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22.05.2014

10:51 Uhr

Alstom-Übernahme

Siemens-Chef sagt GE den Kampf an

„Wir sind und bleiben sehr handlungsfähig“: Siemens-Chef Joe Kaeser geht im Kampf um die Energietechnik von Alstom in die Offensive und sendet markige Worte in Richtung des Konkurrenten General Electric.

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser, hatte für ein von der Politik gefordertes Gebot als Retter vor GE mehr Informationen von Alstom verlangt. dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser, hatte für ein von der Politik gefordertes Gebot als Retter vor GE mehr Informationen von Alstom verlangt.

MünchenSiemens -Chef Joe Kaeser will sich im Ringen um die Energietechnik von Alstom nicht unterschätzt wissen. „Wenn irgendein Wettbewerber gedacht hat, wir wären gerade so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir nicht jederzeit und überall handlungsfähig sind, dann war das ein ziemlicher Irrtum“, sagte er im Gespräch mit der Mitarbeiterzeitung des Konzerns auf die Frage, ob der Vorstoß in Frankreich eine Kampfansage an GE sei. „Wir sind und bleiben sehr handlungsfähig - strategisch und finanziell.“

Spekulationen, Siemens könnte im Ringen um die Alstom-Energietechnik seine gesamtes Bahngeschäft an die Franzosen übertragen, trat der Manager entgegen. „Ich kann unseren Mitarbeitern versichern, dass wir langfristig im Bahngeschäft engagiert bleiben wollen - egal in welcher Konstellation. Wie dann gegebenenfalls Mehrheitsverhältnisse kurz und langfristig aussehen würden, müsste man sehen", erklärte Kaeser. Die IG Metall hatte bereits gefordert, Siemens dürfte den Zugriff auf die Zugtechnik nicht verlieren.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Siemens tut sich gerade schwer mit den Franzosen. Kaeser hatte für ein von der Politik gefordertes Gebot als Retter vor GE mehr Informationen von Alstom verlangt. Das Unternehmen, das sich für ein Zusammengehen mit den Amerikanern ausgesprochen hatte, zeigt den Münchnern indes die kalte Schulter. Jeder alternative Bieter bekäme die gleichen Informationen wie GE auch, erklärte eine Sprecherin am Mittwochabend.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 16:13 Uhr

Markige Sprüche.

Siemens will die gesamte Bahnindustrie an die Franzosen werfen.

Dazu bleibt Nuklear und Windsparte Alstoms bei den Franzosen.

Noch dazu die weitreichenden Mitspracherechte der Franzosen.

Man könnte auch von verscherbeln und anbiedern sprechen. Anbiederung und Hofierung eines stets überheblichen und anmaßenden Konkurrenten gegenüber Siemens.

Was ist mit Siemens Graz? Dem Achsenkompetenzzentrum, wichtiger Arbeitgeber in Österreich. Da werden sicherlich etliche Arbeitnehmer dran glauben müssen.

Können Alstom doch komplett kaufen. Dann ist das auch ein europäischer Champion. Nur mit Sitz in Deutschland. Wo ist das Problem?

Statt markigen Taten macht Kaeser Käse.

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