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02.07.2016

17:15 Uhr

Alles auf Zucker

Bitterer Beigeschmack

VonRegine Palm, Christoph Kapalschinski

In dieser Woche ist der Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Das trifft vor allem die Süßwarenhersteller in Deutschland hart. Werden sie den Preisaufschlag auf die Verbraucher abwälzen?

Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie noch vor 50 Jahren. Amerikaner essen durchschnittlich 58 Kilogramm pro Jahr, Deutsche immerhin 36 Kilogramm oder einen 132 Meter hohen Zuckerwürfelturm. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu konsumieren, wenn sie gesundheitliche Probleme vermeiden wollen. Zucker gilt nach wie vor als Nahrungs- und Genussmittel, das Suchtpotential ist umstritten. dpa

Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie noch vor 50 Jahren. Amerikaner essen durchschnittlich 58 Kilogramm pro Jahr, Deutsche immerhin 36 Kilogramm oder einen 132 Meter hohen Zuckerwürfelturm. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu konsumieren, wenn sie gesundheitliche Probleme vermeiden wollen. Zucker gilt nach wie vor als Nahrungs- und Genussmittel, das Suchtpotential ist umstritten.

Düsseldorf/HamburgFür Süßwarenhersteller sind bittere Zeiten angebrochen. Allein im zurückliegenden Jahr hat sich der Rohstoff Zucker um rund 50 Prozent verteuert. In der vergangenen Woche haben ein knappes Angebot und die Aufwertung der brasilianischen Währung den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren getrieben. Der US-Kontrakt auf Rohzucker verteuerte sich um bis zu 3,4 Prozent auf 20,11 US-Cent je Pfund. In London legte der Future auf raffinierten Zucker zeitweise 0,9 Prozent auf 573,20 Dollar je Tonne zu.

Nach Jahren der Überproduktion gehen Börsianer davon aus, dass die Nachfrage das Angebot bald wieder übersteigen wird. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, seien daher gezwungen, sich mit Zucker einzudecken, um ihre Verluste zu minimieren. Gleichzeitig ist der Real, die Währung des weltweit wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, so teuer wie zuletzt vor etwa einem Jahr.

Noch ist am Markt keine Entspannung in Sicht. Sollten die Preise weiter ansteigen, könnten das auch die Verbraucher spüren. „Rohstoffpreiserhöhungen können tendenziell zu höheren Preisen führen“, räumt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ein.

Zucker – der süße Energielieferant

Kohlenhydrat

Zucker ist ein Kohlenhydrat und hat einen hohen Kaloriengehalt. Der Energielieferant kommt in der Natur in verschiedenen Formen vor.

Quelle: dpa/zentrum-der-gesundheit.de

Haushaltszucker

Der Haushaltszucker (Saccarose) wird hauptsächlich aus Zuckerrohr und wie in Deutschland aus Zuckerrüben gewonnen.

Zucker hat viele Namen (1)

Es gibt verschiedene Sorten wie Kristallzucker, Puderzucker, Würfelzucker oder Kandis. In westlichen Gesellschaften ist der Konsum von raffiniertem Zucker zur täglichen Sucht geworden.

Zucker hat viele Namen (2)

Der Zuckergehalt eines Produktes wird häufig absichtlich vor dem Konsumenten „versteckt“. In der Zutatenliste des Etiketts wird der Zucker nämlich nicht unbedingt auch als solcher deklariert. Da steht vielleicht Saccharose oder Glukosesirup (als billiger Ersatz für Haushaltszucker, der nicht minder gefährlich ist).

Zucker hat viele Namen (3)

Oft enthalten Produkte auch reinen Traubenzucker (Glucose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei all diesen Zuckerarten handelt es sich um raffinierte Industriezucker – ganz egal, ob sie nun aus der Milch oder aus Früchten gewonnen wurden.

Fruchtzucker

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, klingt gesünder, hat aber keinen geringeren Energiegehalt als Kristallzucker. So müssen Diabetiker den Fruchtzucker wie normalen Zucker berechnen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass ein Übermaß an Fruktose in der Ernährung die Entwicklung von Fettleibigkeit begünstigt.

Künstliche Süßstoffe

Aspartam ist ein bekannter Süßstoff, der synthetisch hergestellt wird. Er ist in Softdrinks und Kaugummi weit verbreitet. Es gibt immer wieder Debatten, ob künstliche Süßstoffe gesundheitsgefährdend sind. Aspartam wurde in Deutschland 1990 zugelassen, die erlaubte Tagesdosis beträgt 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Natürliche Süßstoffe (Stevia)

Das zerkleinerte Stevia-Blatt ist 30-mal süßer als Kristallzucker. Wird der Süßstoff aus dem Blatt isoliert, erhält man den Süßstoff Steviosid, der 250- bis 300-mal süßer als Zucker ist. Ein weiterer Stoff, der aus der Pflanze gewonnen werden kann, ist das Rebaudiosid-A – 300- bis 450-mal süßer als Zucker.

Gesundheitsrisiko

Heute wird darüber diskutiert, ob Zucker ein Gesundheitsrisiko ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland und den USA mit mehr als 30 Kilogramm jährlich ähnlich hoch.

Maissirup

Die Amerikaner konsumieren aber mehr Maissirup, der häufig in Softdrinks verwendet wird. Er trägt möglicherweise zu Fettleibigkeit und einigen Erkrankungen bei.

Entscheidend sei dafür aber allein der Wettbewerb. Und selbst die höheren Preise schlagen nicht sofort bis zu den Abnehmern durch. Denn im Süßwarenbereich schließen die Unternehmen in der Regel längerfristige Lieferverträge ab, die meist über ein Jahr laufen. Viele Süßwarenhersteller betrachten daher die Entwicklung an den Rohstoffmärkten noch mit einer gewissen Ruhe.

Doch in Branchenkreisen heißt es auch, dass die relativ geringen Lagerbestände des Süßstoffs Zucker einigen der Gesellschaften bereits Sorgen bereiten. Sie sind nach Angaben des Analysehauses F.O. Licht im vergangenen Jahr gesunken. Wurden 2014/15 noch 78,4 Millionen Tonnen gehortet, wird für die Saison 2015/16 ein Rückgang auf rund 72 Millionen Tonnen erwartet.

„Wir haben uns für dieses Jahr noch zu alten Preisen gedeckt“, sagt Hermann Bühlbecker, Chef der Lambertz-Gruppe. „Uns sind jetzt aber schon für weitere Zukäufe deutliche Preiserhöhungen avisiert worden, und wir müssen auch für das nächste Jahr von Preiserhöhungen ausgehen. Dies ist für uns als Süßwarenhersteller schon ein erheblicher Faktor, der auch zur Preiserhöhung der Produkte führen könnte.“

Die Krux dabei: Nicht nur Zucker wird teurer. Die Unternehmensgruppe Lambertz hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt, dass auch andere für sie wichtige Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Sowohl Schokolade, als auch Haselnüsse, Mandeln, Marzipan, Persipan und Honig hätten Höchststände markiert. Ganz ähnlich ergeht es dem Kekshersteller Bahlsen: „Für uns hat das einen doppelten Einfluss: Der direkt eingekaufte Zucker wird teurer, aber auch Zutaten wie Schokolade und Sirup“, sagte ein Sprecher. Das komme eben zusätzlich zu hohen Kakaopreisen.

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