer Messung elektrischer und magnetischer Felder. Ergebnis: Alle Werte lägen im Bereich des Erlaubten.

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Specker-Palm wandte sich mit seinen Einwänden und Bedenken gegen das Planfeststellungsverfahren. Er beschwerte sich beim Bürgermeister der gut 24.000 Seelen-Gemeinde. Selbst die CDU-Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager erhielt einen Brief von ihm. Am 18. Dezember 2010 antwortete sie: „Ich kann die von Ihnen vorgetragenen Gründe persönlich sehr gut nachvollziehen.“

Genutzt hat all das Protestieren nichts. Denn die Ausbauarbeiten der Höchstspannungsleitung schritten voran. Auch auf den Strecken Wesel-Koblenz (Krefeld), Bornheim-Meckenheim, Gütersloh-Bielefeld und im Raum Ibbenbüren sowie in Duisburg lässt Netzbetreiber Amprion Teile der neuen Stromautobahn bauen.

Kommentare (4)

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HofmannM

05.02.2014, 15:59 Uhr

Nochmal! Auch für das Handelsblatt!
Wenn Deutschland seine Kraftwerke abschaltet, dann ist Deutschland im Arbeiter- und Bauernstaat wieder angekommen!
Unser strombasierender Wohlstand ist auf einen Kraftwerkmixpark von Kohle,Gas und Uran zwingend angewiesen! Ein Erneuerbares Energiesystem (Wind,Sonne,Faulgas) ist und bleibt unbezahlbar und von der Technik/Physik nicht machbar!

Account gelöscht!

05.02.2014, 17:11 Uhr

Hähä! Tja, so iss dat mitte guten Wutbürger: Erst für die Energiewende demonstrieren und für die Abschaltung der großen Kraftwerke, AKW eingeschlossen. Kaum steht ein kleiner Auswuchs der Energiewende neben den Lieblingserdbeeren und Apfelbäumchen wird Zeter und Mordio geschrien. Ich lach mich scheckig! Irgendwann sind wir von Windmühlen und Masten regelrecht zugesch..en. Energiewende sei Dank! Als Zugabe gibbet dann noch ne saftige Strompreiserhöhung.

Nachwuchs

05.02.2014, 19:08 Uhr

Genau das ist es, was die Wutbürger und Politiker wollen: Strompreise, die kein Normalbürger zahlen kann. Wir sollen zurück zur natur. Nur noch offenes Feuer und kerzenlicht. Kleider = Felle bzw. Stricksachen wie Hr. Sarrazin es schion für Hartzer wollte und Hr. Schröder/SPD es befahl.

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