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14.04.2016

14:37 Uhr

AKW Philippsburg

Die wichtigsten Fragen zur Atom-Panne

VonJürgen Flauger

Die Betreiber von Atomkraftwerken betonen stets die hohen Sicherheitsanforderungen in ihren Anlagen. Im AKW Philippsburg von EnBW ist jetzt aber eine bedenkliche Panne passiert. Die wichtigsten Fragen zu dem Fall.

Wie gefährlich sind die deutschen Kernkraftwerke? dpa

Atomkraftwerk Philippsburg

Wie gefährlich sind die deutschen Kernkraftwerke?

DüsseldorfVor mehr als zehn Jahren gab der damalige Chef der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Utz Claassen, ein markiges Versprechen ab. In den Kernkraftwerken des Konzerns gelte ab sofort eine „Null-Fehler/Null-Toleranz-Politik“. Kurz zuvor hatte es eine Panne in einem Kernkraftwerk gegeben. Kontaminiertes Wasser war in den Neckar gelangt. Die Botschaft von EnBW damals war klar: So etwas wird nicht wieder vorkommen, der Konzern gewährleiste ein Höchstmaß an Sicherheit in ihren Reaktoren.

Jetzt ist der Energiekonzern mit einer neuen Panne konfrontiert. Ein Prüfer hat bei der Kontrolle von Sicherheitseinrichtungen geschummelt. Das wirft Fragen auf, wie ernst es EnBW tatsächlich mit der Sorgfalt nimmt.

Was genau ist passiert?

Im Atomkraftwerk Philippsburg hat ein Techniker bei den regelmäßigen Prüfungen der Messeinrichtungen für Strahlenschutz die Kontrolle mehrfach nur vorgetäuscht. Nach Angaben des Energiekonzerns handelte es sich um den Mitarbeiter eines externen Dienstleisters. Er soll die Prüfung in acht Fällen nur vorgetäuscht haben. Gegen den Mitarbeiter werden nun rechtliche Schritte geprüft.

Die deutschen Atomkraftwerke und ihre Restlaufzeiten

Schrittweiser Automausstieg

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 nahm die Bundesregierung ihre erst ein Jahr zuvor vereinbarte Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke zurück und beschloss einen schrittweisen Atomausstieg. Statt frühestens 2036 soll nun der letzte Meiler bis 2022 vom Netz gehen. Acht AKW wurden 2011 sofort stillgelegt.

Rückbau

Der Rückbau wird Jahre dauern und Milliarden kosten - hinzu kommen die ungewissen Kosten bei der Endlagerung des Atommülls. Die Restlaufzeiten der noch in Betrieb befindlichen Reaktoren:

Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1395

Restlaufzeit: fünf Jahre (1989 - 2022)

Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Haupteigentümer: EnBW

Nennleistung in Megawatt: 1458

Restlaufzeit: zwei Jahre (1984 - 2019)

Isar II (Bayern)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1475

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Gundremmingen B (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: bis Ende des Jahres (1984 - 2017)

Gundremmingen C (Bayern)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1344

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Grohnde (Niedersachsen)

Haupteigentümer: Eon

Nennleistung in Megawatt: 1360

Restlaufzeit: vier Jahre (1984 - 2021)

Emsland (Niedersachsen)

Haupteigentümer: RWE/Eon

Nennleistung in Megawatt: 1400

Restlaufzeit: fünf Jahre (1988 - 2022)

Brokdorf (Schleswig-Holstein)

Haupteigentümer: Eon/Vattenfall

Nennleistung in Megawatt: 1440

Restlaufzeit: vier Jahre (1986 - 2021)

Wie ist das aufgefallen?

Die EnBW hatte im April bei einer eigenen Überprüfung festgestellt, dass der Mitarbeiter im vergangenen Dezember eine Prüfung nur vorgetäuscht hatte. Bei anschließenden Kontrollen seien sieben weitere Fälle aufgefallen. Der Konzern betont, dass er den Vorfall unmittelbar dem zuständigen Umweltministerium von Baden-Württemberg gemeldet habe.

Wie gefährlich war der Vorfall?

Nach Angaben von EnBW waren die Messeinrichtungen vor und nach der Prüfung intakt. Dies sei „durch frühere und spätere korrekt durchgeführte Prüfungen sowie durch weitere Indikatoren nachgewiesen“ worden. Das Kernkraftwerk, das seit 1984 in Betrieb ist, ist aktuell ohnehin nicht in Betrieb. Es ist seit dem achten April zur jährlichen Revision vom Netz.

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