Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2016

16:17 Uhr

Alu-Konzern Hydro

Das ewige Leben der Dosen

VonMartin Wocher

Die Dose lebt trotz Pfand: Der Alu-Konzern Hydro hat in Neuss am Rhein eine der modernsten Aluminium-Recyclinganlagen weltweit in Betrieb. Sie liefert den heiß begehrten Grundstoff für neue Getränkedosen.

Der Recyclinganteil liegt in Europa bei über 70 Prozent. Hydro

Aluminiumdosen vor dem Recycling

Der Recyclinganteil liegt in Europa bei über 70 Prozent.

NeussTotgesagte haben manchmal ein erstaunlich langes Leben: Noch vor 13 Jahren schien die Getränkedose am Ende zu sein – zumindest in Deutschland. Der damalige Umweltminister Jürgen Trittin hatte gegen den erbitterten Widerstand der Wirtschaft das Dosenpfand und eine Rücknahmepflicht eingeführt. Der Handel reagierte umgehend und verbannte die bunten und so praktischen Behälter aus seinen Regalen. Von über sieben Milliarden Dosen im Jahr 2002 sackte der Verkauf auf nur noch 100 Millionen drei Jahre später. Doch seitdem steigt der Absatz kontinuierlich an und lag zuletzt bei rund zwei Milliarden Stück.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der ehedem als „Ex-und-hopp“- Lösung verpönten Dose hat sich durch die stetig wachsende Recyclingquote erhöht. Die Deutschen geben inzwischen immerhin gut 98 Prozent der Dosen wieder zurück. Für die Aluminiumkonzerne ist dieser Aluschrott eine immer wichtiger werdende – auch weil günstige – Rohstoffquelle.

Metallhandel: Der Schrott wird knapp

Metallhandel

Der Schrott wird knapp

Bei den Metallhändlern wird der Schrott knapp. Grund dafür ist das wachsende Umweltbewusstsein – durch das Recycling werden die Altmetalle zur begehrten Ware.

So hat der norwegische Konzern Norsk Hydro am Dienstag in Neuss bei Düsseldorf eine der modernsten Recyclinganlagen für Aluminiumdosen in Betrieb genommen. Rund 50.000 Tonnen der aus ganz Europa kommenden und in bis zu 250 Kilogramm schwere Ballen gepressten Dosen werden hier pro Jahr in mehreren Schritten bis auf Chipgröße zerkleinert, auf laufenden Bändern blitzschnell geröntgt, auf ihre Dichte vermessen und von anderen Metallen erleichtert.

Hunderte Düsen sortieren anschließend per Druckluft und in rasender Geschwindigkeit das gute Aluminium von den schlechten Resten, hauptsächlich Kunststoffe. „Die Ausbeute liegt bei fast 100 Prozent“, sagt der Werksleiter des Hydro-Werks in Neuss, Jan Peterlic. Bevor es in die Schmelzöfen geht, werden die Aluschnitzel noch von den Farbresten befreit, so dass das Rohmaterial für neue Dosen frei von Verunreinigungen ist.

Rund 45 Millionen Euro hat der norwegische Mutterkonzern in diese Anlage investiert, Das Geld soll sich – so die Erwartungen der Konzernmanager – schnell rentieren. Denn die Dose erfreut sich, angetrieben durch ihren Einsatz bei Energy Drinks und Bier, wachsender Beliebtheit. Ein Viertel der weltweiten Aluproduktion findet sich in der runden Form wieder.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×