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23.06.2014

13:49 Uhr

Alstom-Deal

Zukunft von Alstom in Deutschland unklar

Siemens Niederlage im Bieterkampf um den französischen Industriekonzern Alstom, bedeutet auch eine unklare Zukunft für die deutschen Standorte. Die Gewerkschaft IG Metall fordert, dass schnell Klarheit geschaffen wird.

Was geschieht mit den deutschen Alstom-Standorten? Die IG-Metall will, dass zügig Fakten geschaffen werden. dpa

Was geschieht mit den deutschen Alstom-Standorten? Die IG-Metall will, dass zügig Fakten geschaffen werden.

Mannheim/BerlinNach der Einigung auf eine Kooperation zwischen dem französischen Industriekonzern Alstom und General Electric (GE) sind die Auswirkungen auf die deutschen Standorte ungewiss. Welche Folgen dies für die rund 8600 Mitarbeiter hierzulande haben werde, werde sich erst in den kommenden Wochen und Monaten konkretisieren, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Berlin.

Am Wochenende hatte die Alstom-Spitze das Kooperationsangebot des US-Konzerns angenommen. Gleichzeitig kann der französische Staat mit 20 Prozent größter Aktionär bei Alstom werden. Darauf hatten sich Regierung und Großaktionär Bouygues geeinigt. Der deutsche Siemens-Konzern ist damit aus dem Rennen.

Was das für die deutsche Belegschaft heißt, ist offen. Im Gegensatz zu Siemens hatte Alstom in seinem Angebot lediglich zugesagt, 1000 neue Jobs in Frankreich schaffen zu wollen. Siemens hatte in seinem Angebot für den Bereich Gasturbinen eine dreijährige Beschäftigungsgarantie gegeben. Davon hätten nach Angaben des Alstom-Firmensprechers in Deutschland gut 700 Mitarbeiter profitiert.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Der Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall hatten im Mai eine faire Standortpolitik nach einer Übernahme gefordert. Der Geschäftsführer der IG Metall in Mannheim, Klaus Stein, forderte nun, dass schnell dargelegt werde, was man mit den deutschen Standorten vorhabe und wie die organisatorische Entwicklung aussehe. Nach Salzgitter mit 2800 Mitarbeitern ist Mannheim mit 1800 Beschäftigten der größte deutsche Standort. Stein sagte, er sehe durchaus Chancen, dass der Standort in Mannheim in Summe gehalten werden könne.

Von

dpa

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