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11.07.2016

14:28 Uhr

Alcoa und Wall Street

Rohstoffflaute und Devisenchaos werden Berichtssaison prägen

VonAxel Postinett

Der Aluminiumkonzern Alcoa gilt als Gradmesser für den Zustand der US-Wirtschaft. Die heutigen Quartalszahlen geben einen Ausblick darauf, was Aktionäre in dieser Quartalssaison erwartet.

Der Aluminiumkonzern macht in der US-Quartalsaison den Anfang. Reuters

Alcoa

Der Aluminiumkonzern macht in der US-Quartalsaison den Anfang.

San FranciscoFür die einen ist es nicht mehr als ein liebgewonnenes Ritual, für die anderen ein Gradmesser für den Stand der Weltwirtschaft: Am Montag nach Börsenschluss wird der Aluminiumkonzern Alcoa seine Zahlen vorlegen – und damit den Auftakt der Quartalssaison in den USA machen. Die Frage ist: Wird das Traditionsunternehmen die Anleger erfreuen oder enttäuschen? Der Verbrauch und die Preisentwicklung von Aluminium gelten als Indikator für die Lage der Weltwirtschaft.

Auf jeden Fall wird es ein besonderer Tag. Vielleicht wird es das letzte Mal sein, dass Analysten und Strategen sich in Kaffeesatz-Leserei der Aluminium-Zahlen üben. Die geplante Aufspaltung von Alcoa in zwei börsennotierte Konzerne ist noch im zweiten Halbjahr möglich, hat Vorstandschef Klaus Kleinfeld versprochen. Der formelle Antrag an der US-Börse ist eingereicht.

Die alte Alcoa soll in Arconic umbenannt werden und die Produktion von hochwertigen Aluminiumteilen für die Industrie – vom Auto- bis zum Flugzeugbau – umfassen. Der Alcoa Corp. sind die restlichen Sparten vorbehalten – von Bergbau bis Aluminium-Schmelzen. Damit soll der Turnaround nach Jahren des Rückwärtstrends endgültig eingeleitet werden. Die Details der als steuerfrei geplanten Transaktion wird ein zentraler Punkt des Analystengesprächs am späten Montag werden.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Aber noch einmal sollen in alter Manier die Zahlen einen Hinweis darauf geben, was Aktionäre in den kommenden Wochen erwartet. Dieses Quartal ist geprägt von einer spürbaren Erholung bei den Rohstoffpreisen. Wird sich dieser Zustand in dieser Quartalssaison in besser als erwarteten Ergebnissen bei Minengesellschaften und der Öl- und Gasbranche niederschlagen?

Die Erholung bei Aluminium und seinen Rohstoffen war aber seit Jahresbeginn weniger stark als bei Rohöl. Zudem belastet Alcoa die schlechte Entwicklung der chinesischen Industrie. Der Grund: China ist einer der Hauptabsatzmärkte. Dort versucht der Alcoa-Konzern seinen Marktanteil bei Aluminium-Rohstoffen und Fertigprodukten auszuweiten. Das US-Unternehmen ist längst nicht mehr die Nummer eins der Welt, aus dem Dow-Jones-Index ist Alcoa längst ausgeschieden.

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Trotzdem sind noch Trendaussagen möglich. Im Bericht zum ersten Quartal diskutierte das Management etwa einen Überhang bei Inventar für die Flugzeugindustrie, einer der größten Kunden von Alcoa-Fertigteilen. Rund 40 Prozent des neuen Arconic-Umsatzes wird die Luftfahrtbranche bestreiten. Sowohl eine Verschlechterung als auch eine Verbesserung der Konzern-Zahlen können einen Hinweis auf die Ergebnisse von Schwergewichten wie Boeing und die gesamte Konjunktur geben.

Morgan Stanley geht in einer aktuellen Studie für Alcoa von einem Quartalsgewinn pro Aktie von zwölf Cents aus. Dabei hat die Analyse den Gewinn des ersten Quartals von sieben Cent als Grundlage genommen. Für die Preisentwicklung bei Aluminium wird ein Cent aufgeschlagen, zwei Cents für Kosteneinsparungen bei der Rohstoffförderung und 1,5 Cents bei der Verarbeitung. 1,7 Cent mehr Gewinn pro Aktie steuert die Preisentwicklung bei Aluminiumoxyd bei. Darüber hinaus gibt es noch einen „Brexit“-Abschlag von einem Cent. Die vorherige Schätzung lag bei 13 Cents, der Schnitt der Analysten erwartet nun neun Cent Gewinn pro Aktie. Der Quartalsumsatz wird bei 5,4 Milliarden Dollar angesetzt, zwölf Prozent unter dem Stand vom ersten Quartal.

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